27. Juli 2016

Fahrbericht Kleinwagen mit praktischen Klappsitzen Honda Jazz: Liebe auf den zweiten Blick

Der Honda Jazz avanciert zum Raumwunder
Der Honda Jazz avanciert zum Raumwunder © Honda

Der Honda Jazz hebt sich als praktischer Lastesel im Segment der Kleinwagen heraus. Allerdings verschreckt der Japaner zunächst mit einem hohen Einstiegspreis, der sich erst auf den zweiten Blick nivelliert.




Wer sich für einen Kleinwagen interessiert, hat die Qual der Wahl. Das riesige Angebot bietet für jeden Geschmack (von sehr bis weniger schick) und fast jeden Geldbeutel (von sehr teuer bis nicht ganz so teuer) das Passende. Soll in dieser 4-Meter-Klasse jedoch besonders Innenraumvariabilität als Kaufkriterium dienen, wird die Auswahl dünn. Der Honda Jazz hat sich dieser Eigenschaft verschrieben.

Der Japaner, der mittlerweile in der dritten Generation am Start ist, macht allerdings das Kennenlernen nicht leicht. Nicht dass er hässlich wäre – hier haben die Honda-Designer im Vergleich zu anderen Fahrzeugen der Marke ihre Experimentierfreude gezügelt – aber beim Blick aufs Preisschild dürften viele Interessenten zunächst abgeschreckt werden. Mindestens 15.990 Euro ruft der Honda-Händler für den Jazz auf. Andere Kleinwagen werben mit Preisen um 10.000 Euro um die Gunst der Käufer.


Ein Motor für den Honda Jazz

Differenziert man ein wenig, nivellieren sich die Preisunterschiede. Der Jazz kommt immer als Fünftürer vorgefahren und wird von einem 75 kW/102 PS starken Benziner angetrieben. Außerdem sind noch einige Ausstattungsdetails an Bord, die andere Hersteller nicht im Basisniveau anbieten. Dazu zählen unter anderem Klimaanlage, elektrische Helfer für Fenster und Außenspiegel, eine Bluetooth-Freisprechanlange, Radio mit CD-Player, ein höhen- und tiefenverstellbares Lenkrad, ein höhen justierbarer Fahrersitz und Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer. Sogar Fußmatten gibt es ab Werk…

Ob man dann noch die zwei höheren Komfortniveaus braucht, die mit Fahrerassistenzsystemen und weiteren Komfortfeatures wie Klimaautomatik, modernem Infotainmentsystem, schlüssellosem Zugang oder Lederlenkrad aufwarten, bleibt Geschmackssache.

Magic Seats immer an Bord

Der Honda Jazz hat viele Gimmicks serienmäßig an Bord
Der Honda Jazz hat viele Gimmicks serienmäßig an Bord © Honda

Immer an Bord sind die sogenannten „Magic Seats“ im Fond. Mit Zauberei haben die hinteren Sitze jedoch nichts zu tun, sie sind vielmehr das i-Tüpfelchen im Jazz und tragen dazu bei, den 4 Meter langen Fünftürer zu einem ganz großen Lademeister zu machen. Dass sich die im Verhältnis 60:40 geteilten Rücksitzlehnen nach vorne klappen lassen, ist natürlich nichts Besonderes - schon eher das Ladevolumen des Kleinwagens, das zwischen 354 und 1.314 Litern variiert. Dass sich beim Umlegen keine unschöne und unpraktische Stufe auftut, ist in diesem Segment nicht selbstverständlich. Dass so insgesamt eine 1,51 Meter lange Ladelänge entsteht, ist für einen Kleinwagen bemerkenswert.

Damit nicht genug, lässt sich auch die Beifahrerlehne flach nach hinten fahren: Lange Gegenstände wie Bierbänke passen so ins Auto und lassen sich dank niedrige Ladekannte einfach hineinhieven. Wer aber einmal so richtig im Mittelpunkt stehen möchte, sollte mit dem Jazz im Frühjahr zu einer Gärtnerei fahren und Kübelpflanzen kaufen. Zum Verladen öffne man eine hintere Tür, klappe einfach die Sitzpolster der Rückbank hoch und schon ist reichlich Platz für die nicht ganz so zierlichen Pflänzchen vorhanden. Gegenstände bis zu 1,28 Meter kommen so unter. Großes Kino – besonders für die anderen Pflanzenkäufer auf dem Parkplatz.

Apropos Sitze: Die Honda-Ingenieure haben viel Hirnschmalz auf ein wirklich praktisches und variables Sitzsystem verwendet. Warum sie aber die Schienen für den Verstellbereich der vorderen Sitze zu kurz gewählt haben, bleibt ihr Geheimnis.

Honda Jazz mit fünf Sternen beim EuroNCAP

Mit dem Honda Jazz ist man sicher unterwegs
Mit dem Honda Jazz ist man sicher unterwegs © Honda

Für den Vortrieb sorgte der zurzeit einzig angebotene Motor, ein 1,3-Liter-Benziner mit 75 kW/102 PS. Klingt vielleicht viel für einen Kleinwagen, das Aggregat macht aber aus dem Jazz keinen Sportler. Der Sauger bringt nur 123 Nm - und die erst ab 5000 Umdrehungen - ins Spiel um Spritzigkeit und Durchzugskraft. Das hilft nur Schalten, will man das Potential des Triebwerks nutzen. Typisch Honda dreht das Aggregat locker, aber nicht unbedingt leise, hoch. Auf der Autobahn war es kein Problem, die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h zu erreichen. Überhaupt: Der Japaner fühlt sich auf Autobahnen wohl. Im Drehzahlbereich zwischen 3500 und 4000 Umdrehungen und bei Tempo 140 bis 160 agiert er relativ gelassen. Durchschnittlich flossen 6,5 Liter durch die Leitungen, 1,4 Liter mehr als der Normverbrauch vorgibt.

Übrigens: Die von uns gefahrene höchste Ausstattungsvariante „Elegance“ (ab 18.990 Euro) hat fast alles an Bord, was Honda für den Jazz im Programm hat. Darunter auch eine intelligente Geschwindigkeitsregelung. Sie passt die maximale Geschwindigkeit automatisch anhand der durch die Verkehrszeichenerkennung erfassten Tempobeschränkungen an. Beim Thema Sicherheit kann der Jazz zudem in einer anderen Hinsicht punkten: Beim NCAP-Crashtest erreicht der Kleine eine fünf-Sterne-Wertung. (SP-X)






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