20. Januar 2017

Fahrbericht Verwandlung in 13 Sekunden Mazda MX-5 RF: Neue Targa-Gefühle beim alten Klassiker

Mazda verwandelt den MX-5 in einen Targa
Mazda verwandelt den MX-5 in einen Targa © Mazda

Seit Ende der 80er Jahre tourt Mazda mit dem MX-5 durch das Segment der offenen Zweisitzer. Für den Klassiker aus Japan kein Grund, sich auch einmal zu verändern.




Der Mazda MX-5 mit festem Dach hat einen neuen Namen. RF lautet nun die Bezeichnung für die Hardtop-Variante. Das Kürzel steht für Retractable Fastback, auf gut deutsch „einziehbares Fließheck“. Was damit gemeint ist wird klar, wenn das Dach geöffnet wird.

Dann nämlich fährt ähnlich wie beim Porsche Targa das hintere Dachteil ein wenig zurück und die beiden oberen Stücke der dreigeteilten Haube legen sich samt Heckscheibe hinter den Rücksitzen unter einer Abdeckung ab. Ist das Dach verschwunden, wird aus dem Coupé mit Fließheckcharakter ein Roadster mit einer besonderen Optik, da das hintere Dachteil wieder in die ursprüngliche Position zurückfährt und die seitlichen Finnen als schlanke Säulen stehen bleiben.


Mazda MX-5 RF ab 29.890 Euro

Vor allem von hinten macht der mindestens 29.890 Euro teure und 160 PS starke RF damit eine gute Figur und unterscheidet sich sowohl geschlossen als auch offen erheblich vom Zweisitzer mit der Stoffmütze. Mit Tempo 10 darf der MX-5 für das 13 Sekunden dauernde spektakuläre Manöver rollen. In der Praxis bedeutet das im Prinzip, dass es nur im Stand funktioniert. Ausschließlich aus Gründen der Sicherheit, wie ein Ingenieur des Herstellers betont. Die Konstruktion ist zwar aufwändig, wiegt aber nur 45 Kilogramm zusätzlich und beansprucht auch keinen extra Platz vom Kofferraum. Dessen Volumen bleibt wie bei der Variante mit dem Stoffverdeck bei 127 Litern.

Bei der offenen Fahrt hält ein Windschott aus Acryl hinter den Kopfstützen die Zugluft zurück. Der Fahrtwind ist aber immer noch zu spüren, wenn auch nicht ganz so wie in einem reinrassigen Roadster. Wölbt sich das Hardtop über das wie gehabt eng geschnittene Passagierabteil, erfolgt die Verriegelung anders als bisher automatisch am Frontscheibenrahmen. Bei der Konstruktion des Dachs haben die Entwickler vor allem auch darauf geachtet, das zusätzliche Gewicht richtig zu verteilen. Während das vordere Element aus Aluminium gefertigt ist, besteht das mittlere, sehr schmal gehaltene Stück aus Stahl. Nahe am Fahrzeugschwerpunkt habe zusätzliches Gewicht den geringsten Einfluss auf die Fahrdynamik, erklärt ein Techniker. Das bewegliche Teil am Heck besteht aus Faserverbund-Kunststoffen.

Mehr Komfort im Mazda MX-5 RF

Gerade einmal 1120 Kilogramm wiegt der MX-5 RF
Gerade einmal 1120 Kilogramm wiegt der MX-5 RF © Mazda

Außer auf das Gewicht haben die Konstrukteure ihr Augenmerk auf die Geräuschdämmung gelegt. So sind die festen Elemente dreilagig mit Stoff bezogen, um Fahrbahn- und Windgeräusche aus dem Innenraum fern zu halten. Das gelingt naturgemäß nicht ganz, jedoch um einiges besser als beim Stoffverdeck.

Mazda sieht in der nur 1120 Kilogramm leichten MX-5-Version mit dem festen Dach einen deutlichen Gewinn für die Ganzjahrestauglichkeit. Die und die außergewöhnliche Linienführung sind nach Ansicht des Herstellers wichtige Kriterien, um den Roadster für neue Kundenkreise interessant zu machen. Zudem wurden zusätzliche Dämmungen an den hinteren Radhäusern, Türverkleidungen, Mitteltunnel und Motorraum angebracht. Das alles sorgt im Vergleich zum Vorgänger mit festem Dach für mehr Komfort.

Mazda MX-5 RF immer mit 160 PS unterwegs

Zum Antrieb bietet Mazda für den RF in Deutschland ausschließlich den 2.0-Liter-Benziner mit 118 kW/160 PS an. Ein Motor, der sich als drehfreudig, antritts- und durchzugsstark zeigt und mit seinem kernigen Sound bestens zum Charakter des sportlichen Zweisitzers passt. Das Sechsgang-Getriebe mit kurzen Wegen lässt sich leichtgängig und vor allem exakt schalten. Alternativ dazu kann erstmals für einen MX-5 in Europa auch eine Sechsgang-Automatik geordert werden. Die wechselt nicht nur so gut wie unmerklich die Fahrstufen, sondern verfügt auch über einen Sportmodus – dann geht’s ziemlich bissig vorwärts - und sie lässt sich auch manuell betätigen.

Wer sich für die Sportsline-Variante (32.090 Euro) entscheidet, der bekommt nicht nur ein Start-Stopp-System, sondern auch das kondensatorbasierte Bremsenergie-Rückgewinnungssystem, von Mazda i-Eloop genannt. Ebenfalls vorhanden in dieser Version sind Navigationssystem mit Echtzeitverkehrsinfos, das Bose-Sound-System mit Lautsprechern in den Kopfstützen sowie Sicherheitssysteme wie Fernlicht- und Spurwechselassistenten und eine Ausparkhilfe.

Mazda MX-5 RF wie ein Go-Kart um die Kurve

2700 Euro müssen für den  MX-5 RF mehr angelegt werden
2700 Euro müssen für den MX-5 RF mehr angelegt werden © Mazda

Generell ausgestattet ist der RF mit einem vor allem auf sportliche Fahrweise ausgelegten Fahrwerk. Schon damit wieselt der nach wie vor über die Hinterachse angetriebene Roadster wie ein Go-Kart um die Ecken und bleibt problemlos in der Spur. Noch knackiger und direkter wird es, wenn das ausschließlich für die Sports-Line-Ausführung lieferbare Sport-Paket (1800 Euro) mit Sportfahrwerk samt Bilstein-Stoßdämpfern installiert ist. Dann fährt sich der MX-5 spürbar agiler, geht’s bei Bedarf noch dynamischer durch enge Serpentinen.

Beheizbare Ledersitze mit roten Ziernähten sind ebenso serienmäßig in der als Basisversion angebotenen Exclusive-Line-Ausstattung vorhanden (29.890 Euro und damit 2700 Euro teurer als die vergleichbare Variante mit Stoffverdeck) wie ein Sieben-Zoll-Farb-Display, das auf dem Armaturenträger als Schaltzentrale für Infotainment, Telefonanbindung und Navigationssystem dient. Anwählen lassen sich die Systeme während der Fahrt entweder mit dem Dreh-Drückknopf auf der Mittelkonsole oder per Sprachsteuerung. Als Touchscreen ist der Bildschirm lediglich im Stand zu nutzen. Auch hier führt Mazda wie schon beim Tempolimit für das Öffnen und Schließen des Dachs als Grund den Sicherheitsaspekt an. (SP-X)






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