10. März 2017

Fahrbericht Marktstart im März Mercedes E-Klasse Coupé: Nicht nur etwas für Ästheten

Die Mercedes E-Klasse sieht als Coupé schick aus. Fotos ▶
Die Mercedes E-Klasse sieht als Coupé schick aus. © Daimler

Gutes Aussehen allein reicht nicht. Coupés müssen mehr bieten als nur ein schickes Design. Sie müssen auch praktisch sein - und vor allem für Fahrspaß sorgen. Das sind alles Dinge, die das neue E-Klasse Coupé von Mercedes mitbringt, wie unser Fahrbericht zeigt.




Von Frank Mertens

Die Modelloffensive bei der Mercedes E-Klasse geht in die Endphase. Nachdem die Limousine seit 2016 bei den Händlern steht, das T-Modell seit September und seit Kurzem auch der All Terrain, kommt mit dem Coupé und dem Cabrio das Beste zum Schluss. Während das Cabrio gerade erst auf dem Genfer Autosalon vorgestellt wurde, rollt das viersitzige Coupé noch in diesem Monat in die Schauräume.

Das Coupé ist dabei zwar nicht das volumenstärkste Modell der Baureihe, aber ohne Frage mit dem Cabrio das hübscheste. Für Chefingenieur Christian Früh verbindet das neue Coupé dabei "modernste Technik mit atemberaubendem Design", wie er bei der Fahrvorstellung vor den Toren Barcelonas sagte.


Verzicht auf Sicken

Nun ja, den Atem verschlägt einem das Coupé zwar nicht, aber es sieht ohne Frage gut aus. Das müssen auch Betrachter eingestehen, die sonst Coupés nicht auf ihrer Einkaufsliste haben. Für die Neuauflage haben die Designer beim Coupé an den Seiten auf Sicken verzichtet, also auf viel glatte Flächen gesetzt. Das sorgt in Kombination mit den weit nach hinten gezogenen Fensterflächen für einen eleganten Auftritt. Der Motorhaube wurde ein Powerdome verpasst, dem knackigen Heck zweigeteilte Heckleuchten. Der satte Auftritt des um 1,5 Zentimeter abgesenkten Coupés wird durch die 20 Zoll großen Reife an der Hinterachse unterstrichen.

Doch Optik ist das eine, Praktikabilität und Fahrdynamik das andere. Doch der Reihe nach. Kommen wir zunächst zur Praktikabilität: Mercedes verkauft das neue Coupé zwar als Viersitzer. Doch finden dort auch größere Personen Platz auf der Rückbank? Finden sie - und zwar durchaus ausreichend, um auch längere Strecken komfortabel hinter sich zu bringen.

Ausreichend Platz auf Rückbank

Elegant ist auch der Innenraum
Elegant ist auch der Innenraum © Daimler

Hat man erst einmal mit etwas Gymnastik den Weg auf die Rückbank gefunden, können dort auch Menschen mit einer Körpergröße von 1,91 Metern sitzen - und finden dabei auch ausreichend Kopf- und Kniefreiheit. So stehen den Fondpassagieren im Vergleich zum Vorgänger 7,5 Zentimeter mehr Platz für die Knie zur Verfügung. Hört sich etwas theoretisch an, stimmt. Wie viel Platz im Fond besteht, verdeutlicht eher das Beispiel, dass ich noch ohne Kniekontakt hinter dem Fahrersitz sitzen konnte, auf dem ich zuvor gesessen hatte. Also das mit dem vollwertigen Viersitzer stimmt bei diesem 4,82 Meter Meter langem Fahrzeug wirklich. Wenn wir schon bei praktischen Aspekten sind: im Kofferraum lassen sich 425 Liter Gepäck unterbringen.

