26. Juni 2017

Fahrbericht Vierzylinder-Hybrid mit 232 PS Lexus IS 300h F-Sport: Möchtegern-Sportler

Der Lexus IS 300h F-Sport
Der Lexus IS 300h F-Sport © Lexus

Mit dem Lexus IS 300h F-Sport bieten die Japaner einen Vollhybriden an, der mit seinem Namen etliche Erwartungen weckt. Doch nach den Testfahrten bleibt festzuhalten: erfüllen kann er sie leider nicht alle.




Nehmen wir mal das Fazit vorweg: Mit dem Lexus IS 300h F-Sport – ja so heißen Autos heute nun mal – kann man viel Spaß haben, man muss nur definieren, was man darunter verstehen will. Für den schnellen Ritt auf deutschen Autobahnen, für die Kurvenjagd über eine Eifel-Landstraße und jede andere Art Beschleunigungsorgie ist der Japaner trotz seines vielversprechenden Namens nicht gemacht.

Wer jedoch Spaß an einem komplexen, aber perfekt arbeitenden Hybridsystem hat, an toller Qualität und zudem gerne auch nach längeren Fahrten entspannt aussteigen will – voilà hier wäre vielleicht das richtige Auto.


Diaboblischer Kühlergrill

Hybride, das wissen mittlerweile selbst Autofahrer, die noch nie einen solchen Antriebszwitter fahren durften, sind keine Sportwagen. Zumindest, wenn sie nicht speziell für Langstreckenrennen konzipiert wurden. Warum Lexus den IS dann trotzdem partout auf sportlich getrimmt hat, ist daher schwer nachvollziehbar. Andererseits: Wenn sich heute schon ganz normale Menschen für den Einkauf in die Innenstadt anziehen, als ginge es anschließend in die Anden oder den afrikanischen Busch, darf sich nicht darüber wundern, wenn Autohersteller auf diesen Zug aufspringen. Wer will schon als „undynamisch“ gelten, wenn jedes x-beliebige Mums-Car heute als „Sportsvan“ verkauft wird?

Das ist der IS natürlich nicht, vielmehr eine in schöner Linienführung gestaltete Mittelklasse-Limousine von 4,67 Meter Länge. Umso irritierender wirkt der aggressive, in der Mitte eingezogene und daher „Diabolo“ genannte Kühlergrill. Galt Lexus noch vor wenigen Jahren als Produzent eher biederer Fahrzeuge, haben die Japaner das Ruder nun ziemlich herumgerissen – und es dabei übertrieben.

Nicht besonders dynamisch

Unter den vier angebotenen IS-Versionen (IS, Executive, F-Sport und Luxury) erwartet man vom F-Sport natürlich einen besonderen Schuss Dynamik. Aber nichts da, im Antrieb unterscheidet sich diese Variante überhaupt nicht von den anderen. Heißt: Wie gehabt arbeiten ein mit 2,5 Litern relativ großer Vierzylinder und der Elektromotor zusammen, entwickeln gemeinsam 164 kW/223 PS Leistung. Die daraus resultierenden Fahrwerte - 8,3 Sekunden um auf 100 km/h zu kommen und 200 km/h Spitze – reißen einen nicht vom Hocker.

Sollen sie aber eigentlich auch gar nicht, denn Der IS ist auch als F-Sport eigentlich ein sanfter Geselle. Im nur sehr kurzfristig für wenige 100 Meter realisierbaren reinen E-Modus ist er sowieso flüsterleise, aber auch wenn der Benziner einsetzt, bleibt es unglaublich ruhig im Innenraum. Was nicht nur am Antriebssystem, sondern auch an der hervorragenden Dämmung liegt. Was dann leider wieder teilweise dadurch konterkariert wird, dass ein alberner sogenannter Sound-Generator falsche Sportlichkeit vorspiegelt.

Dabei ist der IS auch in dieser Version nichts anderes als eine rollende Wohlfühloase, denn zum eigentlich ruhigen Antrieb und der perfekten Dämmung passen die langstreckentauglichen, beheiz- und belüftbaren Sitze, die leichte, aber exakte Lenkung und der penibel mit hochwertigen Materialien verarbeitete Innenraum. Mit dem Wissen im Hinterkopf, dass Lexus für seine Qualität fast schon berüchtigt ist, meint man tatsächlich, ein Auto für die Ewigkeit zu fahren.

Schlechte Bedienung

Seitenansicht des Lexus
Seitenansicht des Lexus © Lexus

Wenn da nicht im Alltag einige nervende Bedienschwächen wären. Nun, wo fast alle Hersteller auf Touchscreen-Monitore setzen und/oder auf Dreh-/Drückknöpfe, mussten die Japaner ihr System unbedingt auf eine Maus umstellen, mit der man dann versuchen darf, während der Fahrt die entsprechenden Menüs auf dem Bildschirm zu treffen. Liebe Lexus-Innenraumdesigner: Anders muss nicht unbedingt besser sein. Man darf sich ruhig mal gelungene Dinge bei anderen abschauen und dann einfach beibehalten. Um die Liste von weiteren ärgerlichen Kleinigkeiten, etwa das unzuverlässige Navi, hier aufzuzählen fehlt uns der Platz. Kurz zusammengefasst: So gut der Lexus als reines Fahr-Zeug ist, so wenig überzeugt er bei der Bedienlogik. Abgesehen davon, dass der Japaner Selbstverständlichkeiten in dieser Klasse wie ein Head-up-Display gar nicht erst im Angebot hat. Und auch die Liste der Assistenzsysteme ist nicht so komplett wie bei den deutschen Wettbewerbern.

Die bieten allerdings auch kein derart perfekt arbeitendes Hybrid-System an. Wer es darauf anlegt, kann im Alltag mit knapp über fünf Litern Benzin auskommen. Fordert man allerdings doch das kleine Sportlerherz des IS, werden es auch schnell acht oder neun Liter und das CVT heult dazu seine Getriebemusik , wenn auch deutlich dezenter als früher.
Wer sich also für einen Lexus IS entscheidet, muss trotz der aggressiven Frontoptik und dem vielversprechenden Namen wissen, was er erwirbt: eine qualitativ hochwertige Mittelklasse-Limousine für jeden Tag und auch für die ganz lange Fahrt. Die durch die Hybridtechnik gesetzten fahrdynamischen Grenzen und Schwächen bei der Bedienung muss man dabei hinnehmen – oder sich doch woanders umschauen. Für einen Preis von 45.900 Euro darf man schließlich einiges erwarten. (SP-X)






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