9. Dezember 2013

Fahrbericht Auf Augehöhe mit Mini Countryman Nissan Juke: Das andere Mini-SUV

Der Nissan Juke ist der Anarcho unter den Mini-SUV.
Der Nissan Juke ist der Anarcho unter den Mini-SUV. © AG/Flehmer

Mit dem Juke hat Nissan den Trend zum Mini-SUV mitbegründet. Während die Nachfolger aber besonders bei älteren Junggebliebenen im Trend sind, verfolgt der Juke eine andere Richtung.




Mini-SUV sind – auch wenn das sportliche "S" im Kürzel etwas anderes suggeriert – vor allem etwas für ältere Autofahrer. Diese schätzen ganz besonders den bequemen Einstieg und den guten Blick auf die Straße, die aus der hohen Sitzposition resultieren, sowie die handlichen Abmessungen. Nissan sucht mit dem Juke allerdings konsequent eine ganz andere Zielgruppe.


Nissan Juke als jugendlicher Anarcho

Zwar bietet das japanische Mini-SUV durchaus die typischen rückenfreundlich montierten Vordersitze. Und auch an der Sicht nach vorn ist nichts auszusetzen. Doch für empfindliche Rücken und steife Gelenke ist der Juke ungefähr so geeignet wie "Yolo" und "Babo" für die Konversation an Omas sonntäglicher Kaffeetafel. Denn der Nissan gibt zwischen durchaus seniorenkompatiblen Hochsitz-Kleinwagen wie Opel Mokka und Peugeot 2008 den jugendlichen Anarcho.

Das beginnt schon mit dem überspitzten Styling. Vor allem die reptilienhaft oben auf der Motorhaube angebrachten Tagfahrlichter dürften bei der Generation Käfer wohl für noch mehr Irritationen sorgen als beim Bundesdurchschnittsverbraucher. Und auch der massige Karosseriekörper auf relativ kurzem Radstand und das betont sportliche Heck haben das Potenzial, zu polarisieren.

Nissan Juke setzt auf Design statt Alltag

Das Design ist bewusst und konsequent modisch. Der Juke ist so gesehen die extraenge Hipster-Jeans unter den Autos: Trendig, aber häufig belächelt und schlecht für die Bewegungsfreiheit.

Platz gibt es im Juke nämlich nur für Fahrer und Beifahrer, die Passagiere im Fond müssen unter dem abfallenden Dach die Hälse einziehen. Und der Kofferraum ist geradezu winzig. Selbst die meisten Kleinstwagen bieten mehr Platz. Und noch einen Nachteil hat der scharfe Karosserie-Zuschnitt: Beim Rückwärtsrangieren sieht man ohne die optionale Kamera fürs Heck so gut wie nichts.

Nissan Juke mit Mini Countryman in einem Boot

Lifestyle regiert auch das Cockpit des Nissan Juke
Lifestyle regiert auch das Cockpit des Nissan Juke © Nissan

Wenigstens mit einem speziellen Kleinwagen kann der Nissan beim Kofferraumvolumen aber dann doch mithalten: mit dem Mini, beziehungsweise der SUV-Variante Countryman. Und letztlich soll der Lifestyle-Flitzer auch viel eher als Mokka und Co. der Maßstab für den modischen Crossover sein. Das ist vor allem am knackigen Fahrwerk zu merken. In Anbetracht seiner Höhe und optischen Wucht flitzt der Juke nämlich durchaus agil über Stadt- und Landstraßen.

Die direkt ausgelegte Lenkung tut das Ihrige dazu und macht den 4,14 Meter langen frontgetriebenen Nissan gemeinsam mit dem Mini zum sportlichsten Angebot in seiner Klasse. Das hat allerdings seinen Preis, denn schlechte Straßen oder wellige Autobahn-Abschnitte reicht der steifbeinige Japaner ungefiltert und polternd direkt an die Insassen weiter. So sind lange Etappen trotz der durchaus bequemen Sitze vor allem für Rückenpatienten eher weniger zu empfehlen.

