25. April 2013

Fahrbericht Europäische Version Nissan Leaf: Länger fahren

Nissan produziert den Leaf jetzt auch in Europa für Europa.
Nissan produziert den Leaf jetzt auch in Europa für Europa. © Nissan

Nissan bringt im Juni eine europäische Version des Leaf auf den Markt. Das Elektroauto wird nicht nur günstiger, sondern fährt auch mit größerer Reichweite vor.




Mit dem 2010 vorgestellten Leaf, dem weltweit ersten Kompaktklassemodell mit reinem E-Antrieb, wollte Nissan die elektrische Mobilität auf Wachstumskurs bringen. Gelungen ist den Japanern dies bisher aber noch nicht richtig, blieb doch der Fünftürer im Format von Opel Astra oder VW Golf hinter den versprochenen Verkaufszielen zurück. Ändern soll dies jetzt eine Faceliftversion, die Nissan sogar als zweite Generation versteht. Eine echte Neuauflage ist der für Europa nun in England gebaute und optisch kaum veränderte Leaf zwar trotz 100 Modifikationen nicht, aber er fährt sich doch im besten Sinne viel europäischer als die bisher aus Japan gelieferten Batterieautos. Vor allem lockt er mit größerer Reichweite und deutlich günstigeren Preisen dank unterschiedlicher Ausstattungslinien, die die bisherige Einheitsausstattung ablösen.


Nissan senkt Preise für den Leaf

So kostet der Leaf in der neuen Basisversion Visia nur noch ab 29.690 Euro inklusive Batterie. Wer den Akku im neu angebotenen Leasingverfahren zu Preisen ab 79 Euro/Monat ordert, bekommt den Leaf sogar schon ab 23.690 Euro. Damit ist der Nissan das preiswerteste Elektrofahrzeug seines Segments und deutlich billiger etwa als vergleichbare Plug-in-Hybrid-Modelle.

In der Version Visia besitzt der Leaf Halogenlicht, Stahlräder sowie schwarze Rückspiegel. Die mittlere Stufe Accenta (ab 32.690 Euro mit Batterie) umfasst neben Leichtmetallfelgen und Rückfahrkamera auch dunkel getönte hintere Scheiben, während die Topausstattung Tekna (ab 35.090 Euro) neue luxuriöse Details wie Xenon, Ledersitze, eine rundum kameragestützte Einparkhilfe und ein sieben-Lautsprecher-Soundsystem von Bose bietet. Bei den deutschen Händlern trifft der europäische, weiterhin 80 kW/109 PS starke Leaf im Juni ein.

Reichweite des Nissan Leaf steigt an

Tatsächlich ist es die Reichweite, die für die Akzeptanz und den Alltagsnutzen des Stromers entscheidend ist. Ganz besonders gilt dies im Vergleich zu ähnlich großen elektrifizierten Wettbewerbern, die nicht auf konventionelle Verbrennungsmotoren als Reichweitenverlängerer verzichten wie etwa Chevrolet Volt, Opel Ampera oder Toyota Prius Plug-in. Gegenüber diesen Rivalen kann der Leaf jetzt nicht nur mit einem deutlich günstigeren Kaufpreis punkten.

Leaf-Fahrer kommen im Normzyklus nun 199 statt bisher 175 Kilometer weit. Laut Nissan kostet eine "Stromfüllung" im europäischen Mittel etwa 2,60 Euro. Da tut Tanken nicht weh, auch wenn die Strompreise in Deutschland einmal Laden eher Richtung fünf Euro bringen, und die die Ladestation in der Praxis doch eher nach 130 bis 160 Kilometern angesteuert werden muss, wie wir bei Testfahrten feststellten. Das ist immerhin für Ballungsräume ausreichend. Hier findet sich auch bereits ein Netz an öffentlichen Ladesäulen, das dichter ist als man denkt. Vor allem natürlich, wenn man in einer Stadt wie Oslo unterwegs ist. Nicht ohne Grund präsentiert Nissan deshalb den erneuerten Leaf in der norwegischen Kapitale. Können die Nordeuropäer doch an fast unzähligen Ladestationen tanken, zudem sparen sie beim Kauf Mehrwertsteuer, haben freie Fahrt auf Busspuren und keine Kosten auf öffentlichen Parkplätzen.

