23. Mai 2017

Fahrbericht Limousine mit großem Kofferraum Honda Civic Stufenheck: Auf der Suche nach Accord-Kunden

Honda bringt den Civic auch als Viertürer
Honda bringt den Civic auch als Viertürer © Honda

Honda hat den neuen Civic auch als Stufenheck-Limousine im Angebot. Die Japaner hoffen dabei auf mittlerweile heimatlose Kunden des früheren Schwestermodells.




Honda erweitert sein Modellangebot und stellt dem neuen Civic eine Stufenheck-Limousine zur Seite. Sie ist 13 Zentimeter länger als die Heckklappen-Version, bietet ein größeres Gepäckabteil und lockt mit einem um gut 2000 Euro günstigeren Einstiegspreis, allerdings bei unterschiedlicher Ausstattung. Trotzdem wird der 25.520 Euro teure Viertürer wohl über eine Nebenrolle im Honda-Theater nicht herauskommen, auch wenn vor allem die heimatlosen Käufer des einstigen Honda Accord reaktiviert werden sollen.

Geht die Dachlinie des Fünftürers in eine Art Heckspoiler über, reicht sie bei der Limousine etwas weiter gen Achtern und endet mit einer scharfen Kante über der steilen Öffnung des Kofferraums. Trotzdem muss man ganz genau hinschauen, um den Unterschied wahrzunehmen. Hilfreich dabei wäre es, beide Honda-Modelle nebeneinander zu parken. Dann nämlich überragt der Viertürer sein Schwestermodell hinten gleich um 13 Zentimeter, kommt auf die stolze Länge von 4,65 Metern und ist damit um zwei Zentimeter länger als zum Beispiel ein 3er-BMW. Das bringt vor allem reichlich Platz im tiefen Kofferraum (517 Liter).


Dezente Lufteinlässe

Einen Unterschied der beiden Civic-Versionen gibt es auch vorne. Protzt der Fünftürer mit gewaltigen Lufteinlässen unter den Scheinwerferaugen, sind diese beim Neuling deutlich dezenter ausgefallen. Ein Tribut an die doch eher konservative Klientel solcher Limousinen. Wobei die sportive, nun mal Honda-typische Linienführung erhalten blieb. Da gibt es eine Menge von langweiligeren Vertretern dieser Spezies.

Was auch für die Gestaltung des Innenraums gilt. Künftige Eigner sitzen in einem Cockpit, dessen dreigeteilte Armaturentafel je nach Geschmack entweder begeistert oder schockt. Im Zentrum der halbkreisförmige LCD-Drehzahlmesser, der den Digitaltacho umrahmt. Das ist ebenso gewöhnungsbedürftig wie die Zuordnung der reichlich vorhandenen Knöpfe, Tasten und Schalter. Lobenswert der 7-Zoll-Monitor fürs Navi, das Entertainment und die Internetfunktionen, die der Civic anbietet.

Ein Motor für den Honda Civic

Auf 182 PS greift der Honda Civic zurück
Auf 182 PS greift der Honda Civic zurück © Honda

Ein Druck auf den Startknopf erweckt das Triebwerk des Civic zum Leben. Hier gibt es keine Wahl, derzeit ist nur ein Motor zu haben. Der 1,5-Liter-Turbobenziner stammt technisch vom hochgelobten Sportlerherz (2,0 Liter, 235 kW/320 PS) des bald erscheinenden Civic R ab, kommt in der Limousine auf immerhin 134 kW/182 PS. Starke Motoren mit überschaubarem Hubraum sind nun mal die Kernkompetenz der Japaner. Auch in der Limousine steckt viel Feinarbeit wie zwei Nockenwellen, elektronische Regelung für Ventile und Ladedruck des Turbos, Direkteinspritzung und vieles mehr. Der Normverbrauch von 5,8 Litern pro 100 Kilometer klingt erfreulich, wird aber in der Praxis nicht erreichbar sein.

Der Fahrer erlebt das alles, wenn er dem Civic die Sporen gibt. Der kleine Motor dreht energisch hoch, liefert dabei einen angenehm satten Sound und protzt mit Durchzugskraft, wenn er auf dem Drehzahlmesser die Marke von 1700 Umdrehungen erreicht hat. Eifriges Schalten des Sechsgang-Getriebes natürlich vorausgesetzt. Die neue elektrische Lenkung glänzt beim Umrunden von engen Kurven durch Zielgenauigkeit und gute Rückmeldung, wird dabei immer direkter. Bei höherem Tempo auf der Autobahn jedoch stellt sich ein leicht schwammiges Gefühl ein, das wohl dem Geschmack der US-Kunden geschuldet ist. Hier will Honda die für Deutschland geplanten Limousinen noch nacharbeiten.

Basismodell ab 25.520 Euro

Die Sitze des Honda Civic sind sehr weich
Die Sitze des Honda Civic sind sehr weich © Honda

Mit seinem Paket an serienmäßigen Assistenzsystemen will sich Honda besonders profilieren. Schon im Basismodell für 25.520 Euro sind Abstandsradar, aktives Spurhalten, Notbremsfunktion, Fernlichtassistent, Verkehrszeichenerkennung und manches mehr an Bord. Auch in Sachen Komfort bietet der Civic viele Extras, die anderswo nur gegen Mehrpreis zu haben sind. Wer mehr Geld ausgeben will, kann seine Limousine nahezu komplett mit Goodies (u.a. Rückfahrkamera, Glasschiebedach) aufrüsten und ist mit 30.620 Euro immer noch vergleichsweise gut bedient.

Doch das Angebot für Stufenheck-Fans hat auch Schwächen. Bei den weichen Sitzen wurde der Komfort übertrieben, manche Materialien wirken zu billig und das permanente Piepsen der elektronischen Helferlein erreicht schnell die Nervgrenze. Punkten kann er mit einem großzügigen Platzangebot auch auf den Rücksitzen, der kompletten Ausstattung und seinen sportiven Fähigkeiten. Das Blechkleid – vor allem die Heckgestaltung – trifft sicher nicht jeden Geschmack, ist aber allemal eine Ansage an die in dieser Klasse seltenen Rivalen. Honda setzt auch darauf, dass frühere Kunden des einst so erfolgreichen Stufenheck-Modells Accord im langen Civic ihre Erfüllung finden werden. Deren Adressen, soweit noch auffindbar, sind von der Marketingabteilung schon herausgesucht und nette Schreiben bereits formuliert. (SP-X)






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