21. November 2013

Fahrbericht Sportwagen für Schnäppchenjäger Corvette Stingray: Es muss nicht immer Porsche sein

Die Corvette Stingray kostet knapp unter 70.000 Euro. Fotos ▶
Die Corvette Stingray kostet knapp unter 70.000 Euro. © Chevrolet

Sie ist Kult: Die Corvette Stingray rollt in der siebten Generation an den Start. Sie bringt alles mit, um zu begeistern: Ausgefeilte Technik, viel Leistung und eine tolle Fahrdynamik, wie unser Fahrbericht zeigt.




Von Frank Mertens

Was wurde nicht schon alles über die neue Corvette Stingray gesagt: Sie sei die stärkste, die schnellste und natürlich beste Corvette aller Zeiten. Klar, unter Superlativen machen es die Amerikaner nicht.

Wenn ein Autohersteller wie die GM-Tochter Chevrolet ein neues Modell auf den Markt bringt, dann neigt er kaum zur Zurückhaltung. Schon recht nicht, wenn es sich um ein Kult-Car wie die Stingray handelt. Sie rollt in diesen Tagen in Deutschland ab einen Preis von 69.900 Euro für das Coupé und ab dem kommenden Jahr für 72.990 Euro als Cabrio zu den Händlern.


Stingray im Vergleich zu Porsche 911 ein Schnäppchen

Doch wie gut ist die neue Corvette denn nun abseits dieser Marketing-Euphorismen wirklich? Wird sie zu Recht mit Superlativen bedacht? Hat sie wirklich das Zeug dazu, sich gegen die etablierte Sportwagenkonkurrenz wie einen Porsche 911 oder einen Nissan GT-R zu behaupten? Hat sie. Mehr noch. Sie bringt alles mit, um sich mit Porsche und Co. mindestens auf Augenhöhe zu bewegen. Mehr noch, sie lässt die Konkurrenz mit Blick auf den Preis sogar weit hinter sich. So müssen für die Sportwagen-Ikone aus Zuffenhausen mal locker mindestens 20.000 Euro mehr ausgegeben werden als für die Stingray.

Wer nun meint, dass man bei so einem Preisunterschied Abstriche bei der Qualität und dafür in einem Plastik-Bomber aus den USA unterwegs sein muss, irrt gewaltig. Denn bei der siebten Generation haben die die US-Boys alles in die Waagschale geworfen, was sie an Know how zu bieten haben. So wurde dank eines konsequenten Leichtbaus mit einer Aluminium-Rahmenstruktur nicht nur die Steifigkeit um 57 Prozent erhöht, sondern auch das Gewicht um satte 45 Kilogramm reduziert. Erreicht wurde dies auch durch Verwendung von Carbon.

Aerodynamische Optimierungen

Das Cockpit der Stingray
Das Cockpit der Stingray © Chevrolet

Daneben wurde die neue Corvette auch aerodynamisch auf Vordermann gebracht. Dabei ging es nicht allein darum, den Cw-Wert zu reduzieren, sondern letztlich die Fahrdynamik noch weiter zu verbessern, doch dazu gleich mehr. Damit die Stingray auch in der Klasse der Hightech-Sportwagen bestehen kann, stieg die Leistung des ohnehin schon potenten 6,2 Liter großen V8-Motors auf souveräne 466 PS an, das maximale Drehmoment liegt bei 630 Nm. Damit sich das alles auch souverän auf die Straße bringen lässt, ist die Stingray mit der innovativen Stoßdämpferregelung "Magnetic Ride Control Suspension" und einem sogenannten "Drive Mode Selector" unterwegs, mit dem sich gleich elf Fahrzeugparameter einstellen lassen.

Damit nicht genug. Ausgestattet ist die Stingray noch mit einem modernen manuellen Siebenganggetriebe und einer Zylinderabschaltung: Statt mit acht ist man dann nur noch mit vier Zylindern unterwegs. Das ist die Papierform – doch die Praxis ist noch schöner.

