3. April 2013

Fahrbericht 182 PS Leistung Ford Fiesta ST: Kölner Adrenalinkick

Der Ford Fiesta ST. Fotos ▶
Der Ford Fiesta ST. © Ford

Ford hat im März den neuen Fiesta ST auf den Markt gebracht. Was der Kleinwagen der Kölner zu bieten hat, zeigt unser Fahrbericht mit dem 182 PS starken Nachwuchssportler.




Von Frank Mertens

Natürlich kann man die Fragen nach dem Sinn eines Kleinwagens jenseits der 150 PS stellen. Warum bieten Hersteller Autos wie beispielsweise den VW Polo GTI, den Opel Corsa OPC oder den Ford Fiesta ST an? Die reinen Stückzahlen dürften nicht der Grund sein. Denn die kleinen Flitzer verkaufen sich nur in homöopathischen Dosen. Von einem Auto wie dem neuen Ford Fiesta ST erwarten die Kölner in diesem Jahr gerade einmal einen Absatz von 1250 Einheiten, wie Vertriebschef Wolfgang Booms sagt.

Vergleicht man das mit den erwarteten Stückzahlen des herkömmlichen Fiesta, hier geht man von rund 50.000 Zulassungen aus, ist das kaum der Rede wert.


Fiesta ST mit attraktivem Einstiegspreis

Doch es geht für Hersteller solcher Autos um mehr. Es geht darum zu zeigen, was in einer Marke steckt, welche Technologien, welche Leistung sie ihren Kunden anbieten können. „Der Fiesta ST trägt zur Emotionalisierung der Marke bei“, sagt Booms. Und, das gibt der Vertriebschef gerne zu, man erzielt mit einem Auto wie dem im März auf den Markt gekommenen ST „sehr, sehr gute Margen“.

Dabei haben die Kölner den neuen Fiesta ST enorm attraktiv eingepreist, der Einstiegspreis liegt bei 19.990 Euro. Das ist eine Ansage, auch mit Blick auf die Konkurrenz. So kostet ein VW Polo GTI (1.4 Liter TSI mit 180 PS) 22.925 Euro oder ein Opel Corsa OPC (1.6 Liter mit 192 PS) sogar 24.265 Euro. Doch kann sich Ford auch jenseits des Preises gegen die starke Konkurrenz aus Rüsselsheim und Wolfsburg behaupten. Sie können.

Ansprechender Auftritt

Da ist zunächst das ansprechende Design mit dem Kühlergrill in Wabenoptik, die dem Kleinen einen charaktervollen Auftritt verschafft und reicht von der leicht nach hinten aufsteigenden Seitenlinie bis hin zu einem Doppelrohr-Auspuff und einem dezenten Dachkantenspoiler. Die Kölner haben gut daran getan, beim Spoiler nicht zu dick aufzutragen. Denn so kommt der ST zwar sportlich daher, doch keineswegs prollig.

Das Sportlenkrad im Ford Fiesta ST
Das Sportlenkrad im Ford Fiesta ST © Ford

Der Innenraum unseres Testwagen, der mit Leder-Sport-Paket ausgestattet war (Aufpreis 1000 Euro), setzt diesen Eindruck fort. Die Verarbeitung ist wertig, die Materialien fühlen sich gut an. Das trifft vor allem auf die Recaro-Sportsitze mit Stoffleder-Polsterung zu. Sie sehen nicht nur richtig gut aus, sondern in ihnen sitzt man auch bequem. Gut, sie sind straff, aber auch nicht knüppelhart, so wünscht man sich gute Sitze. Doch kommen wir nun zum Wichtigsten, dem Fahrerlebnis mit dem neu Fiesta ST.

182 PS sorgen für Vortrieb

Angetrieben wird er von einem 1.6 Liter EcoBoost-Motor mit 182 PS. Das maximale Drehmoment des Vierzylinder-Motors liegt bei 240 Nm an und steht über das breite Drehzahlband von 1600 bis 5000 Touren an. Das ermöglicht ein schaltfaules Fahren. Eigentlich schade, denn es macht richtig Spaß, das manuelle Sechsganggetriebe zu bedienen, denn der Schalthebel lässt sich knackig durch die kurzen Gassen bewegen.

Der 1.6-Liter-Motor erweist sich bei den Testfahrten in der Nähe von Nauen in Brandenburg als wahres Energiebündel. Die Kraftentfaltung vollzieht sich so souverän, dass man beim leichten Tipp aufs Gaspedal (natürlich in Alu-Optik) in die Sportsitze gepresst wird. Wie sportlich man in dem Fiesta ST unterwegs sein kann, zeigen die Beschleunigungswerte: es vergehen gerade einmal 6,9 Sekunden bis Tempo 100. Das Ende des Spaßes ist bei 220 km/h erreicht.

Auf dem Weg dorthin erweist sich der ST als Vollblutsportler, so dynamisch lässt er sich auch dank einer direkt ansprechenden Lenkung durch enge Kurven jagen, dass es eine Freude ist. Das Fahrwerk ist dabei indes so straff abgestimmt, dass man die schlechten Straßenverhältnisse in Brandenburg doch recht deutlich wahrnimmt. Doch wer sich einen kleinen Sportwagen zulegt, der erwartet auch nichts anderes.

Verbrauch unter zehn Litern

Das Heck des Ford Fiesta
Das Heck des Ford Fiesta © Ford

Der erwartet auch nicht, dass der Verbrauch dem des Herstellers entspricht. Danach soll er sich mit 5,9 Liter (CO2-Wert 138 g/km) auf 100 Kilometer begnügen. Das sind übrigens 20 Prozent weniger als beim Vorgängermodell und das bei fast 20 Prozent mehr Leistung. In der Realität waren es laut Bordcomputer 9,6 Liter. Natürlich kann man bei sehr bedachter Fahrweise auch unter diesem Wert bleiben, aber dann braucht man sich ein solches Auto auch nicht zu kaufen.

Zum Ausstattungsumfang des von uns gefahrenen ST gehörte unter anderem neben einer Klimaanlage, Sportsitzen auch das Audio-System mit Ford Sync und Notrufsystem als auch das empfehlenswerte MyKey-System: Damit lässt sich der Zweitschlüssel nicht nur mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung versehen, sondern es ermöglicht auch die Sperrung des ESP-Deaktivierung. Ein Feature, das gerade bei einem Auto mit derartigen Leistungsdaten nicht hoch genug gelobt werden kann. Denn damit kann der ST auch mal – für den Fall der Fälle – an den Nachwuchs ausgeliehen werden.






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