22. Mai 2013

Fahrbericht Fast ohne Schnickschnack Ford Fiesta ST: Konsequent sportlich

Der Ford Fiesta ST ist ein Fotos ▶
Der Ford Fiesta ST ist ein "Sportwagen fürs Volk". © Ford

Der Ford Fiesta ST präsentiert als Fahrmaschine im Stile der achtziger Jahre. Bei der Konzeption wurden fast alle elektronischen Helfer außer Acht gelassen.




Das Attribut "altmodisch" würde man in Bezug auf ein Auto wohl kaum als Kompliment durchgehen lassen. Beim Ford Fiesta ST ist es aber so gemeint. Der motorisch aufgemotzte Kleinwagen ist ein Spaßauto nach alter Väter Sitte, in der Tradition der 80er-Jahre stehend: kraftvoll, preiswert und ohne neumodischen Schnickschnack. Zumindest fast.


Dynamische Form des Ford Fiesta ST

Bei der ersten Begegnung mit dem Fiesta hat man jedoch zunächst einen anderen Eindruck: Wie seine zivil motorisierten Brüder steht auch die ST-Version für den aktuellen Kleinwagen-Stil, der die dynamische Form dem funktionellen Nutzen vorzieht. Als Basis für einen Mini-Sportler ist das natürlich wiederum gut.

Der ein wenig an Aston-Martin erinnernde Kühlergrill, die langgezogenen Scheinwerfer und die kleinen Fensterflächen verpassen schon dem Standardmodell ein flottes Outfit, der beim ST – vergleichsweise dezent - durch breitere Schweller, einen größeren Heckspoiler und 17-Zoll-Räder unterstrichen wird. Nachteile wie die schlechte Rundumsicht, die hohe Ladekante und der zu eng geschnittene Kofferraum fallen bei einer Sportversion zudem kaum ins Gewicht.

Ford Fiesta setzt Fokus auf kurvige Landstraßen

Denn um Einparken, Kofferraum beladen und Wasserkisten hochhieven geht es beim ST nicht. Der konsequent ausschließlich als Dreitürer angebotene Kraft-Wagen ist zum flotten Fahren gemacht. Und zwar konsequent. Das humorlos trockene Fahrwerk, die direkte und präzise Lenkung und die kompromisslos packenden Bremsen setzen den Fokus klar auf kurvige Landpartien. Nach längeren Strecken auf der Autobahn schält man sich daher erleichtert, aber durchgeschüttelt aus den eng geschnittenen Sportsitzen mit ihren ausladenden Seitenwangen.

Ford Fiesta ST als "Sportwagen fürs Volk"

Sportlich hart gefedert sind die Sitze des Ford Fiesta ST
Sportlich hart gefedert sind die Sitze des Ford Fiesta ST © Ford

Wer sich auf die recht harte Gangart einlassen will, findet in dem 1,6 Liter großen Turbobenziner des ST aber einen kongenialen Gefährten. Der aufgeladene Vierzylinder mit 134 kW/182 PS entwickelt in jeder Lebenslage einen unmittelbaren und unbändigen Druck, der einen unwiderstehlich mitzieht. Egal welcher Gang der knackigen Sechsgangbox gewählt ist: Der Vierzylinder schiebt vehement und ohne Turboloch nach vorne, fast als hätte er zwei Brennkammern mehr. Probleme mit der Traktion oder Antriebseinflüssen im Lenkrad gibt es dabei trotz Frontantriebs so gut wie nicht. Auch wenn die einzige besondere Fahrhilfe ein speziell abgestimmtes ESP mit elektronischer Differenzialsperre ist.

Generell hält sich der ST in technischer Beziehung aber eher zurück. Wo etwa Polo GTI und Ibiza Cupra die kühlen Hightech-Gefährte geben oder der Opel Corsa OPC seine Rennstrecken-Ambitionen etwas zu penetrant herauskehrt, orientiert sich der starke Fiesta eher an Vorbildern aus den 80er-Jahren wie dem Peugeot 205 GTi oder dem Fiat Uno Turbo. "Sportwagen fürs Volk" ist sein Motto. Und das schlägt sich auch im Preis nieder. Mit 19.990 Euro ist er deutlich günstiger als die genannte Konkurrenz, die mit ähnlichen Leistungswerten erst bei rund 23.000 Euro startet.

Künstlich verstärkter Sound beim Ford Fiesta ST

Beim Sound halfen die Ford-Ingenieure nach
Beim Sound halfen die Ford-Ingenieure nach © Ford

In einer Hinsicht verstößt der Fiesta jedoch gegen das Retro-Reinheitsgebot und setzt stattdessen auf modische Maskerade. Für den kraftvollen Sound über das gesamte Drehzahlband sind nämlich nicht allein Motor und Abgasstrang verantwortlich, sondern ein Sound-Modulator, der die Akustik künstlich verstärkt und besonders satt in den Innenraum leitet. Man könnte das peinlich finden. Doch wer sich daran stört, stört sich auch an elektrisch verzerrten Gitarren bei einem Rockkonzert. (SP-X)






Mehr zur Marke Ford

Hackett kommt für FieldsFord ernennt neuen Vorstandschef

Ford hat seinen Vorstandschef Mark Fields in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Der Nachfolger soll den Autohersteller durch technische Innovationen zu neuen Werten führen.


Nach Jobversprechen von TrumpAbschwung am Automarkt: Ford baut Stellen ab

Beim Treffen mit US-Präsident Trump war noch von einer Joboffensive die Rede. Doch nun tritt beim Autobauer Ford das Gegenteil ein: es werden massiv Stellen abgebaut - und nicht nur dort.


Unterwegs im Oldie der AmerikanerFord GT: Mit Topspeed in die Vergangenheit

Der Ford GT gehört zu einem der faszinierendsten Supersportwagen auf dem Markt - und das nicht nur wegen seines Preises. Doch das Original stellt den Boliden in den Schatten.



Mehr aus dem Ressort

Volvo XC60
Marktstart im JuliVolvo XC60: Neues Ärgernis für Audi und Co.

Wer sorgt bei den Mittelklasse-SUVs in Europa für eine Erfolgsgeschichte? BMW? Audi? Mercedes? Nein, es ist Volvo mit dem XC60. Nun bringen die Schweden die neue Generation ihres Bestsellers auf den Markt.


Honda bringt den Civic auch als Viertürer
Limousine mit großem KofferraumHonda Civic Stufenheck: Auf der Suche nach Accord-Kunden

Honda hat den neuen Civic auch als Stufenheck-Limousine im Angebot. Die Japaner hoffen dabei auf mittlerweile heimatlose Kunden des früheren Schwestermodells.


Der Opel Crossland X tritt an die Stelle des Meriva
Crossover mit SUV-AnleihenOpel Crossland X: Neue Aussichten

Kleinere SUV verdrängen immer mehr die Mini-Vans aus dem Markt. Opel bringt mit dem Crossland X einen äußerst attraktiven Nachfolger für den biederen und bereits ausgelaufenen Meriva.