18. Januar 2017

Fahrbericht Fünfte Generation des Kleinwagens Nissan Micra: Revolution für Europa

Nissan hat den Micra völlig neu aufgestellt
Nissan hat den Micra völlig neu aufgestellt © AG/Flehmer

Der Nissan Micra nimmt Abschied vom Weltauto. Der völlig neu konzipierte Kleinwagen kann sich nun voll und ganz den europäischen Ansprüchen stellen, was ihm auch gelingt, wie unser Fahrbericht zeigt.




Von Thomas Flehmer

Bürden sind häufig schwer zu tragen. Die vierte Generation des Nissan Micra musste als Weltauto allen Ansprüchen gerecht werden. Dass diese Bürde zu schwer war, zeigte sich allein in Deutschland beispielhaft. Lediglich 75.000 Käufer fanden sich in den vergangenen sechs Jahren für den die vierte Generation des Kleinwagens, rund 50.000 weniger als für die dritte Auflage, die allerdings auch acht Jahre lang auf dem Markt war.

Die fünfte Generation muss diese Bürde nicht mehr tragen – sie wurde radikal verändert und für europäische Ansprüche revolutionär umgewandelt. Die biedere Niedlichkeit der vergangenen Auflagen ist verflogen, der neue Micra ist erwachsen geworden und passt sich so dem B-Segment an.


Keine Kulleraugen mehr

Die Kulleraugen von einst sind schmalen Schlitzen mit LED-Tagfahrlicht in Bumerang-Form gewichen. Das geschärfte Design setzt sich mit der Motorhaube fort. In der Höhe geschrumpft steht der Micra nun viel kompakter auf den Reifen. Die Heckleuchten – ebenfalls in Bumerang-Form – haben den Weg vom 370Z und Juke gefunden und verleihen dem kleinsten Nissan nun eine gewisse Sportlichkeit.

Zehn verschiedene Lackfarben sowie drei Außendesignpakete in vier Farben können den vier Meter kurzen Micra in einen optischen Rennzwerg verwandeln. Auch im Innenraum wird es bunt. Hier stehen drei Pakete zur Auswahl, die auf dem Armaturenbrett sowie an den Türverkleidungen für Farbe sorgen und das Cockpit attraktiv gestalten.

Aufgepeppter Innenraum des Nissan Micra

Konnektivität mit Apple Car Play muss mittlerweile auch im Kleinwagensegment vertreten sein. Dass der Micra mit Notbrems-Assistent, Rund-um-View, Spurhalte-, Verkehrszeichen- und Fernlicht-Assistent sowie Totwinkelwarner aufgerüstet werden kann, ist nicht selbstverständlich. Hinzu kommt ein nettes Bose-Audio-System mit Lautsprechern in den Kopfstützen, die die Musik näher bringen ohne dabei die Sinne zu stören.

Die Sitze sind etwas zu weich und zu kurz ausgefallen. Auch die hinteren Sitzplätze hätten etwas liebevoller gestaltet werden können. Zudem stoßen nicht nur große Personen aufgrund der niedrigeren Höhe mit dem Kopf an den Dachhimmel. Beinfreiheit ist bei einem Radstand von 2,53 Metern dabei genug vorhanden. Fahrer und Beifahrer vorn haben diese Probleme nicht. Trotz der abfallenden Dachlinie ist genügend Übersicht vorhanden. Der Kofferraum fasst den im B-Segment Spitzenwert von 300 Litern, die auf 1004 Liter ausgeweitet werden können.

Flotter Dreizylinder für den Nissan Micra

Das Cockpit des Micra kann farbenfroh ausfallen
Das Cockpit des Micra kann farbenfroh ausfallen © Nissan

Ein Dreizylinder-Benziner sowie ein Vierzylinder-Diesel – beide mit 90 PS, beide vom Allianz-Partner Renault – treiben den Micra an, der sich auch im Renault-Werk in französischen Flins die Produktionslinie, nicht aber die Plattform mit dem Clio und dem Zoe teilt. Ab März folgt noch ein 73 PS starker Benziner.

Rund 70 Prozent der Kunden sollen sich für den Dreizylinder entscheiden, der den Micra recht flott antreibt. 12,1 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h sind für einen Kleinwagen aller Ehren wert. Der Verbrauch von 4,4 Litern konnte auf den ersten Testfahrten nicht ganz erreicht werden. Aber 0,4 Liter mehr machen den Kohl nicht fett.

Nissan Micra startet bei 12.990 Euro

Der Dreizylinder macht beim Nissan Micra das Rennen
Der Dreizylinder macht beim Nissan Micra das Rennen © AG/Flehmer

Im Gegensatz zu früheren Dreizylindern fährt der neue Motor sehr rund. Hinzu kommt, dass eine gute Dämmung kaum Geräusche hereinlässt. Auch das Fahrwerk tariert Unebenheiten der Straße aus. Die fünf Gänge lassen sich gut einlegen, müssen aber auch häufiger genutzt werden, da lediglich 140 Newtonmeter maximales Drehmoment erst bei 2250 Umdrehungen anliegen und so jeder noch so kleine Anstieg zum Herunterschalten auffordert.

Wie jede Revolution geht auch die Revolution des Micra ins Geld. Um rund 2500 Euro verteuern sich die Preise des völlig neu aufgestellten Kleinwagens. So geht die Basisvariante bei 12.990 Euro ins Rennen. Die Preise für den Dreizylinder, der erst ab der zweiten Ausstattungsvariante Visia Plus erhältlich ist, beginnen bei 15.790 Euro. Dann ist der Micra bereits gut ausgestattet und verteilt trotz des Preisanstieges mit seinem guten Preis-Leistungs-Verhältnis die Bürde auf die Mitbewerber.






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