Diesel nicht unbedingt geeignet für Nissan Juke

5,5 Liter verbraucht der Diesel des Nissan Juke
5,5 Liter verbraucht der Diesel des Nissan Juke © AG/Flehmer

Das Motorenangebot wird dem sportlichen Gesamt-Charakter nur bedingt gerecht. Als Basistriebwerk fungiert ein etwas durchzugsschwacher 1,6-Liter-Benziner mit wahlweise 69 kW/94 PS oder 86 kW/117 PS. Dann klafft eine riesige Leistungslücke, bis die Turboversionen des gleichen Aggregats mit stolzen 140 kW/190 PS beziehungsweise 147 kW/200 PS das Angebot beschließen. Unser Testwagen war allerdings mit dem 1,5-Liter-Diesel ausgerüstet, einem Motor, der bei Nissan und Kooperationspartner Renault der Selbstzünder für alle Fälle ist. In fast jedem Modell der Japaner und Franzosen ist das Triebwerk zu haben.

Auch für den Juke wirkt er nicht eben maßgeschneidert. Das Nageln beim Kaltstart passt genau so wenig zum sportlichen Image wie die mauen Fahrleistungen. Bei gemäßigtem Grundtempo in der Stadt und auf Landstraßen gibt sich der knapp 1,3 Tonnen schwere Kleinwagen zwar noch ausreichend munter, auf der Autobahn wird es jenseits der 130 km/h plötzlich sehr zäh. Die in den technischen Daten angegebene Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h jedenfalls war nur mit viel Geduld zu erreichen. Zumindest treten trotz des fehlenden Allradantriebs keine Traktionsprobleme beim Anfahren auf, und auch an der Lenkung zerren keine spürbaren Kräfte. Zudem gibt sich der Vierzylinder mit ordentlichen 5,5 Litern auf 100 Kilometern zufrieden.

Nissan Juke deutlich günstiger als Mini Countryman

© AG/Flehmer

Wer ein komfortables und praktisches Mini-SUV sucht, ist beim Nissan Juke an der falschen Adresse. Singles und Großstädter können den Japaner aber als Alternative zu Mini und Co. auf die Liste nehmen. Vor allem da er mit einem Einstiegspreis von 15.450 Euro deutlich billiger als der BMW-Abkömmling ist (Countryman: ab 20.350 Euro). Beim Diesel, den es im Juke für 18.990 Euro gibt, liegt die Preisdifferenz ebenfalls bei gut 5000 Euro (Countryman Cooper D: 24.350 Euro). (SP-X)






Mehr zur Marke Nissan

Nach Skandal um SicherheitschecksNissan-Chefs verzichten auf Teil ihres Gehalts

Das Vorgehen ist nicht überall üblich. Nach einem Skandal um Sicherheitschecks bei Nissan stellen sich die Mitglieder der Chefetage der Verantwortung – auch im finanziellen Bereich.


Premiere des Elektroautos in TokioNeuer Nissan Leaf teilautonom unterwegs

Nissan verknüpft mit dem neuen Nissan Leaf die Elektromobilität mit dem autonomen Fahren. Zudem erhöhten die Japaner die Reichweite des bislang meist verkauften Elektroautos.


Premiere am 6. SeptemberNissan Leaf mit intelligentem Pedal

Der neue Nissan Leaf wird nicht nur mit erhöhter Reichweite ab September vorfahren. Das Elektroauto kann auch mit nur einem Pedal auskommen.



Mehr aus dem Ressort

Der Fiat Fullback Cross fühlt sich abseits der Straßen sehr wohl
Baugleich mit dem Mitsubishi L200Fiat Fullback Cross: Das Problem mit der Verwandtschaft

Das Segment der Pickups bildet noch eine kleine Community in Europa. Der Fiat Fullback Cross trifft dabei auf eine große multikulturelle Verwandtschaft der Lastenträger.


Ssangyong hat den Rexton komplett neu gestaltet
Vierte Generation des FlaggschiffsSsangyong Rexton: Neue Proportionen

Ssangyong fährt den Rexton in die vierte Auflage. Dabei hat das Flaggschiff eine komplette Umwandlung erhalten, bei der nur noch der Name übrig blieb.


Der Opel Insignia Country Tourer mag die rustikale Art
Dritte Variante des FlaggschiffsOpel Insignia Country Tourer: Ein wenig Freiheit und Abenteuer

Trotz des Booms bei den SUV gibt es auch noch Anhänger rustikaler Kombis. Opel schickt erneut die Offroad-Variante Country Tourer in den Schnee und Matsch.