Klarer Punktsieg

Das fängt bereits beim Anblick dieser Sportwagen-Flunder an: sie ist ein Hingucker und das merkt man bei auch den Testfahrten durch die Frankfurter Innenstadt. Hier drehen sich die Passanten nach der Corvette um. Nach Aufmerksamkeit heischende Porsche-Fahrer dürften ein solches Gefühl nicht kennen, wenn sie in einem Elfer durch die Main-Metropole kurven. Hier setzt die Corvette auf dem Boulevard der Eitelkeiten ein Ausrufezeichen – und nicht nur hier. Hat man Frankfurt erst einmal den Rücken gekehrt und erreicht die Autobahn, dann kann man erleben, warum die Corvette einen Kultstatus genießt. Wer hier auf der Autobahnauffahrt das Gaspedal vehement durchtritt, zaubert sich ein Lächeln aufs Gesicht, so vehement drückt einen der V8 in die wohl konturierten Sportsitze. 630 Nm sind halt ebenso eine Ansage wie 466 PS.

Und die bringt die Corvette so souverän auf die Straße, dass man schnell vergisst, dass man Tempo 200 bereits schon überschritten hat. Auf dem Weg dorthin bereitet einem die knackig abgestimmte Siebengang-Schaltung ebenso viel Spaß wie der Drehzahlangleicher, kurz "Rev-Match" genannt. Wer ihn mittels Knopfdrucks aktiviert, kann ohne ein Abfallen der Drehzahl locker weiter nach vorne preschen. Zahlen gefällig: Tempo 100 ist in 4,2 Sekunden erreicht und die Höchstgeschwindigkeit liegt irgendwo im Bereich von 300 km/h. Dass die "Vette" sich auf dem Weg dorthin fahrdynamisch keine Blöße gibt, ist auch den aerodynamischen Optimierungen zu verdanken, die dazu beigetragen haben, den Auftrieb zu minimieren.

Verschiedene Fahrmodi wählbar

Das beeindruckende Heck der Stingray
Das beeindruckende Heck der Stingray © Chevrolet

Wie es sich für einen Sportwagen in dieser Klasse gehört, ermöglicht die Stingray über einen kleinen Drehschalter auf der Mittelkonsole die Einstellung von unterschiedlichen Fahrmodi. So kann man zwischen Tour, Sport, Track und Eco wählen – und damit dem Auto vorgeben, ob man gerade lieber komfortabel, besonders sportlich oder – so man das fahrerische Können besitzt – es auf der Rennstrecke jenseits von allen Sicherheitsfeatures so richtig krachen lassen will. Dazu kann man natürlich auch die Rundenzeiten im Display messen und sich die Querbeschleunigung anzeigen lassen, schließlich kommt die Stingray auf ein "G". All das natürlich untermalt mit einem ohrenbetäubenden Sound.

Ach ja, da gibt es ja noch den Eco-Modus. Ein Widerspruch für ein solches Auto, das die Wenigsten mit einem geringen Verbrauch verbinden? Keineswegs, denn die Corvette kann man auch durchaus sparsam bewegen. Und dafür sorgt die Zylinderabschaltung, die aus dem Acht- einen sparsamen Vierzylindermotor macht und so im Eco-Modus zu einem Verbrauch führt, den man sonst nur von Kompaktklassemodellen kennt: So zeigte bei Tempo 120 auf der Autobahn im Rhein-Main-Gebiet der Bordcomputer gerade einmal 6,7 Liter (!) an. Werksseitig wird der Durchschnittsverbrauch übrigens mit 12,8 Liter (beim Vorgänger lag er noch bei 13,6 Liter) angeben. Wer mit 14 Litern rechnet, der kommt bei einer sportlichen Fahrweise der Realität ein Stück näher. Doch sei es drum: Diese Stingray begeistert selbst diejenigen, die sonst von US-Musclecars wenig halten. Das Gesamtpaket, das die US-Amerikaner mit der Corvette da geschnürt haben, wird auch die Konkurrenz in Süddeutschland und andernorts aufhorchen lassen.






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