6. Juli 2016

Fahrbericht Beginn der Modelloffensive Cadillac XT5: Auf Augenhöhe mit Audi und Co.

Der Cadillac XT5 kommt im September auf den Markt. Fotos ▶
Der Cadillac XT5 kommt im September auf den Markt. © Cadillac

Cadillac versucht mal wieder in Europa Fuß zu fassen. Den Auftakt der Produktoffensive macht der US-Autobauer mit dem CT6 und dem XT5. Beide Modelle bringen alles mit, um auch den anspruchsvollen deutschen Premiumkunden zu überzeugen. Wird es diesmal klappen?




Von Frank Mertens

In den USA ist Cadillac eine Hausnummer. In Europa indes spielt der US-Autobauer keine Rolle. Im zurückliegenden Jahr konnte die GM-Premiumtochter auf dem europäischen Markt zwar den Absatz um 60 Prozent steigern. Doch in absoluten Zahlen stehen gerade einmal 580 Neuzulassungen, davon 230 in Deutschland in der Bilanz. Damit bewegt sich Cadillac nach wie vor unter der Wahrnehmungsschwelle.

Doch das soll nun anders werden – wieder einmal. Doch diesmal könnte der Weg hin zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für die deutschen Premiummarken Audi, BMW und Mercedes gelingen. Dass das nicht ein Sprint wird, sondern vielmehr ein Marathonlauf, ist den Verantwortlichen um Cadillac-Chef Johan de Nysschen bewusst, der sein Amt am 1, August 2014 angetreten hat. Seither hat er die Marke komplett umgekrempelt, den Firmensitz von Detroit nach New York verlegt.


Personal in Europa aufgestockt

Am Europasitz der Marke im schweizerischen Glattpark wurde das Personal deutlich aufgestockt. Von dort kümmern sich mittlerweile 35 Mitarbeiter darum, dass die Marke endlich performt. Eigentlich sollte dafür Andreas Schaaf als Europachef sorgen, doch nach gerade einmal einem Jahr auf diesem Posten wechselt er nach China. Seinen Posten übernimmt ab dem 1. September Felix Weller.

Trotz des Wechsels an der Europaspitze zeigt man sich angesichts der anstehenden Modellneuheiten selbstbewusst, dass Cadillac auf dem hart umkämpften Premiummarkt in Europa Schritt für Schritt an Absatz zulegt. In 2017 will man 1000 Autos absetzen, bis 2020 sollen es bereits 10.000 Einheiten sein, wie Sales-Direktor Jens Hauer im Gespräch mit der Autogazette sagte. Bis 2020 will Cadillac acht neue Modelle auf den Markt bringen, darunter auch ein Plug-in-Hybrid und ein rein elektrisches Fahrzeug. Dafür investiert GM zwölf Milliarden US Dollar in seine Marke. Den Auftakt dieser Produktoffensive machen der CT6 und das Crossover-Modell XT5, die Cadillac in diesen Tagen in Berlin vorstellt – und die einen positiv überraschen. Beide Autos bringen alles mit, um auch anspruchsvolle Premiumkunden zu überzeugen.

XT5 mit Absatzpotenzial

Das Cockpit des XT5
Das Cockpit des XT5 © Cadillac

Insbesondere das Crossover-Modell XT5 hat das Potenzial, die Absatzzahlen von Cadillac in Europa angesichts der stetig steigenden Nachfrage nach SUV-Modellen zu befördern. Der XT5 ist das erste von insgesamt vier geplanten Crossover-Modellen. Das Design ist ansprechend, hat mit plumpen Ami-Blechkisten nichts zu tun. Der XT5 kommt elegant und modern daher – sowohl außen und innen. Im Vergleich zum Vorgängermodell, dem SRX, ist das Auto um 68 Kilogramm leichter geworden.

Aber nicht nur das: die neue Architektur der Crossover-Modelle bringt den Insassen auch mehr Platz. So wuchs der Radstand im Vergleich zum SRX um fünf Zentimeter auf 2,86 Meter, die Spur wurde um 1,7 Zentimeter breiter und der Fußraum wuchs um 8,1 Zentimeter ein. Das sorgt alles für ein ausgesprochen gutes Raumgefühl. Davon profitieren auch die Passagiere im Fond: Hier können auch großgewachsene Mitreisende gut sitzen. Dafür sorgen auch die Einstellmöglichkeiten der Sitze, die man nicht nur in sechs Positionen um bis zu zwölf Grad verstellen kann, sondern auch um 14 Zentimeter nach vorn schieben kann. Im Kofferraum findet sich Platz für 850 bis zu maximal 1784 Liter Gepäck.

Wertiger Innenraum

Wer meint, dass Cadillac sich mit Blick auf die verwendeten Materialien im Innenraum verstecken muss, der irrt. Das sieht alles sehr wertig aus – und fühlt sich ebenso an. Cadillac wird hier seinem Premiumanspruch gerecht. Und wie schaut es mit den Bedienfreundlichkeit aus? Ist der Innenraum mit Knöpfen und Schaltern überfrachtet? Mitnichten. Das ist alles intuitiv zu bedienen. Das Infotainmentsystem mit dem 8 Zoll Touchscreen arbeitet hervorragend und stellt den Fahrer vor keine Probleme und bietet zugleich eine leichte Verbindung mit dem Smartphone. So muss es sein. Wie alle aktuellen neuen Modelle aus dem GM-Konzern verfügt auch Cadillac über das OnStar-System.



