11. Oktober 2013

Fahrbericht Umfassendes Mobilitätskonzept BMW i3: Der Spaßmacher unter den Revoluzzern

Der Hingucker: Der BMW i3 unterwegs in Amsterdam. Fotos ▶
Der Hingucker: Der BMW i3 unterwegs in Amsterdam. © BMW

BMW bringt mit dem i3 nicht bloß ein Elektroauto auf den Markt. Mit dem rund vier Meter langen Stromer wollen die Münchner die Elektromobilität revolutionieren. Kann das gelingen?




Von Frank Mertens

Die Elektromobilität ist bislang eine Randerscheinung. Die Hoffnungen der Autobranche ruhen nun auf VW und BMW, die stockende Nachfrage in Schwung zu bringen. Während die Wolfsburger im kommenden Monat den neuen Elektro-Up auf den Markt bringen, kommen die Münchner am 16. November mit dem i3. Damit will BMW nichts anderes als eine neue Ära der Elektromobilität einläuten.

Schließlich basiert das erste rein elektrisch angetriebene Modell von BMW nicht wie bei VW auf einem bestehenden Fahrzeugkonzept, sondern wurde mit einem Milliardenaufwand extra für die Elektromobilität konzipiert. Kein Wunder, dass BMW zum Marktstart des ab sofort für einen Preis von mindestens 34.950 Euro bestellbaren i3 viel Wirbel um sein erstes Elektromobil macht und dabei nicht an Superlativen spart. BMW-Produktionsvorstand Harald Krüger sprach bei der Fahrpräsentation in diesen Tagen in Amsterdam selbstbewusst von einem "revolutionären Fahrzeugkonzept", das man mit dem neuen i3 auf den Markt bringe.


Carbon für Fahrgastzelle des BMW i3

Damit meint Krüger nicht nur dem Umstand, dass BMW für den Hochdach-Van statt auf Blech bei der Fahrgastzelle auf viel Carbon und im Innenraum auf recyclebare Materialien gesetzt hat, sondern für den i3 gleich ein ganzes Mobilitätspaket geschnürt hat. Und das, was die Münchner seit dem Start des "Project i" im November 2007 nun als Gesamtpaket auf den Markt schicken, verdient Respekt. Da ist zum einem das futuristisch gestaltete Design, das im Straßenbild für Aufsehen sorgt und bei den Testfahrten durch die Innenstadt von Amsterdam nicht nur für anerkennende Blicke der Passanten sorgte, sondern auch eine Fahrdynamik, die wenig Wünsche offen lässt.

Das Cockpit des BMW i3
Das Cockpit des BMW i3 © BMW

So bietet der Elektromotor mit seiner Lithium-Ionen-Hochvoltbatterie mit einer Energiekapazität von 18,8 kWh nicht nur eine Leistung von 170 PS, sondern auch ein sattes Drehmoment von 250 Nm. Es liegt, wie bei Elektroautos üblich, sofort an und sorgt damit für einen beeindruckenden Antritt. Gerade einmal 7,2 Sekunden vergehen bis Tempo 100. Wer möchte und dem es weniger um die Reichweite von maximal 180 Kilometer im Eco Pro+-Fahrmodus als um den Fahrspaß geht, kann den BMW i3 bis zur Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h bringen.

Agiler Stadtflitzer

Doch wem es um Topspeed geht, der hat E-Mobilität nicht verstanden. Dieses Auto ist halt nichts für Bleifußfetischisten. Es geht um nachhaltige Mobilität, es geht um Mobilität für die Stadt, die trotzdem Fahrfreude vermittelt. ("Wir zeigen, dass Revolutionen auch Spaß machen können", Krüger). Mit seinen gerade einmal vier Metern Länge und einem Wendekreis von nur 9,86 Metern erweist sich der BMW i3 auch dank seiner direkt ansprechenden Lenkung als wendiger und idealer Stadtflitzer. Dabei haben es die Münchner mit Blick auf die Sportlichkeit vielleicht etwas zu weit getrieben. Denn das Fahrwerk ist doch arg straff abgestimmt, sodass man schlechte Fahrbahnverhältnisse zu deutlich wahrnimmt.

Ansonsten aber bietet der i3 alles, was man von einem Auto in dieser Preisklasse erwarten kann. Er bietet Platz für vier Personen, wenngleich es für zwei etwas größer gewachsenen Mitreisenden im Fond doch etwas beengt zugeht. Das merkt man bereits beim Einsteigen. Zwar lassen sich die Türen aufgrund des Verzichts einer B-Säule gegenläufig öffnen, das kennt man bereits vom Mini Clubman oder vom Rolls-Royce. Das ist zwar ein netter Gag, aber bequemer wird das Platz nehmen dadurch nicht, da sich der der Vordersitz nicht wie beim Easy Entry nach vorne schiebt. Entsprechend muss man sich schon etwas gelenkig zeigen, um sich auf den Sitz plumpsen zu lassen.

