19. Oktober 2017

Fahrbericht Luxus-SUV mit neuem Einstiegsbenziner Maserati Levante: Vom warmen Ostwind zum Wüstensturm

Auch der kleinste Maserati Levante bewältigt die Pfade abseits des Asphalts
Auch der kleinste Maserati Levante bewältigt die Pfade abseits des Asphalts © Maserati

Maserati erweitert das Angebot beim Levante. Das innerhalb eines Jahres zum unternehmenseignen Bestseller aufgestiegene Luxus-SUV bewältigt selbst als neuer Einstiegsbenziner wildes Terrain.




Seit 1963 benennt der Sportwagen-Hersteller Maserati ganz besondere Modelle nach berühmten Winden. Mistral, Bora, Khamsin oder der aktuelle Ghibli wehen durch Historie und Gegenwart. Seit einem Jahr nun auch der Levante, das erste SUV der feinen Fiat-Tochter. Und jetzt wird der warme Ostwind aus dem Mittelmeer aufgefrischt und kann sich auch mit dem neuen Basisbenziner zu einem Wüstensturm entwickelt.

Mit einem teuren Nobel-SUV in die Wüste? Der Levante kann das. Im tiefen Sand riesiger goldgelber Dünen fast senkrecht gen Tal rutschen, dabei alle vier Räder in Antriebslaune halten und besser nicht quer zum Hang steuern, damit es nicht kopfüber abwärtsgeht. Die Italiener verlegten die ersten Testfahrten ihres verfeinerten Schmuckstücks nach Dubai, wo es bekanntlich Sand im Überfluss gibt, wo die Klimaanlage am Anschlag bläst und die grelle Sonne unter tiefblauem Himmel das Terrain flimmern lässt. Ein Facelift schon nach einem Jahr? „Nein, sagt Maserati, „wie angekündigt weiten wir das Angebot aus und bieten noch mehr Vielfalt“.


Maserati Levante von Null auf Eins

Der Levante hat sich in seinem bislang kurzen Leben vehement an die Spitze der Maserati-Verkäufe katapultiert. Fast 60 Prozent der betuchten deutschen Kunden der Nobelmarke entschieden sich in den ersten neun Monaten dieses Jahres für das SUV. In Summe zwar „nur“ 810, Tendenz aber steigend. Im Test-Levante werkelt eine der Neuheiten, auf die die Maserati-Ingenieure stolz sind und die noch mehr Begehrlichkeit wecken soll.

Der gezähmte Sechszylinder-Biturbo verzichtet auf den Namenszusatz „S“, leistet 257 kW/350 kW statt 316kW/430 PS und schont das Bankkonto mit seinem Einstiegspreis von 76.000 Euro gleich um 13.300 Euro. Da werden sich wohl manche künftigen Käufer vom bislang zu 70 Prozent gewählten Diesel (202kW/275 PS, 71.200 Euro) umorientieren. Allerdings: Wer sich bei welcher Motorisierung auch immer für die Pakete „Lusso“ (Luxus) oder „Sport“ entscheidet, wird stets noch einmal rund 10.000 Euro mehr los. Dafür nennt er ein besonders sorgfältig gestaltetes Auto sein eigen – viel sanftes Leder, handgesteppte Nähte, Sitzflächen aus Zegna-Seide und manches mehr.

Ausgeklügeltes Allradsystem des Maserati Levante

Der Levante fährt gefühlvoll durch den Sand
Der Levante fährt gefühlvoll durch den Sand © Maserati

Zurück in die Sandkiste. Natürlich ist so ein feines Gefährt kein Geländewagen, auch wenn der Levante auf ein ausgeklügeltes Allradsystem vertraut. Das ist nur 60 Kilogramm schwer und schickt die üppige Kraft bei ausreichender Bodenhaftung stets an die Hinterräder. Registrieren die Sensoren drohendes Durchdrehen eines Rades, beteiligt sich die Vorderachse in nur 100 Millisekunden bis zur Hälfte am Vorwärtsdrang.

Per Kopfdruck können vier Fahrprogramme gewählt werden. Eines davon nennt sich „Eis“, in Dubai zwar ein Fremdwort, aber dennoch hilfreich. Denn die Motorkraft wird gefühlvoller begrenzt, als es der menschliche Gasfuß vermag. Irgendwo könnte ja noch ein Rest von Haftung im Sand vorhanden sein. Wichtiger aber eine weitere Funktion: Dabei wird dank der Luftfederung die Bodenfreiheit erhöht, zudem verteilt sich die Kraft nicht nur von vorn nach hinten, sondern auch von links nach rechts oder umgekehrt.

Maserati in der Neuzeit angekommen

Der Levante verfügt nun auch über Fahrsicherheitssysteme
Der Levante verfügt nun auch über Fahrsicherheitssysteme © Maserati

Viel Hightech also für eine Klientel, die sich wohl nur selten abseits gepflasterter Straßen bewegt und sich sicher eher auf dem Parkplatz des Golfclubs oder eines angesagten Szenerestaurants breitmacht als im Matsch, Geröll oder eben Wüstensand. Künftige „Levantisti“ können sich aber freuen, dass Maserati endlich auch bei den anderswo längst üblichen Assistenzsystemen nachgebessert.

Bestellt werden können jetzt der „Autobahn-Assistent“, der den Abstand zum Vordermann hält und dank Spurhaltekontrolle auch innerhalb der eigenen Markierung bleibt. Oder die Stop-and-Go-Funktion im Stau, die automatische Notbremsung bei Kollisionsgefahr sowie ein Toter-Winkel-Warner und eine Ausparkhilfe. Dass ganze Paket an elektronischen Helfern (Aufpreis 4000 Euro) wurde möglich, da Maserati von der hydraulischen auf eine elektrische Servolenkung umgeschwenkt ist. Und das braucht’s nun mal, wenn die Assistenz-Technik funktionieren soll.

In Summe bliebt die Erkenntnis: Maserati kann nicht nur schöne Autos bauen, sondern ist auch beim Drumherum in der Neuzeit angekommen. Der „kleine“ Benziner passt in die von der Diesel-Diskussion gestresste Landschaft und die aufgewertete Elektronik schließt die Lücke zu den Rivalen wie Porsche Cayenne, Volvo XC 90 oder Audi Q7. Auch wenn sich die Levante-Jünger wohl nie im Wüstensand von Dubai austoben werden. (SP-X)






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Maserati

Fünf Brüder gründeten 1914 die Marke mit dem Dreizack, der eine Hommage an die Heimatstadt Bologna ist und im richtigen Leben den Neptunbrunnen der Stadt ziert. Bereits zur Gründung hatten sich die Brüder ausschließlich dem Rennsport verschrieben, die größten Erfolge kamen allerdings erst in den 50er Jahren. Der Argentinier Juan Manuel Fangio gewann 1957 auf einem Maserati sein fünftes Championat. Nachdem Citroen Ende der 60er Jahre 60 Prozent an dem italienischen Unternehmen hielt, übernahm Fiat 1993 das Kommando und gliederte vier Jahre später Maserati bei Ferrari ein. Seit 2005 ist Maserati aber wieder ein eigenständiges Unternehmen im Fiat-Konzern, arbeitet aber weiterhin eng mit Ferrari zusammen.



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