29. August 2014

Fahrbericht Zweite Generation Kia Soul: Harter Gefährte

Der Kia Soul präsentiert sich erwachsen - aber auch hart.
Der Kia Soul präsentiert sich erwachsen - aber auch hart. © Kia

Auf den ersten Blick punktet der neue Kia Soul mit seiner äußeren Erscheinung. Doch bei den inneren Werten gibt sich der Crossover nicht immer ganz leicht.




Gut aussehender, kantiger, vielseitig interessierter, noch nach dem Sinn des Lebens suchender sowie kein ganz billiger Typ sucht Lebensabschnittsgefährten. So könnte eine Kontaktanzeige des neuen Kia Soul aussehen. Wir haben darauf reagiert und zwei Wochen mit ihm verbracht.

Bei Kontaktanzeigen wird ja gerne gemogelt oder zumindest geschönt. Aber keine Frage: Der Kia Soul punktet beim ersten Date gleich mit seinem Äußeren. Er sieht tatsächlich gut aus. Der Fünftürer hat mit der seit dem Frühjahr erhältlichen zweiten Generation deutlich gewonnen. Trat der Vorgänger bei allen Ecken und Kanten noch eher zurückhaltend verhuscht auf, strotzt der immer noch kantige Neue mit seinen ausgestellten Radkästen, dem prägnanten Kühlergrill, 18-Zoll-Felgen sowie den riesigen Heckleuchten vor Selbstbewusstsein. Besonders gut kommt die Optik mit der aufpreispflichtigen (730 Euro) Zweifarbenlackierung zur Geltung. In unserem Fall trug der Soul zu einem intensiven Metallic-Rot-Grundton ein schwarz lackiertes Dach und bewies damit guten Geschmack.


Kia Soul auf Basis des Ceed

Der positive erste Kennenlern-Eindruck setzt sich auch beim Betrachten des Interieurs fort. Der Soul gibt sich erwachsen, immerhin baut die zweite Generation auf dem Kompaktmodell Ceed auf. Die Bedienelemente erinnern an die des Genspenders, außerdem bietet der 4,14 Meter lange Koreaner recht üppige Platz- und Kofferraumverhältnisse (354 bis 1367 Liter). Man sitzt etwas höher, der Beifahrer kommt einem nicht zu nahe und im Fond gibt es auch so schnell kein Gemecker über beengte Verhältnisse.

Teilledersitze, ein elektrisch verstellbarer Fahrersitz sowie Sitzheizung für hinten (Zusatzkosten: 990 Euro) unterstreichen das Komfortgefühl. Die Materialauswahl macht einen hochwertigen Eindruck, Sitzpolster, Kunststoffe und Dekoreinlagen fühlen sich gut an. Sollten sie auch, schließlich ruft Kia für den Soul in der von uns getesteten höchsten Ausstattungsstufe in Verbindung mit dem 94 kW/128 PS starken Diesel mindestens 24.990 Euro auf. Klimaautomatik, Rückfahrkamera, Fernlichtassistent, beheizbares Lederlenkrad, Geschwindigkeitsregelanlage sowie die 18 Zoll-Leichtmetallfelgen und die Radlaufverbreiterungen gehören hier unter anderem zum Serienumfang.

Kia Soul kein Kostverächter

Üppige Platzverhältnisse im Innenraum des Kia Soul
Üppige Platzverhältnisse im Innenraum des Kia Soul © Kia

Wer Wert darauf legt, dass der Soul immer den guten Ton trifft und nicht vom rechten Weg abkommt, ordert das Sound & Navi-Paket für 1290 Euro. Sowie klanglich als auch pfadfinderisch konnte diese Investition überzeugen, für das Navigationssystem gibt ein 8-Zoll großes Display sowie ein kostenloses Update für sieben Jahre.

Nicht wirklich überzeugen konnten hingegen Motor und Fahrwerk. Der 1,6-Liter-Diesel leistet 94 kW/128 PS, mobilisiert 260 Nm und beschleunigt den kantigen Kompakten auf eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Soweit so gut und durchaus auch ausreichend. Der Selbstzünder hielt sich zudem akustisch zurück. Allerdings fiel er durch seine schlechten Trinkmanieren unangenehm auf. Selbst bei gleichmäßiger Fahrweise auf der Autobahn mit Tempo 120 flossen immer noch 7,2 Liter durch die Leitungen, im Alltagsbetrieb zeigte der Bordcomputer Werte knapp unter acht Liter an. Das sind nicht nur fast drei Liter mehr als der Normwert, sondern auch eindeutig zu viel für die gebotenen Fahrleistungen.

Hartes Fahrwerk des Kia Soul

Der Kia Soul bewegt sich zwischen den Segmenten
Der Kia Soul bewegt sich zwischen den Segmenten © Kia

Zu gut - oder besser gesagt zu hart – meinte es auch das Fahrwerk mit den Insassen. Ruckeleffekte von überfahrenden Querrillen sowie Hallo-Wach-Massagen dank größerer und kleinerer Schlaglöcher wurden reichlich registriert; entspanntes Fahren geht anders. Der Eindruck drängt sich auf, dass die Entwicklungsingenieure bei der Fahrwerksabstimmung ein wenig dem Sportwahn verfallen waren. Natürlich benötigt ein hohes Fahrzeug eine straffe Abstimmung, damit es nicht zu unangenehmen Wankbewegungen kommt. Aber musste es gleich so pseudosportlich sein? Schade, der Soul wird zwar gern als Crossover bezeichnet, aber ein Sportwagen zählt sicherlich nicht zu seinen Ahnen.

Mit welcher Fahrzeuggattung man ihn am ehesten in Verbindung bringt, bleibt der eigenen Vorstellungsgabe sowie dem gemeinsamen Kennenlernen überlassen. Ist er ein großer Kleinwagen oder ein kleiner Kompakter? Ist er ein SUV jedoch ohne Option für Allradantrieb? Oder doch ein Van, aber ohne Sitz-Flexibilität? Aber ein wenig Fantasie sowie eine gemeinsame Sinnsuche sollen ja einer langfristigen Paarbeziehung guttun. Wer sich schließlich auf den Soul einlässt, erhält neben seinen Ecken und Kanten auch eine siebenjährige Garantie. (SP-X)






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