16. März 2017

Fahrbericht Mini-SUV mit 140 PS Ford Ecosport: Kämpfer mit langem Atem

Der Ford Ecosport wird derzeit stark rabattiert
Der Ford Ecosport wird derzeit stark rabattiert © AG/Flehmer

Mit dem überarbeiteten Ecosport hat Ford den Importartikel aus Brasilien an europäische Ansprüche angepasst. Mit der Topmotorisierung fördert das Mini-SUV sogar den Fahrspaß.




Von Thomas Flehmer

Die Korrektur folgte sehr rasch. Nur eineinhalb Jahre nach der Markteinführung des Ecosport im Jahr 2014 folgte der Abgesang des brasilianischen Imports vom Weltauto. Was unterm Zuckerhut schon seit 2003 funktionierte, muss nicht unbedingt auf andere Regionen dieser Welt übertragbar sein, was Ford auch sehr bald zu spüren bekam.

Angesichts bescheidener Verkäufe wurde der Ecosport ein wenig konfiguriert. So verschwand das an der Hecktür platzierte Reserverad, was die Länge von 4,27 auf 4,02 Meter schrumpfen ließ, und auch die Preise passten sich den Mitbewerbern im trendigen Segment der Mini-SUV wieder an, auch wenn der Ecosport einige Schrullen weiterhin parat hält, mit denen sich die im indischen Chennai für Europa produzierten Ecosports auch weiterhin von der Masse absetzen – zugleich aber auch einen langen Atem benötigen, um sich im Segment zu etablieren.


Ford Ecosport setzt auf Hecktür statt Heckklappe

Allen voran setzt Ford weiterhin auf eine Hecktür statt einer Heckklappe. Die nach links zu öffnende Tür gibt dank niedriger Ladekante den Weg frei zu 333 Litern Kofferrauminhalt. Da die gesamte Rückbank sehr praktisch nach vorn geklappt werden kann entsteht ein Stauraum von 1238 Litern. So schön die Hecktür aus dem Segment heraussticht, so unpraktisch ist die Öffnung bei so manchem engen Parkplatz, bei dem sich die Tür nicht ganz öffnen lässt ohne Schrammen zu verursachen.

Noch nicht in der Neuzeit angekommen ist auch das Dashboard, das immer noch einen Überfluss an Knöpfen bildet, mit denen man sich im Laufe der Zeit ebenso anfreunden muss wie mit dem kargen Innenraum samt seinen etwas zu weich wirkenden Sitzen. Platz ist dank der Karosserieform – der Ecosport geht klar als kleine Ausgabe des Kuga durch – auf allen Sitzen gegeben.

Ford Ecosport 1.0 Ecoboost recht genügsam

Nicht immer praktisch ist die Heckklappe des Ford Ecosport
Nicht immer praktisch ist die Heckklappe des Ford Ecosport © AG/Flehmer

Angesichts beengter Sichtverhältnisse lohnen sich Park-Pilot-System sowie die gute Rückfahrkamera für gesamt 625 Euro. Ansonsten sieht es mau aus mit Assistenzsystemen. Selbst ein Sprit sparendes Stopp-Start-System ist nicht verfügbar, welches gerade in der Stadt für den einen oder anderen Zehntel Liter Ersparnis sorgen und den Verbrauch des 1.0 Ecoboost mit 103 kW/140 PS auf unter sechs Liter drücken könnte. Trotzdem ist der Ecoboost nicht weit entfernt von dem ermittelten NEFZ-Wert von 5,4 Litern.

Dabei punktet der Dreizylinder an sich. Das vielfach ausgezeichnete Triebwerk in seiner derzeit höchsten Ausbaustufe arbeitet sehr agil und bringt den 1,3 Tonner innerhalb von 11,8 Sekunden auf 100. In der Stadt reicht der Sprint bis Tempo 50 vollkommen aus, um den ein oder anderen Verkehrsteilnehmer zu überraschen. Der Motor arbeitet dabei deutlich hörbar. Dass er dabei nicht stört, liegt am authentisch wirkenden Sound des schaffenden Aggregates, das zunächst verwirrt, aber gut zu dem Mini-SUV passt.

