12. April 2017

Fahrbericht Kompakt-SUV mit neuer Front Mitsubishi ASX: Grüße vom Schönheitschirurgen

Mitsubishi hat die Nase des ASX verschönert
Mitsubishi hat die Nase des ASX verschönert © Mitsubishi

Der Mitsubishi ASX versprüht viel Charme mit seinem Pragmatismus ohne dass etwas vermisst wird. Ein wenig Eitelkeit haben die Designer dem Kompakt-SUV aber doch zukommen lassen.




Fast könnte man den Eindruck bekommen, Mitsubishi-Designer seien ein wenig unsicher. Zumindest beim 2010 eingeführten Kompakt-SUV ASX wurde bereits 2012 die zuvor noch als progressiv gelobte Jetfighter-Front durch ein eher harmloses Allerweltsgesicht ersetzt. Dieses haben die Japaner zum Modelljahr 2017 aufpoliert und damit dem schon betagten Modell wieder ein wenig mehr Strahlkraft verliehen. Beim Rest ist der ASX indes seinem Vernunft-Konzept treu geblieben und fährt sich wie immer: eigentlich gut.

Es ist schon erstaunlich, wie viel Unterschied eine Gesichts-OP machen kann. Dank des wiederholten Eingriffs der Schönheitschirurgen wirkt der ASX frischer und eleganter denn je. Zumindest von vorne. Beim Rest hat sich hingegen wenig getan und bietet der Wagen trotz einiger dynamischer Charakterlinien in den Flanken letztlich nur ein typisches SUV-Format.


Mitsubishi ASX einfach gestrickt - aber alles an Bord

Diese derzeit stark gefragte Fahrzeuggattung bietet natürlich Vorteile für den Alltag. Da wäre der des erhöhten Einstiegs, was vor allem ältere Menschen als Komfortbonus werten. Da ist aber auch ein gutes Raumangebot - vorne, hinten und fürs Gepäck. Trotz seines fortgeschrittenen Alters ist der ASX raumökonomisch auf der Höhe der Zeit. Ein Variabilitätsmeister ist der Japaner aber weiterhin nicht. Einzige Option: Mit der geteilt umlegbaren Rückbank kann der Gepäckraum von 419 auf 1219 Liter wachsen.

Auch vorne präsentiert sich der ASX eher einfach gestrickt. Und doch ist alles da, was man braucht und das außerdem dort, wo man es erwartet. Ein bisschen Chrom, ein paar Softtouch-Oberflächen und Hochglanzplastik hauchen dem Ensemble zudem Wertigkeit ein. Stellenweise versprühen aber auch spröde Hartplastikteile Billig-Flair. Dieses für Mitsubishi typische Pragmatismus-Design hat mit seiner Klarheit einen gewissen Charme.

Mitsubishi ohne Angebot für Fahrassistenten

Viel Platz ist im Cockpit des ASX
Viel Platz ist im Cockpit des ASX © Mitsubishi

Auch wenn es auf den ersten Blick so wirken mag: Ein Verzichtsauto ist der ASX nicht. Zumindest die von uns getestete Ausstattung „Top“ bietet so ziemlich alles, was das Herz begehrt. Dazu gehören ein elektrisch einstellbarer Fahrersitz, Sitzheizung vorn, Lederbezüge, Klimaautomatik, Navi, eine klanggewaltige Audioanlage mit 710-Watt-Verstärker, Tempomat, schlüsselloses Zugangs- und Startsystem, leuchtstarke Xenon-Scheinwerfer, Lichtautomatik oder ein großes Panorama-Glasdach. Lediglich bei den derzeit bei anderen Herstellern so zahlreich angepriesenen Assistenzsystemen übt sich Mitsubishi in Verzicht. Kollisionsverhinderer, Abstandstempomat oder Tot-Winkel-Warner? Gibt‘s nicht für Geld noch gute Worte.

Dafür aber einen Drehschalter in der Mittelkonsole, über den sich der optionale Allradantrieb aktivieren lässt. Wem ein paar Zehntelliter Mehrverbrauch egal sind, der kann sich bei winterlicher Witterung oder auf losem Untergrund über die deutlichen Traktionsvorteile freuen.

Mitsubishi ASX kein Sparwunder

© Mitsubishi

Bei guten Straßenverhältnissen kann man den Allradler in den verbrauchsgünstigeren 2WD-Modus zwingen. Ein Sparwunder ist der ASX aber selbst dann nicht. Praktisch wurden aus den fünf Litern Normverbrauch bei zurückhaltender Fahrweise sechs und bei flottem Vorwärtstrieb sieben Liter. Allzu großes Temperament entwickelt der 84 kW/114 PS und 270 Newtonmeter Drehmoment leistende 1,6-Liter-Diesel in Kombination mit einer manuellen Sechsgang-Schaltung übrigens nicht. Die Sprintzeit aus dem Stand auf Tempo 100 beträgt 11,5 Sekunden, maximal sind 180 km/h möglich.

Längsdynamisch ans Limit führen muss man den Allradler nicht, denn bei hohem Tempo wird es innen doch etwas laut. Insofern lässt man es auf der Autobahn lieber geruhsam angehen und freut sich, dass man bei Tempo 130 mit einer Tankfüllung über 800 Kilometer weit kommt. Auch auf Landstraßen versucht man es eher mit Gemütlichkeit, denn für einen Ritt auf der Ideallinie fehlt dem Mitsubishi das nötige Quäntchen an präziser Rückmeldung. Lediglich in Hinblick auf Unebenheiten ist der insgesamt doch ausreichend komfortable Unterbau etwas mitteilsamer als nötig.

Und so ist es unterm Strich vor allem sein Preis, mit dem sich der ASX als eine interessante Alternative im Segment der Kompakt-SUVs empfehlen kann. Für die Kombination 1,6-Liter-Diesel, Allradantrieb und Topausstattung verlangt Mitsubishi 31.800 Euro. Für einen entsprechenden Nissan Qashqai oder Hyundai Tucson mit Diesel, Allradantrieb und gehobener Ausstattung müsste man gut 3000 Euro mehr investieren. (SP-X)






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