31. Juli 2015

Fahrbericht Beschaulicher Kleinwagen Kia Rio 1.2: Keine Samba unterm Zuckerhut

Der Kia Rio findet sich in der Stadt am besten zurecht.
Der Kia Rio findet sich in der Stadt am besten zurecht. © Kia

Auch ein Jahr danach ist der WM-Triumph in Rio in hiesigen Graden noch recht präsent. Wer mit dem nach der brasilianischen Stadt benannten Kia unterwegs ist, muss etwas Abstand nehmen vom Tempofußball.




Von Thomas Flehmer

Wer erinnert sich nicht gerne an die 113. Minute im WM-Finale 2014? In akrobatischer Manier erzielte Mario Götze den Siegtreffer für die deutsche Nationalmannschaft und eröffnete ein paar Minuten später die ausgelassenen Feiern nicht nur unterm Zuckerhut. Während Rio tanzte, geht es im gleichnamigen Kia etwas beschaulicher zu – besonders in der Basisversion, für die sich immerhin rund 50 Prozent der Kunden entscheiden.


Kia Rio fühlt sich in der Stadt am wohlsten

62 kW/84 PS beherbergt der Polo-Konkurrent aus Südkorea unter der Haube – für die Stadt ist die Leistung ausreichend, über Land wird es etwas zäher. Die 13,4 Sekunden für den Standardsprint vergehen gefühlt etwas länger, dafür zeigt der Tacho auf der Autobahn rund zehn Stundenkilometer als die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 168 km/h an. Die Höchstgeschwindigkeit zeigt an, dass man mit dem 4,10 Meter langen Kleinwagen nicht unbedingt die rechte Spur auf der Autobahn halten muss, wenn man dann die Motorengeräusche verträgt, die doch etwas lauter als gewohnt sind.

Während der Kia Rio auf der Autobahn noch eine passable Figur bei einem passablen Verbrauch – je nach Fahrweise zwischen 6,2 und 7,2 Litern – macht, sieht es auf der Landstraße schon anders aus. Dort kann der kleine Rio schon mal zum Hindernis werden, vor allem dann, wenn es hügelig wird. Dann machen sich die 121 Newtonmeter schnell bemerkbar – und selbst eifriges Schalten hilft nur bedingt - es geht nur langsam, sehr langsam bergauf. aber im Laufe der Zeit gewöhnt man sich daran, nicht allzu schnell unterwegs zu sein und die langsamere fahrt kann auch angenehm sein, um etwaigen Stress abzulegen. In der Stadt dagegen agiert der Rio aufgrund seiner kleinen Ausmaße sehr viel wendiger. Je nach Häufigkeit der Ampelphasen pendelt sich der Verbrauch mit Hilfe des Stopp-Start-Systems bei 5,5 Litern ein.

Großer Radstand für kleinen Rio

Das Cockpit des Kia Rio ist sehr übersichtlich
Das Cockpit des Kia Rio ist sehr übersichtlich © Kia

Eine direkte Lenkung hilft beim Einparken, wenn der Rückwärtsgang – wie schon zuvor beim Kia Sorento – sich richtig einlegen lässt, woran es manchmal haperte. Ansonsten lassen sich die fünf Vorwärtsgänge gut bedienen, bereits bei knapp über 50 km/h wird der höchste Gang eingelegt. Das Fahrwerk ist ebenso gut austariert, sodass Unebenheiten gut ausgebügelt werden und die Insassen die Fahrt in den gut konturierten Sitzen genießen können – und zwar auf allen Plätzen.

Denn trotz der kleinen Ausmaße bietet der Rio einen Radstand über immerhin 2,57 Meter, sodass die Beinfreiheit gegeben ist. Als Fünftürer wird zudem der Ein- und Ausstieg für die hinten sitzenden Personen erleichtert. Der Kofferraum ist branchenüblich ausgefallen und schluckt zwischen 288 und 923 Liter Volumen. Im Zuge des Facelifts der vierten Generation wurde auch der Innenraum mit ein paar Chromapplikationen versehen. Die Instrumente sind intuitiv bedienbar.

Äußere Hülle des Kia Rio verspricht mehr

Attraktive Front des Kia rio
Attraktive Front des Kia rio © Kia

Beim Außendesign entpuppt sich der Rio gerade mit seinem Basismotor als kleiner Schummler. Denn während das Aggregat eher behäbig agiert, ist die neue Kia-Designsprache mit dem typischen Tigernasen-Kühlergrill oder zweifarbigen Leichtmetallrädern sportlich ausgefallen, sodass man eigentlich mehr Power erwartet. Doch von Samba-Klängen fühlt sich der kleine Benziner nicht angezogen. Für einen Einstiegspreis von 10.990 Euro auch kein Wunder.

Wer allerdings auf Klimaautomatik, ein beheizbares Multifunktions-Lederlenkrad oder Sitzheizung, Zentralverriegelung und hintere Parksensoren Wert legt, muss schon tiefer in die Tasche greifen. Der Testwagen 1.2l Spirit - ISG kostet schon 15.790 Euro, hinzu kommen ein Technik-Paket für 710 Euro sowie die Metallic-Lackierung für 460 Euro. Und dann ist ein Navi noch nicht einmal mit dabei. Für eine Samba sorgt letztendlich die unschlagbare Garantie über sieben Jahre – da kann selbst Mario Götze nicht mithalten.






Mehr zur Marke Kia

SUV mit frühen MängelnKia Sportage: Zweifelhafte Tradition

Der Kia Sportage hat sich im Laufe seiner Jahre zum astreinen SUV gewandelt. Seine zahlreichen Probleme sind aber auch bei jüngeren Modellen erhalten worden.


Cocnept Car in Lava RedKia-Studie Proceed: Vorbote der neuen Ceed-Familie

Kia bewirbt sich auf der IAA um den Preis der schönsten Studie. Zugleich gibt der ausgestellte Proceed erste schöne Hinweise auf die folgende Ceed-Generation.


Studie auf der IAAKia gibt Ausblick auf neue Ceed-Familie

Kia startet in die letzte Etappe für die neue Generation des Ceed. Auf der IAA in Frankfurt geben die Koreaner einen ersten Ausblick auf die neue Generation der kompakten Baureihe.



Mehr aus dem Ressort

Der Fiat Fullback Cross fühlt sich abseits der Straßen sehr wohl
Baugleich mit dem Mitsubishi L200Fiat Fullback Cross: Das Problem mit der Verwandtschaft

Das Segment der Pickups bildet noch eine kleine Community in Europa. Der Fiat Fullback Cross trifft dabei auf eine große multikulturelle Verwandtschaft der Lastenträger.


Ssangyong hat den Rexton komplett neu gestaltet
Vierte Generation des FlaggschiffsSsangyong Rexton: Neue Proportionen

Ssangyong fährt den Rexton in die vierte Auflage. Dabei hat das Flaggschiff eine komplette Umwandlung erhalten, bei der nur noch der Name übrig blieb.


Der Opel Insignia Country Tourer mag die rustikale Art
Dritte Variante des FlaggschiffsOpel Insignia Country Tourer: Ein wenig Freiheit und Abenteuer

Trotz des Booms bei den SUV gibt es auch noch Anhänger rustikaler Kombis. Opel schickt erneut die Offroad-Variante Country Tourer in den Schnee und Matsch.