Technologisch bietet Cadillac seinen Kunden all das an, was man in dieser Klasse auch an Fahrassistenzsystemen erwartet. Da gibt es einen Totwinkelwarner, einen Spurhalteassistenten ebenso wie einen Notbremsassistenten mit Fußgänger- und Tiererkennung. Das funktioniert alles unter Realbedingungen bestens, wie die Testfahrten zeigten.

Rückspiegel mit Display-Technologie

Das Heck des XT5
Das Heck des XT5 © Cadillac

Im XT5 kommt zudem eine Rückspiegel mit Display-Technologie zum Einsatz. Dieses System soll eine um 300 Prozent verbesserte Sicht nach hinten ermöglichen. Im Vergleich zum herkömmlichen Rückspiegel bietet sie dem Fahrer auf jeden Fall eine signifikant bessere Sicht nach hinten. Wer das gewöhnungsbedürftige System nicht mag, kann auch den herkömmlichen Rückspiegel nutzen.

Doch wie fährt sich der XT5 mit seinem 3,6 Liter großen V6-Motor mit 314 PS nun? Gut, wirklich sehr gut. Das Aggregat sorgt mit einem maximalen Drehmoment von 368 Newtonmetern für einen kraftvollen Antritt dieses 4,81 Meter großen und 1,9 Tonnen schweren Fahrzeuges. Den Sprint von null auf 100 km/h erledigt er im Zusammenspiel mit der Achtgang-Automatik in 7,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h. Und der Verbrauch: Der wird im Drittelmix auch dank Zylinderabschaltung mit zehn Litern angegeben. Bei den Testfahrten waren es bei umsichtiger Fahrweise indes 11,2 Liter.

Das sind die reinen Daten. Doch auch fahrdynamisch braucht sich der mit einem Allradantrieb ausgestattete XT5 nicht verstecken. So wird das Fahrwerk nicht nur automatisch an den Untergrund angepasst, sondern der Fahrer kann auch mit dem „Driver Select Mode“ unter drei Fahrmodi (Touring, Schnee/AWD und Sport) wählen. Der Spaß, einen XT5 zu fahren, beginnt übrigens bei 48.800 Euro in der Ausstattungsvariante Luxury, für die Premium-Variante werden 56.800 Euro und für die Platin-Variante müssen 66.800 Euro bezahlt werden.

Für den CT6, die Limousine und zugleich das Topmodell, mit seinem 3.0 Liter-Motor mit 417 PS ruft Cadillac mindestens 73.500 Euro auf. Das sind keine Schnäppchenpreise, doch mit dem XT5 und dem CT6 präsentiert Cadillac zwei Modelle, die einen mit einen guten Gefühl zurücklassen. Vermisst hat man nichts, was man von einer Premiummarke erwartet. Sollte es diesmal wieder nichts werden mit der „Markteroberung“ in Europa, dann liegt es mit Bestimmtheit nicht an den Modellen von Cadillac. Sie befinden sich auf Augenhöhe mit der deutschen Konkurrenz, die sich derzeit zumindest mit Blick auf den Absatz noch in unerreichter Ferne befindet.






Mehr zur Marke Cadillac

Über 22 Prozent Zuwachs im MärzCadillac kommt in Europa aus Nische nicht heraus

Der Aufwärtstrend für Cadillac hält an. Im März konnte die GM-Tochter ihren weltweiten Absatz bereits zum zehnten Mal in Folge steigern. Europa bleibt indes weiter ein Nischenmarkt für die US-Amerikaner.


Premiere in Pebble BeachCadillac Escala Concept: Auf zu neuen Zielen

Cadillac hat gerade sein Flaggschiff CT6 vorgestellt. Doch dabei soll es nicht bleiben. In Pebble Beach zeigte der Autobauer nun die Studie Escala Concept, die die gehobene Oberklasse im Visier hat.


Als Nachfolger von SchaafWeller neuer Europachef von Cadillac

Cadillac hat Felix Weller zum neuen Europachef der Marke ernannt. Weller tritt sein Amt am 1. September als Nachfolger von Andreas Schaaf an, der nach China gewechselt ist.



Mehr aus dem Ressort

Ssangyong hat den Rexton komplett neu gestaltet
Vierte Generation des FlaggschiffsSsangyong Rexton: Neue Proportionen

Ssangyong fährt den Rexton in die vierte Auflage. Dabei hat das Flaggschiff eine komplette Umwandlung erhalten, bei der nur noch der Name übrig blieb.


Der Opel Insignia Country Tourer mag die rustikale Art
Dritte Variante des FlaggschiffsOpel Insignia Country Tourer: Ein wenig Freiheit und Abenteuer

Trotz des Booms bei den SUV gibt es auch noch Anhänger rustikaler Kombis. Opel schickt erneut die Offroad-Variante Country Tourer in den Schnee und Matsch.


Mitsubishi steigt mit dem Eclipse Cross in den Markt der SUV-Coupes ein
Auf der Plattform des OutlanderMitsubishi Eclipse Cross: Erhellender Lückenfüller zum Jubiläum

Mitsubishi startet ins Segment der SUV-Coupés. Mit dem Eclipse Cross wird zum hundertjährigen Jubiläum der Autosparte auf die Vergangenheit verwiesen und die Zukunft bemüht.