31. Januar 2013

Fahrbericht Nur 210 Exemplare Nissan Juke Nismo: Drahtiger Basis-Ableger

Der Nissan Juke Nismo ist der erste Ableger der Motorsport-Tochter.
Der Nissan Juke Nismo ist der erste Ableger der Motorsport-Tochter. © Nissan

Nissans Motorsportabteilung hat den Juke auf dynamisch getrimmt. Der Juke Nismo schafft dabei den Spagat zwischen Komfort und Biestigkeit.




Schon wieder so ein Auto, das keiner klassischen Kategorie zuzuordnen ist. Es geht um den Nissan Juke, Nissans Kleinwagen-SUV mit dem ausgefallenen Blechkleid. Als der kaum mehr als vier Meter lange Zwerg im Jahr 2010 eingeführt wurde, war er einer der Gründungsmitglieder der Quasi-Geländewagen im Format typischer Einkaufsflitzer. Inzwischen verbuchen die Japaner den über 330.000-mal verkauften Allrounder als Erfolg.


Ausgewogenes Fahrwerk im Nissan Juke Nismo

Mit einer Maximalleistung von 190 PS war das Topmodell der Baureihe bisher keineswegs schwächlich unterwegs, doch jetzt macht Nissan den stylischen Viertürer schärfer. Nismo, die vor allem in Japan populäre Motorsport-Tochter der Marke, legt Hand an den Juke und zaubert einen drahtigen Ableger der Basis, der für 26.400 Euro offeriert wird. Wer aber einen PS-Boliden erwartet, sollte sich nicht getäuscht fühlen: Nach moderater Überarbeitung des 1,6 Liter großen Turbo-Direkteinspritzers steigt die Leistung auf 147 kW/200 PS, und die beinahe über das gesamte Drehzahlband abrufbare Zugkraft legt um 10 auf nunmehr 250 Nm zu. Einen Haudegen wollten die Verantwortlichen offenbar nicht machen aus ihrem unkonventionellen Familienmitglied.

Chefentwickler Noburo Kaneko erläutert, was der Fahrer später spüren soll: Straffere Dämpfer und ein um 20 mm tiefergelegtes Fahrwerk bescheren im Zusammenhang mit der direkter ausgelegten Lenkung viel Fahrspaß auf kurvigem Terrain, aber machen keinen Knochenrüttler aus dem kleinen Nissan. Tatsächlich wahrt er ein Mindestmaß an Komfort und mutet nahezu milde an auf der schnellen Piste. Typisch langwellige Verwerfungen auf der Autobahn schluckt die Federung gekonnt weg; in Kurven aber ist der Nismo ein Biest und umrundet sie agil und leicht untersteuernd, wie es für Fronttriebler typisch ist.

Optisch aufgepeppter Nissan Juke

Ein dickes Endrohr ziert das Heck des Nissan Juke Nismo
Ein dickes Endrohr ziert das Heck des Nissan Juke Nismo © nISSAN

Wer es zu wild treibt, erlebt ein sanft eingreifendes Stabilitätsprogramm. Man muss sich jedoch ins Zeug legen, um den obligatorischen 18-Zöllern der 225/45er-Liga Geräusche zu entlocken. Und die erfüllen nicht nur ihren Zweck in puncto Fahrdynamik, sondern sehen auch schick aus samt anthrazitfarben getönten Felgen. Optik spielt freilich auch eine entscheidende Rolle beim Nismo. Zwar trägt er nicht allzu dick auf, aber verkennbar ist der Spitzenliner kaum.

Extra breite Schweller, aerodynamisch ausgefeilte Schürzen mit roter Leiste und die ebenfalls in rot lackierten Spiegel sind unübersehbare Merkmale. Ein dickes Endrohr verrät den Nismo außerdem; letzteres ist darüber hinaus auch für den markanten Sound des Vierzylinders verantwortlich. Dezent, aber doch bestimmt, weist die Akustik auf eine sportive Lebensart hin. Während der Benziner im unteren Drehzahlbereich noch unauffällig agiert, wird er oben herum kehlig – just in dem Moment, da die 200 Pferde strammer werden im Galopp. Jetzt füllt sich auch der graphisch dargestellte Kreis im Display tief unten in der Mittelkonsole – die Rede ist vom etwas zu weit entfernten Ladedruck-Anzeiger.

Nissan Juke Nismo behält praktische Fähigkeiten

Der Nissan Juke Nismo erreicht nach 7,8 Sekunden Tempo 100
Der Nissan Juke Nismo erreicht nach 7,8 Sekunden Tempo 100 © Nissan

Man braucht keine Drehzahlen zu scheuen, der Turbo hängt süffig am Gas und marschiert willig Richtung 6000 Touren, während die sechs manuellen Gänge präzise einrasten. Dann wirkt die vom Werk angegebene Beschleunigung (7,8 Sekunden auf 100 km/h) auch glaubwürdig. Mächtige Sportsitze mit breiten Wangen halten sämtlichen dynamischen Anflügen sowohl des Fahrzeugs als auch seiner Piloten jederzeit stand.

Und obwohl der Nismo über einen ausgeprägten sportlichen Touch verfügt, büßt er keine einzige seiner praktischen Fähigkeiten ein: Auch die potenteste Ausgabe bietet den praktischen Kofferraum mit den verschiedenen Staufächern in der Abdeckung. Ein angemessenes Platzangebot lässt durchschnittliche Mitteleuropäer auch bei voller Besetzung kaum leiden, die Beinfreiheit im Fond ist naturgemäß nicht üppig, aber hinreichend bemessen. Gut zur Hand liegende Bedienelemente geben keine Rätsel auf in ihrer Funktion, so dass die Anleitung im Fach bleiben kann.

Keine Sonderausstattungen für den Nissan Juke Nismo

Ach ja, und es gibt – für den Kunden erfreulich und einfach bei der Entscheidung – keine Sonderausstattungen. Bereits ab Werk sind sämtliche Features an Bord, die das Autofahrerleben angenehm machen vom Navigationssystem über Klimaanlage und Radio bis hin zum schlüssellosen Schließsystem.

Gegen 3000 Euro Mehrpreis kommt der Juke Nismo analog zum starken Tekna als 4x4 – ausschließlich mit stufenloser CVT-Lösung. Wem die 200 PS übrigens noch immer nicht reichen, bekommt im Laufe dieses Jahres noch ein kleines Leistungsplus von etwa 20 Prozent. Den Basis-Nismo gibt es ab Mitte Februar. Und er wird vorerst eine wahre Rarität bleiben: Nissan selbst hat sich für 2013 lediglich 210 Exemplare vorgenommen. (SP-X)






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