28. April 2014

Fahrbericht Plugin-Hybrid mit 2,1 Litern Verbrauch BMW i8: Mission Possible

Der BMW i8 erreicht innerhalb von 4,4 Sekunden Tempo 100. Fotos ▶
Der BMW i8 erreicht innerhalb von 4,4 Sekunden Tempo 100. © BMW

BMW macht den nächsten Schritt beim Antrieb für die Zukunft. Mit dem i8 ist den Münchnern eine neue Definition des Sportwagens der Neuzeit gelungen.




Von Thomas Flehmer

Tom Cruise durfte schon erste Eindrücke sammeln. In "Mission Impossible 4" fuhr der amerikanische Schauspieler als Agent Ethan Hunt mit einem revolutionären Sportwagen über die Leinwände der Welt. Der BMW i8, der zwei Jahre zuvor auf der IAA 2009 in Frankfurt als Vision Efficient Dynamics seine Weltpremiere gefeiert hatte, galt schnell als Kaufobjekt. Obwohl in dem Blockbuster lediglich die äußere Hülle mit dem i8 übereinstimmte, flatterten die ersten Blanko-Schecks ein von potenten Interessenten, die ihr Eigenheim mit dem Sportwagen schmücken wollten – auch wenn die Technik darunter noch gar nicht darin war.


BMW i8 setzt auf Laserlicht

Es ist keine Überraschung, dass die ersten potenziellen Kunden ihr Interesse bekundeten, denn der i8 hat viele der optischen Auffälligen des Konzeptautos behalten und ist – es muss so gesagt werden – rattenscharf ausgefallen. "Es ist das revolutionärste Auto, dass BMW je entwickelt hat", sagt Entwicklungsvorstand Herbert Diess und trifft damit den Nagel auf den Kopf.

Das Design ist derart futuristisch ausgefallen, dass selbst die äußere Hülle des Honda Civic schon zum Veteranenkreis gezählt werden kann. Eine geschlossene Front ohne große Einlässe, dafür mit schmalen Scheinwerfern, durch die erstmals Laserlicht projektiert wird, dass dank seiner Strahlkraft von bis zu 600 Metern und seiner besseren Effizienz als die fast schon als betagt anzusehenden LED-Scheinwerfer auch beim Licht neue Wege in die Zukunft aufweist.

Futuristische C-Säule des BMW i8

Die fast schon erotisch zu nennende Seitenlinie des in Leipzig gefertigten i8 mit ihren zwei Flügeltüren hat ihr Meisterstück am hinteren Teil des 4,69 Meter langen und lediglich 1, 29 Meter hohen Sportwagens sitzen.

Der BMW i8 verfügt über eine aufregende Seitenlinie
Der BMW i8 verfügt über eine aufregende Seitenlinie © BMW

Denn die C-Säule verläuft getrennt, sodass Heckklappe und Kotflügel keine Einheit mehr bilden, sondern sogar Luft durchlassen können, was dem Cw-Wert von lediglich 0,26 zur Spitzeneinheit im Segment aufsteigen lässt.

Der Innenraum vermittelt Fahrer und dem Beifahrer – mehr Personen werden trotz zweier Notsitze sehr, sehr selten Platz nehmen – die aktuelle BMW-Gegenwart mit ein paar Verfeinerungen. Schließlich müssen Instrumente und Display auf die verschiedenen Anforderungen der drei Motoren eingehen und die Informationen dem Fahrer vermitteln.

BMW platziert Verbrenner erstmals im Heck

Der Dreizylinder-Benziner des BMW i8 ist im Heck platziert
Der Dreizylinder-Benziner des BMW i8 ist im Heck platziert © BMW

Dabei gibt es bei BMW eine weitere Premiere. Zum ersten Mal im Unternehmen sitzt ein Verbrennungsmotor an der Hinterachse. Der 1,5 Liter große Dreizylinder kommt auf 231 PS und ein Drehmoment von 320 Newtonmetern. Dicht an den Benziner herangebaut wurde ein 11 kW starker Elektromotor, der beim Starten Energie zuführt sowie für mehr Dynamik sorgt. Im Sport-Modus lädt der Motor zudem den tief in der Mitte befindlichen Speicher wieder auf.

