25. September 2015

Fahrbericht Elektro-Kleinbus mit sieben Sitzen Nissan e-NV200 Evalia: Laut und leise

Der Nissan e-NV 200 Evalia ist der erste elektrisch angetriebene Siebensitzer.
Der Nissan e-NV 200 Evalia ist der erste elektrisch angetriebene Siebensitzer. © Nissan

Nissan stellt den NV200 Evalia auf Elektroantrieb um. Während der Kleinbus ohne Motorengeräusche vor sich hinschnurrt, kann es im Innenraum dank bis zu sieben Sitzen hoch hergehen.




Wer ein Elektroauto sucht, hat auf den ersten Blick eine große Auswahl: Kleinwagen, Kompakte, Supersportler und Transporter haben die großen Hersteller im Angebot. Was noch fehlte, war ein Kleinbus mit bis zu sieben Sitzen. Den bringt Nissan nun in Gestalt des e-NV200 auf den Markt. Die Preise starten bei 36.766 Euro inklusive Batterie. Wer den Akku lieber mietet als kauft, zahlt bei Auslieferung nur 30.870 Euro, muss aber zusätzlich mindestens 87 Euro im Monat (36 Monate, 10.000 km/Jahr) aufwenden.


Anleihen vom Nissan Leaf

Mit konventionellem Diesel oder Benziner fährt der Evalia bereits seit 2011 auf deutschen Straßen – bislang aber eher unter dem Radar. Kaum 1500 Einheiten hat Nissan im laufenden Jahr verkauft. Und dass, obwohl der 4,56 Meter kurze Fünf- bis Siebensitzer mit seiner Kombination aus Handlichkeit und cleverer Raumnutzung aktuell wenig Konkurrenz hat. Die Nachfrage wird wohl auch die neue Elektroversion nicht explodieren lassen.

Trotzdem ist das Nischenmodell wohl ein gutes Geschäft für Nissan: Antriebstechnik und Batterie können die Japaner vom Leaf übernehmen, die Übertragung auf die Nutzfahrzeugbaureihe hat man ebenfalls bereits erledigt, fährt doch seit kurzem auch die Kastenwagenversion des Evalia unter dem prosaischeren Namen e-NV200 durchs Land.

Einfache Materialauswahl für den Nissan e-NV200 Evalia

Robuste Verarbeitung im Nissan NV200 Evalia
Robuste Verarbeitung im Nissan NV200 Evalia © AG/Flehmer

Diese Herkunft ist dem Elektro-Evalia auch deutlich anzumerken. Außer an der eher einfachen Materialauswahl und der robusten Verarbeitung vor allem an dem flachgestellten Lenkrad. Allerdings auch an der ordentlichen Übersichtlichkeit und der guten Rangierbarbeit sowie den praktischen seitlichen Schiebetüren.

Die machen nicht nur enge Parklücken nutzbar, sondern erleichtern auch den Einstieg in die dritte Sitzreihe. Die ansonsten allerdings so eng ist wie unterhalb der Großraumlimousinen-Klasse üblich und sich vor allem für Kinder eignet. Auch vom Gepäckraum bleibt bei voller Bestuhlung nicht mehr viel übrig. Nominell passen zwar 444 Liter hinter die große Klappe, die müssen allerdings schon ziemlich senkrecht angeordnet sein.

Nissan e-NV200 Evalia mit 167 Kilometern Reichweite

Der Nissan e-NV200 Evalia schafft 123 km/h
Der Nissan e-NV200 Evalia schafft 123 km/h © Nissan

Was den Evalia unter Konkurrenten wie VW Caddy, Ford Tourneo Custom und Mercedes Citan besonders macht, ist der E-Antrieb. Der E-Motor schickt 80 kW/109 PS an die Vorderräder, die Spitze ist auf 123 km/h begrenzt, aus dem Stand dauert es 14 Sekunden bis die Tachonadel die Zahl "100" passiert. Als Reichweite nennt Nissan bis zu 167 Kilometer pro Batterieladung. Für den Stadtverkehr ist das mehr als ausreichend und scheint zudem realistisch. Während einer zweistündigen Test-Tour durch Essen zumindest schritten Kilometerzähler und Reichweitenanzeige im relativen Gleichschritt. Bei hohem Autobahntempo oder voller Beladung könnte das allerdings anders aussehen.

Der kurze und hohe Kleinbus profitiert von dem E-Antrieb. Die im Unterboden eingebauten Batterien rücken den ansonsten ungünstig hohen Schwerpunkt zurecht, das Mehrgewicht von rund 200 Kilogramm gegenüber dem Benziner sorgt auch unbeladen für eine satte Straßenlage. Dazu kommt der typische E-Auto-Vorteil: Die direkt abrufbare Durchzugskraft. Dank der vom Start weg anliegenden 254 Nm Drehmoment sorgt der Evalia an der Ampel für Überraschungsmomente bei Sportwagenfahrern und für zügiges Durchschlängeln im aufgelockerten City-Verkehr.

Nissan e-NV200 im Herzen ein Nutzfahrzeug

Natürlich bleibt der Stromer im Herzen ein Nutzfahrzeug, bei dem eben der Nutzen und nicht der Komfort gefragt ist. Dennoch kann man auch mit starrer Achse und Blattfedern ganz bequem unterwegs sein. Als komfortabel empfinden kann man auch das fehlende Motorengeräusch. Die bis zu sechs Kinder oder sieben Erwachsenen werden im Innenraum für mehr Krach sorgen. In der Stadt verlangt das aber auch ein Plus an Aufmerksamkeit, denn Fußgänger hören den Evalia ebenfalls kaum.

Ein Kernproblem teilt sich der Evalia mit allen Elektroautos: das Aufladen. An der normalen Steckdose dauert das Neubefüllen des Akkus rund zehn Stunden, gut vier Stunden Geduld sind nötig, wenn das Kabel mit einer 32-Ampere-Ladestation verbunden ist. Nur eine halbe Stunde dauert es, mit der Nissan-eigenen "Zapfsäule" mit 50 kW-Hochspannungs-Gleichstrom, von denen es in ganz Deutschland erst knapp 60 Stück gibt. Der nötige Anschluss mit Chademo-Standard ist beim Evalia aber immerhin bereits an Bord. Dazu kommen zahlreiche Pkw-typische Posten wie Klimaautomatik, Touchscreen-Multimediasystem und sogar ein beheizbares Lenkrad. Die Aufpreis-Liste ist kurz, neben der dritten Sitzbank für 741 Euro und einem 6,6-kW-Ladeanschluss (1074 Euro) führt sie noch Metalliclack (452 Euro), Einparkpiepser (ab 143 Euro) und ein paar Optik-Upgrades auf. (SP-X)






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