Lange Ladezeit des Nissan Leaf

Acht Stunden Ladezeit für den Nissan Leaf
Acht Stunden Ladezeit für den Nissan Leaf © Nissan

Zurück zum Alltag auf deutschen Straßen. Hier fehlt es nicht nur an Schnellladestationen an Überlandstraßen, sondern auch an der Möglichkeit, die Ladezeit an der heimischen Ladebox zu halbieren, so wie dies der Leaf jetzt in fast allen anderen europäischen Ländern ermöglicht. Nicht zugelassen in Deutschland ist die sogenannte Home-Wallbox mit 32 Ampere, an der eine Komplettladung nur vier Stunden dauert. So bleibt es wie bisher bei acht Stunden oder sogar zwölf Stunden an konventionellen Haushaltssteckdosen. Pionierarbeit ist eben aufwändig, entschädigt dafür mit anderen Werten. Etwa durch das gute Gefühl lokal emissionsfreier Elektromobilität den Weg zu bereiten – und durch Fahrfreude.

Komfortablere und dennoch nicht zu straffe Sitze mit ausreichend Seitenhalt, eine schnell ansprechende, direkte Lenkung, gut dosierbare Bremsen sowie ein neu abgestimmtes, strafferes Fahrwerk für Fahrspaß auf kurvenreichen Strecken wie durchs Großstadtgewirr machen den Leaf zu einem angenehmen Lebenspartner für vier bis fünf Insassen, der es in den genannten Disziplinen mit fast allen konventionell angetriebenen Kompakten aufnehmen kann. Dazu zählt auch das um 40 Liter vergrößerte Kofferraumvolumen, das mit 370 Litern jetzt exakt etwa das Maß des Opel Astra hat. Außergewöhnlicher und nützlich sind die vier Kameras des Parkassistenten, die beim Rangieren eine Aufsicht des Fahrzeugs auf den immerhin sieben Zoll großen Monitor des Navigationssystems zeigen.

Nissan Leaf lässt Porsche stehen - auf den ersten Metern

Viel Platz ist im Nissan Leaf vorhanden
Viel Platz ist im Nissan Leaf vorhanden © Nissan

Seine eigentliche Trumpfkarte spielt der Leaf aber durch die Art der Kraftentfaltung seines Elektromotors aus. Das satte Drehmoment von 254 Nm aus dem Stand heraus lässt beim Ampelsprint auch schon einmal Porsche-Fahrer zurückfallen und die fast lautlose Beschleunigung verblüfft immer aufs Neue – würde der Leaf nicht bis Tempo 30 Passanten durch kurze Pfeiftöne warnen. Sehen lassen kann sich auch die Sprintzeit von 11,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, während die abgeregelte Vmax von 144 km/h zum Mitschwimmen im Autobahnverkehr genügt.

Immer reagiert der Leaf ähnlich wie ein leistungsfreudiger Dynamiker spontan auf Gaspedalbefehle, es sei denn der Fahrer wählt den Ecomodus mit geänderter Gaspedalkennlinie zugunsten größerer Reichweite. Dann nimmt der Batterie-Nissan Beschleunigungsbefehle nur noch zäh und lethargisch an. Zusätzlich bietet der überarbeitete Leaf jetzt auch ein sogenanntes Fahrprogramm B, das die Reichweite durch eine gesteigerte Bremsenergierückgewinnung erhöht. Mit viel Platz vorn wie hinten und fast liebevoll sorgfältig verarbeiteten Materialien, die europäischer wirken als etwa im Toyota Prius Plug-in lädt der Leaf auch zu großen Familienausflügen ein. Fahrten, die völlig entspannt verliefen, bliebe nicht der angespannte Blick auf die Reichweitenanzeige. (SP-X)






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