6. August 2015

Fahrbericht Mit Hilfe von Fiat Jeep Cherokee: Fitnesskur für Mittelklasse-SUV

Jeep hat dem Cherokee ein neues Herz eingepflanzt.
Jeep hat dem Cherokee ein neues Herz eingepflanzt. © Jeep

Jeep hat dem Cherokee einen Leistungszuwachs zukommen lassen. Der umfangreich modernisierte Selbstzünder macht sich dabei im Stadtverkehr und beim Beschleunigen bemerkbar.




Konkurrenz belebt das Geschäft. Diese alte Business-Weisheit blieb auch den Strategen bei Jeep nicht verborgen. Ihr Modell Cherokee genießt nicht gerade den Ruf üppiger Motorisierung – zumindest nicht auf der Diesel-Seite. Die Konkurrenz hat hier mehr zu bieten, fährt auf höherem Leistungsniveau. Der Selbstzünder aber spielt in Deutschland und Europa in dieser Fahrzeuggattung die Hauptrolle.


Jeep Cherokee mit harmonischer Neungang-Automatik

Nun ist Besserung in Sicht. Fiat Powertrain (FPT) hat sich den vielfach eingesetzten Zweiliter-Turbodiesel (er steckt auch in der Alfa Romeo Giulietta) zur Brust genommen und ihn so umfangreich modernisiert, dass man fast von einem neuen Motor sprechen kann. Aus zuvor 170 PS und 350 Newtonmetern werden 185 (ab 40.600 Euro) und 200 PS (ab 45.900 Euro). Das Drehmoment steigt auf 440 Newtonmeter, der Hubraum auf 2,2 Liter. Ziel der Entwicklung war eine gute Elastizität, eine möglichst hohe Laufkultur und natürlich ein niedriger Verbrauch.

Eine erste Probefahrt im Cherokee zeigt, dass die Fitnesskur des Vierzylinders dem Mittelklasse-SUV gut bekommen ist. Obwohl der neue Diesel recht spät, erst bei 2500 Umdrehungen, sein Drehmoment-Maximum erreicht – Konkurrenzmotoren legen sich früher ins Zeug –, nimmt man dies nicht unbedingt als Müdigkeit wahr. Immerhin: 75 Prozent der maximalen Kraft sind bereits ab 1500 U/min abrufbar. Das 2,2-Liter-Aggregat spricht spontan an, zieht munter los und wirkt besonders in Kombination mit der serienmäßigen Neungang-Automatik harmonisch.

Deutlich vernehmbarer Diesel des Jepp Cherokee

Der Jeep Cherokee ist besonders beim Beschleunigen vernehmbar
Der Jeep Cherokee ist besonders beim Beschleunigen vernehmbar © Jeep

Was allerdings den sonst guten Fahreindruck trübt, ist das relativ hohe Verbrennungsgeräusch des Selbstzünders. Vor allem im Stadtverkehr und beim Beschleunigen merkt man deutlich, was da vorne unter der Haube arbeitet. Dabei haben sich die Ingenieure besonders in diesem Punkt sehr viel Mühe gegeben. Und Fiat weist gerne darauf hin, dass man schließlich schon 1998 die Common-Rail-Direkteinspritzung als erster Hersteller in Europa auf den Markt brachte – noch vor Mercedes. Dennoch: In diesem Fahrzeugsegment sollte es leiser zugehen. Und schließlich muss der 2,2-Liter-Selbstzünder demnächst auch im neuen Alfa Romeo Giulia für sportlichen Vortrieb sorgen.

Als Normverbrauch gibt Jeep 5,7 Liter für seinen erstarkten Großstadt-Indianer an. Das ist in Ordnung, aber längst nicht Maßstab der Klasse. Dass der Alltagsverbrauch nochmals durchweg höher liegt, ist bekannte Realität. Unser Bordcomputer zeigte knapp sieben Liter an. Hierin enthalten war allerdings keine schnelle Autobahnfahrt. 204 km/h gibt Jeep in der Spitze an. Den Ingenieuren ist es zudem gelungen, den neuen Dieselmotor ohne den Zusatzstoff AdBlue (Harnsäure-Lösung) Euro-6-fähig zu machen. Weder Werkstatt noch Kunde muss sich also um Nachfüllung kümmern.

Neue Ausstattungslinien für den Jeep Cherokee

Klimaanlage ist immer an Bord des Jeep Cherokee
Klimaanlage ist immer an Bord des Jeep Cherokee © Jeep

Auch an den Einsatz im Gelände – es ist schließlich seit knapp 75 Jahren die Domäne eines jeden Jeep – haben die Entwickler von Fiat Powertrain bei der Auslegung des neuen Diesel-Vierzylinders gedacht. Wasserdurchfahrten klappen bis zu einer Wattiefe von 48 Zentimetern. Der Ölkreislauf soll auch bei Steigungen von 60 Prozent und Schräglagen von 45 Prozent nicht kollabieren, selbst bei sehr niedrigen Drehzahlen. Es sind Werte, die weit über dem liegen, was man sich und dem Auto gewöhnlich zumutet. Für Hardcore-Offroad steht zudem (nur für die 200-PS-Version) eine Geländeuntersetzung zur Wahl, die bei Jeep Active Drive II heißt. Sie kostet 1700 Euro extra.

Mit dem neuen Motor änderte Jeep zum Teil auch die Ausstattungslinien. Die neue Einstiegsversion heißt Sport, beginnt bei 140 PS mit dem 2,0-Liter-Diesel, hat ausschließlich Frontantrieb und kostet 32.900 Euro. Es folgen Longitude, Limited und Trailhawk. Die von uns gefahrene 200-PS-Variante in der Ausstattung Limited kostet allerdings schon 45.900 Euro, hat dafür aber auch Einiges mehr an Annehmlichkeiten an Bord.

Zur Serienausstattung zählen unter anderem Klimaautomatik, Selec-Terrain-Assistenzsystem, elektrische Heckklappe, Rücksitze geteilt längs verschiebbar, Beifahrersitzlehne nach vorne klappbar, Bi-Xenon-Licht, Parksensoren, Rückfahrkamera, Nappa-Lederausstattung, Sitzheizung, konfigurierbares Display, Navigation, Surround Sound-System und sogar ein 230-Volt-Stromanschluss. (SP-X)






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