Denn die 140 PS kombiniert mit 180 Newtonmetern sorgen für einen gefühlt schnelleren Antritt als es das Datenblatt hergibt. Leider sind nur fünf Gänge für die Vorwärtsfahrt vorgesehen. Gerade auf der Autobahn in Richtung der 185 km/h Höchstgeschwindigkeit will die rechte Hand immer wieder den sechsten Gang einlegen. Das Fahrwerk selbst agiert Ford-typisch souverän über die jeweiligen Wegstrecken und sorgt gerade in Verbindung mit dem Top-Aggregat für Fahrspaß.

Ford Ecosport gibt sich kämpferisch

Eher karg ist das Cockpit des Ford Ecosport eingerichtet
Eher karg ist das Cockpit des Ford Ecosport eingerichtet © AG/Flehmer

Trotzdem benötigt der Ecosport einen langen Atem, um stärker zu den Platzhirschen Opel Mokka, Renault Captur, Peugeot 2008 oder Mazda CX-3 aufzuschließen. Doch nach dem erfolglosen ersten Auftritt gibt sich der aufgefrischte Ecosport als Kämpfer. Mit 1367 Neuzulassungen in den ersten beiden Monaten des Jahres liegt der Ecosport knappe 900 Einheiten hinter dem CX-3 und 3300 Einheiten hinter dem Spitzenreiter aus Rüsselsheim.

Atemhilfe erhält das Mini-SUV von der deutschen Zentrale. Die senkt den Preis für den Ecosport mit dem Top-Aggregat bis zum Ende des Monats um 4200 auf 17.740 Euro sowie einer Garantie über fünf Jahre und sorgt für eine weitere schnelle Korrektur, die die Attraktivität deutlich anhebt, auch wenn - wie beim Testwagen noch weitere 3500 Euro für Komfort- und Winterpaket, Park-Pilot und Rückfahrkamera, Navi mit Ford Sync sowie Leichtmetallräder und Metallic-Lackierung hinzukommen.






Mehr zur Marke Ford

Vierte Generation der MittelklasseFord Mondeo: Die Leiden des Dienstwagens

Der Ford Mondeo verfügt über die typischen Dienstwagen-Qualitäten. Doch besonders benutzte Mittelklassemodelle leiden dann auch unter den typischen Dienstwagen-Beanspruchungen.


Neues AusstattungspaketFord schärft Focus RS nach

Ford verstärkt den Fahrspaß beim Focus RS. Der Kompaktsportler erhält mit dem Paket Blue & Black neben einem Sperrdifferenzial zugleich neue Farbtöne.


Hackett kommt für FieldsFord ernennt neuen Vorstandschef

Ford hat seinen Vorstandschef Mark Fields in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Der Nachfolger soll den Autohersteller durch technische Innovationen zu neuen Werten führen.



Mehr aus dem Ressort

Vierzylinder-Hybrid mit 232 PSLexus IS 300h F-Sport: Möchtegern-Sportler

Mit dem Lexus IS 300h F-Sport bieten die Japaner einen Vollhybriden an, der mit seinem Namen etliche Erwartungen weckt. Doch nach den Testfahrten bleibt festzuhalten: erfüllen kann er sie leider nicht alle.


Nissan hat dem Qashqai ein neues Aussehen verliehen
Facelift für Crossover-PionierNissan Qashqai: Schönheitskur für den Spitzenplatz

Nissan hat den Qashqai vor allem optisch neuen Glanz verliehen. Technische Neuerungen für den unternehmenseigenen Bestseller sind zwar in der Pipeline, aber noch nicht im Crossover.


Gut 80 Prozent der Insignia-Kunden wählen die Kombivariante
Marktstart des Kombis am 24. JuniOpel Insignia Sports Tourer: Sag beim Abschied glanzvoll Servus

Opel lässt mit dem Insignia Sports Tourer die Zusammenarbeit mit Modellen der bald vergangenen Mutter General Motors auslaufen. Der besonders in Deutschland beliebte Mittelklasse-Kombi legt sich dabei mächtig ins Zeug in Richtung Premium.