24. April 2015

Fahrbericht Markante Offroad-Optik Jeep Renegade: Macho unter den Geländewagen

Der Jeep Renegade gehört ins Gelände.
Der Jeep Renegade gehört ins Gelände. © Jeep

Der Jeep Renegade ist kein Blender. So wird der SUV zu 70 Prozent mit Allrad geordert – und damit wird er seine Bestimmung auch gerecht – er gehört ins Gelände und nicht in den Stadt.




Auf den ersten Blick traut man ihm nicht allzu viel zu. Der 4,26 Meter kurze Jeep Renegade wirkt zwar auffallend kantig, dennoch umweht ihn ein Hauch jener knuddeliger und modischen Mini-SUV, die ohne große technische Raffinessen auskommen und lediglich etwas höhergelegt, übersichtlich, praktisch und geräumig sind.

Dass der Renegade aus anderem Holz geschnitzt ist als die meisten seiner Artgenossen, zeigen bereits die aktuellen Verkäufe: Zu rund 70 Prozent wird der kleinste aller Jeeps mit Allradantrieb geordert – vergleichbare Modelle liegen bei bis zu 20 Prozent, wenn sie überhaupt mehr als reinen Frontantrieb bieten. Die Krone der Offroadtauglichkeit unter den Renegade-Modellen trägt der 2.0l MultiJet Trailhawk, den wir rund um Wörth am Main ausgiebig testen konnten. Der vermeintlich lifestylige Italo-Amerikaner gibt on- wie offroad eine überraschende Figur ab. Zu haben ist er ab 31.900 Euro.


Verbesserte Offroad-Fähigkeiten

Die markante Offroad-Optik des Renegade an sich – etwa mit dem an Benzinkanister erinnernden X-Motiv in den Rückleuchten oder dem typischen Haltegriff für den Beifahrer – steigert sich beim Topmodell unter anderem durch 17 Zoll-Leichtmetallfelgen mit verbesserten Offroad-Eigenschaften, einen schwarzen Kontraststreifen auf der Motorhaube und das sogenannte „Trail Rated“-Logo auf dem Kotflügel. Das signalisiert, dass der kleine Racker den berüchtigten Rubicon Trail in Kalifornien bewältigen kann.

Technisch zeichnet das Rengade-Topmodell zunächst der 125 kW/170 PS starke 2.0-Liter-MultiJet-Diesel aus, der mit seinen 350 Nm Drehmoment wertvolle Schubkraft für heftiges Gelände mitbringt – zumal sie schon bei 1.750/min anliegen. Seine für gut 1,6 Tonnen Leergewicht ordentliche Kraft bringt der Renegade Trailhawk über den ausgefeilten „Active Drive Low“-Allradantrieb samt Selec Terrain-System auf den Boden: Im Kraxel-Modus „Rock“-Modus sind permanent alle vier Räder angetrieben und das Hinterachs-Differenzial wird automatisch gesperrt. Dazu kommen beim Trailhawk 21 statt 20 cm Bodenfreiheit, Unterfahrschutz sowie dank spezieller Front- und Heckschürzen erhöhte Böschungswinkel (30 Grad vorn, 34 Grad hinten).

Frische Farbakzente im Innenraum

Das Cockpit des Renegade
Das Cockpit des Renegade © Jeep

Der Innenraum im Renegade Trailhawk ist ein Mix aus kerniger Offroad-Optik und jugendlich frischen Farbakzenten. Wie im Renegade allgemein ist die Materialanmutung hochwertig, die Verarbeitung gut. Die Ledersitze im Topmodell bieten auch auf schaukeligen und ruppigen Geländepassagen guten Seitenhalt. Erstaunlich ist vor allem das Innenraumangebot: Selbst Zwei-Meter-Riesen haben vollkommen ausreichend Platz für Beine und Oberkörper, und hinten sitzen zumindest zwei Erwachsene bequem im nominellen Fünfsitzer. Der raumgreifenden Kastenoptik des Jeep Renegade sei Dank: Das Gepäckabteil bietet immerhin 351 Liter Volumen, die sich auf bis zu 1.297 Liter erweitern lassen.

Eine Geländeuntersetzung im eigentlichen Sinne fehlt, aber der kurze erste Gang der Neunstufen-Automatik im Trailhawk führt zusammen mit einer kürzeren Achsübersetzung auf Abruf zu enormem Kletterpotenzial. „4WD Low“ heißt dann die Wahl am Modus-Schalter, was die Traktionskontrolle verstellt und den ersten Automatik-Gang gegen Hochschalten sperrt. Dann hält den Trailhawk so schnell nichts auf wie man nicht nur auf dem kalifornischen Rubicon Trail, sondern auch in einem nordbayerischen Offroad-Parcous staunend feststellt.

Dabei kommt bei Bedarf auch eine Berg-An- und Abfahrhilfe zum Einsatz. Zwar fehlt dem Renegade Trailhawk immer noch jene schier unaufhaltsame Gelände-Kompetenz seines Hardcore-Cousins Jeep Wrangler, aber für die Zielgruppe der Mini-SUV-Käufer sollte sein großes Stock-und-Stein-Talent mehr als ausreichend sein.

Neungang-Automatik arbeitet geschmeidig

Das Heck des Renegade
Das Heck des Renegade © Jeep

Auf der Straße offenbart sich dank der frühen und häufigen Gangwechsel der Neungang-Automatik zunächst ein ungewohntes Fahrgefühl, das andererseits mit geschmeidiger Kraftentfaltung verwöhnt. Insgesamt fällt auf, dass die Techniker den Drahtseilakt zwischen Off- und Onroad-Tauglichkeit sehr gut hinbekommen haben: Auf Asphalt herrscht im Jeep Renegade Trailhawk ein erstaunlich hohes Niveau an Komfort und Agilität. Leichte Komforteinbußen sind aber trotz allem spürbar gegenüber anders konzipierten Konkurrenten.

Der 2.0l MultiJet-Diesel treibt den kurzen Alleskönner agil durchs Kurvengewirr, in 8,9 s von null auf hundert und mit bis zu 196 km/h über die Autobahn. Dabei kommen deutliche Windgeräusche auf – wohl bedingt durch das Kasten-Design. Aber nicht einmal beim Trinkverhalten leistet sich der Top-Renegade einen wirklichen Ausrutscher: Seine 5,9 l/100 km Normverbrauch kletterten bei flotter Onroad-Testfahrt auf vertretbare 7,3 Liter. Offenbar macht Jeep mit seinem hochtalentierten Klein-Geländewagen so richtig ernst. (SP-X)






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