Nachhaltige Materialien

Dafür haben Fahrer und Beifahrer ausreichend Platz; sie sitzen ausgesprochen bequem. Vor ihnen breitet sich dann ein futuristisch anmutendes Cockpit mit einer geschwungenen Mittelkonsole aus, bei dem auf die Verwendung nachhaltiger Rohstoffe Wert gelegt wurde. Die Kunststoffteile sind aus recyclbaren PET-Flaschen gefertigt, das Eukalyptus-Holz ist schnell nachwachsend. Gewöhnungsbedürftig ist indes die Filzauskleidung (so etwas kennt man von der Hutablage) hinter der Mittelkonsole und in Bereichen der Türen. Nach Premium sieht das nicht aus – aber mit der Zeit gewöhnt man sich auch daran.

Wenn es denn etwas gibt, was man am Cockpit hätte besser machen können, ist es die rechteckige Geschwindigkeitsanzeige hinter dem Lenkrad: sie ist schlicht zu klein ausgefallen. Das Kofferraumvolumen von 260 Litern ist zwar nicht überwältigend, aber es geht letztlich in Ordnung.

Vernetzt mit dem Smartphone

Zwei Personen finden im BMW i3 im Fond Platz.
Zwei Personen finden im BMW i3 im Fond Platz. © BMW

Das kann man vom Navigationssystem indes nicht sagen: Es ist groß genug ausgefallen und bietet eine Vielzahl von Nettigkeiten, die zeigen, dass es BMW nicht nur darum ging, "bloß" ein E-Auto auf die Straße zu bringen, sondern Mobilität ganzheitlich zu denken. Dazu gehört auch das so genannte modulare Routing. So bietet die Karte des Navis nicht nur eine Anzeige über die mit der mit dem vorhandenen Ladevolumen erreichbaren Ziele, sondern ermöglicht es dem Fahrer auch, sich nach dem Abstellen des Fahrzeuges beispielsweise auf einem Park+Ride-Parkplatz über die Abfahrtzeiten des nächstens Busses oder beispielsweise S-Bahn zu informieren.

Natürlich, das versteht sich mittlerweile von selbst, ist das Navigationssystem (es gehört zur Serienausstattung) mit dem Smartphone vernetzt. Entsprechend kann man die entsprechenden Informationen auch hierüber abrufen oder auch von unterwegs steuern: Wer morgens beispielsweise gern in ein vorgewärmtes Fahrzeug einsteigen will, der kann dies über eine App problemlos machen. Natürlich kann hierüber auch der Ladezustand des Fahrzeuges abgerufen werden.

Ökologische Fahrweise wird belohnt

Da es bei E-Mobilität natürlich um Nachhaltigkeit geht, ist das gesamte Fahrzeugkonzept darauf ausgelegt: Dazu gehören beispielsweise die über den Fahrerlebnisschalter auszuwählenden Fahrmodi wie Comfort, Eco Pro oder der bereits erwähnte Modus Eco Pro+. Mit ihm kann man das Maximum an Reichweite erzielen, da hierbei die Klimaanlage abgeschaltet und die Motorleistung gedrosselt und die Höchstgeschwindigkeit auf 90 km/h reduziert wird. Zugleich belohnt das Fahrzeug den Fahrer für seine ökologische Fahrweise. So kann er über das Navi oder die App während oder am Ende der Fahrt abrufen, wie effizient er denn nun unterwegs gewesen ist. Ist er vorausschauend genug gefahren? Ist er rechtzeitig genug vom Gaspedal gegangen, um zu rekuperieren und damit zusätzliche Energie zu gewinnen?

Das Heck des BMW i3
Das Heck des BMW i3 © BMW

Dies alles zeigt einem das Info-System des i3 an – und animiert den Fahrer geradezu dazu, sich besonders effizient fortzubewegen. Nicht mehr das schnelle von A nach B kommen entscheidet, sondern das wie. Wer dem nicht viel abzugewinnen glaubt, muss es selbst einmal ausprobieren – er wird sich schnell vom Gegenteil überzeugen lassen. Es hat schließlich auch etwas für sich, durch ein besonders umsichtiges Fahren bis zu zehn Kilometer an Reichweite zu erzielen.

Am Ende der Testfahrten rund um Amsterdam bleibt ein positiver Eindruck zurück. Der BMW i3 machte seine Sache klasse und leistet sich kaum eine Schwäche. Zwar hat BMW den i3 mit rund 35.000 Euro günstiger eingepreist als ursprünglich geplant, doch leisten werden sich dieses Auto am Ende nur Besserverdienende. Schade eigentlich. Aber vielleicht überraschen die Münchner ja mit besonders attraktiven Leasingraten. Dazu wollte man in Amsterdam aber noch nicht zu viel verraten.






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