Dass man bei einem Auto mit einem Einstiegspreis von knapp über 49.000 Euro auch einen hochwertigen Innenraum erwarten kann, versteht sich von selbst - und Mercedes enttäuscht einen auch hier nicht. Das ist alles optisch und haptisch nicht zu beanstanden. Natürlich verfügt auch das Coupé über alle technischen Features, die die Limousine mitbringt - und weshalb die Schwaben sie selbstbewusst als "intelligenteste Business-Limousine der Welt" bezeichnen.



Dazu gehören eine Vielzahl von Fahrassistenzsystemen wie ein aktiver Spurhalteassistent, eine City-Notbremsfunktion, ein Totwinkelwarner und vor allem der so genannte Drive Pilot. Mit ihm kann man bereits ziemlich souverän teilautonom unterwegs sein: hat man das System aktiviert, hält es nicht nur automatisch die voreingestellte Geschwindigkeit, sondern auch den Abstand zum Vordermann. Dazu gehört folglich auch das Bremsen und Beschleunigen. Das System ist beim Setzen des Blinkers zudem in der Lage, die Fahrspur autonom zu wechseln. Das funktioniert auf der Autobahn alles recht gut.

Unterwegs im 220d mit 194 PS

Knackig sieht das Heck des Coupés aus
Knackig sieht das Heck des Coupés aus © Daimler

Doch wie schaut es mit der Fahrdynamik aus? Hier gibt sich das von uns getestete Coupé 220d mit dem neuen Vierzylinderdiesel mit 194 PS wenig Blößen. Das Fahrzeug beschleunigt dabei dank eines maximales Drehmoments von 400 Nm und einer gut abgestimmten Neungang-Automatik sehr kraftvoll, wobei der Motor wahrnehmbar seinen Job verrichtet. In 7,4 Sekunden beschleunigt das Aggreat dieses Coupé auf Tempo 100, die Spitzengeschwindigkeit ist bei 242 km/h erreicht. Auf dem Weg dorthin offenbart das Coupé keine Schwächen. Der Verbrauch wird laut Hersteller mit vier Litern angegeben, am Ende unserer Testfahrten zeigte der Bordcomputer 6,1 Liter an.

Doch Topspeed ist das eine, das souveräne Fahren durch enge Kurven oberhalb der Costa Brava auf dem Weg nach Tossa de Mar das andere. Und auf dieser Strecke merkt man, dass die Karosserie im Vergleich zum Vorgänger um 1,5 Zentimeter abgesenkt wurde, "je tiefer desto besser", sagte Früh dazu. Für eine sattere Straßenlage sorgt zudem die um 6,8 Zentimeter vergrößerte Spurweite, "je mehr desto besser". So unterwegs machte die Fahrt oberhalb der Costa Brava richtig Spaß.

Doch man sollte von diesem Coupé nun nicht allzu viel Sportlichkeit erwarten. Denn bei wirklich schnell gefahrenen Kurven bieten die Sitze nicht wirklich guten Seitenhalt. Aber der Käufer eines E-Klasse Coupés dürfte auch weniger an der Sportlichkeit als vielmehr an der Ästhetik seines Fahrzeuges interessiert sein. Wem dennoch nach mehr Dynamik der Sinn steht, für den gibt es dann ja auch noch die Modelle der Sportwagentochter AMG.

Innerhalb der Baureihe entfielen bislang übrigens acht Prozent der weltweiten Verkäufe auf das Coupé, fünf Prozent aufs Cabrio, zwölf Prozent auf den Kombi und 75 Prozent auf die Limousine. Man darf gespant sein, ob das neue Coupé hier mehr Kunden von einem Kauf überzeugen kann. Die erste Begegnung mit dem Coupé jedenfalls war vielversprechend. Zum Marktstart stehen neben dem von uns gefahrenen Diesel (Basispreis 50.575 Euro) mit dem E200 (184 PS/49.051 Euro), E300 (245 PS/54.740 Euro) und dem E400 (64.807 Euro) mit 333 PS drei Benziner zur Wahl.






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