Hinter der Vorderachse arbeitet ebenfalls ein Elektromotor, mit dem bis zu 37 Kilometer rein elektrisch zurückgelegt werden konnten – mit 131 PS und 250 Newtonmetern ebenfalls nicht schwächlich bestückt. Auf den ersten Testkilometern in der Stadt aber waren bedingt durch zahlreiche Ampelstopps und den somit verbundenen Anfahrten, bei denen viel Energie benötigt wird, nach knapp 15 Kilometern der Speicher für den rein elektrischen Betrieb leer.

BMW i8 vereinigt 362 PS

Der Fahrer des BMW i8 verfügt über 362 PS Systemleistung
Der Fahrer des BMW i8 verfügt über 362 PS Systemleistung © BMW

Zum Glück folgten daraufhin Fahrten auf der Autobahn, in denen im Comfort-Modus Verbrenner und Elektromotoren zusammen arbeiten und je nach Situation die Arbeit gemeinsam oder getrennt verrichten. Denn bis zu einem Tempo von 65 km/h könnte der Plugin-Hybride weiterhin elektrisch chauffiert werden, ehe der Benziner einsetzt.

Im Sport-Modus arbeiten allen Motoren kontinuierlich zusammen und rufen dann die Systemleistung von 362 PS ab, mit denen der Sportwagen bei 250 km/h elektrisch wieder eingefangen wird. Je nach Fahrweise könnten dann rund 12 Liter auf 100 Kilometern anfallen, sagt Produktleiter Carsten Breitfeld. Mit diesem Wert, der für einen Sportwagen bei hoher Leistungsbereitschaft aller Ehren wert ist, sollte aber häufig gerechnet werden, zumal der i8 mit knapp 1,5 Tonnen kein Leichtgewicht ist.

BMW i8 ab 126.000 Euro

Der Ein- und Ausstieg beim BMW i8 ist etwas beschwerlich
Der Ein- und Ausstieg beim BMW i8 ist etwas beschwerlich © BMW

Denn trotz aller Spargedanken ist der ständige Reiz präsent, das Fahrpedal immer noch ein Stückchen weiter nach unten zu drücken und die Leistung – sei es nun rein elektrisch oder in Gemeinschaftsarbeit – abzurufen. Denn die Kraft ist deutlich spürbar und innerhalb von 4,4 Sekunden ist Tempo 100 bereits erreicht. Am besten auf der Landstraße, wo die Qualitäten des Fahrwerks dann zum Tragen kommen. Durch den tief verbauten Speicher sowie den quer verbauten Motoren ergibt sich ein optimaler Schwerpunkt, der den i8 zum rassigen Kurvenräuber avancieren lässt und die Fahrfreude von Kurve zu Kurve steigert. Am Ende der Testfahrten über Serpentinen, Autobahn und Stadtverkehr standen 5,5 Liter auf der Uhr. Auch wenn BMW den Verbrauch mit möglichen 2,1 Litern angibt, sind die alltagstauglichen 5,5 Liter vergleichbar mit einer Neudefinition des Sportwagensegmentes.

Diejenigen, die bereits nach "Mission Impossible" ihren Geldkoffer öffnen wollen, können ab dem Sommer 126.000 Euro auf das BMW-Konto überweisen. Zwischen 50 Prozent und zwei Dritteln der Kunden werden ihren i8 in Nordamerika spazieren fahren. Eine genaue Verkaufszahl nennt BMW nicht, aber bis 20.000 verkaufte Einheiten im Jahr könnten sich die Verantwortlichen schon vorstellen. Das hilft, die enormen Entwicklungskosten zu amortisieren, doch Geld mit dem i8 zu verdienen wird in naher Zeit wohl noch eine "Mission Impossible" bleiben.






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