26. November 2013

Fahrbericht 119 Gramm CO2-Ausstoß BMW 518d: Lohnender Verzicht

Der BMW 518d ist der Sparmeister der Fünfer-Baureihe. Fotos ▶
Der BMW 518d ist der Sparmeister der Fünfer-Baureihe. © BMW

Der kleine 5er-Diesel von BMW ist der Sparmeister der Baureihe. Nicht nur Flottenmanager freuen sich über die Schonung des Geldbeutels, vor allem deshalb, weil auf nichts verzichtet werden muss.




Eine der beliebtesten Optionen im Angebot der deutschen Businessclass-Limousinen jedweder Couleur kostet nichts. Den Entfall der Typbezeichnung auf dem Heckdeckel berechnen weder Mercedes noch BMW oder Audi den Kunden. Das erlaubt den Kunden, ohne Prestigeverlust auf dem Firmenfuhrpark einen kleineren Motor zu ordern, oder sich ohne aufzufallen ein paar PS mehr zu gönnen. Was aber in Zeiten von CO2-optimierten Flotten vielleicht nicht unbedingt gerne gesehen wird. Im Falle unseres Testkandidaten dürfte eher das mangelnde Prestige für den Wegfall sprechen, ist der 518d doch das ausgewiesene Sparmodell im Angebot der 5er-Baureihe. Mit 105 kW/143 PS ist der Bayer nicht eben üppig motorisiert angesichts von Markenbrüdern, die gerne ein- zwei oder gar dreihundert Pferdchen mehr unter der Haube haben und auch nicht wesentlich anders aussehen. Andererseits waren 143 PS im 525 tds die Spitze des Angebots im BMW-Dieselportfolio – allerdings vor gut zwanzig Jahren.


BMW 518d ab 39.900 Euro

Seitdem hat sich die Dieselwelt deutlich geändert und wo der einstige Star unter den Selbstzündern noch ohne Direkteinspritzung Verbrauchswerte um acht Liter erzielte, bei schneller Fahrt auch gerne zehn und mehr, gibt sich das heutige Sparmodell betont genügsam. 4,5 Liter verspricht BMW im Mix und damit 119 Gramm CO2-Ausstoß. Mit letzteren werden die allermeisten Hürden, die sparsame Flottenmanager ihren Kunden auferlegen, locker genommen. Allerdings würde die auch der 520d mit immerhin 136 kW/184 PS dank gleicher Werte nicht reißen. Kein Wunder, hat er doch den gleichen Motor wie auch der 518d. Der wiederum ist als Sparmodell schlicht 2500 Euro günstiger und mit einem Einstiegspreis von 39.900 Euro als Handschalter der einzige 5er, der unter der 40.000-Euro-Marke bleibt.

Natürlich handelt es sich dabei nur um einen Prospektwert, den unser Testwagen mit der gleichen Leichtigkeit deutlich nach oben ausbaute wie wohl alle im realen Leben gekauften Modelle dieser Klasse. Mit den üblichen und durchaus sinnvollen Annehmlichkeiten von der Achtgang-Automatik bis zum Head-up-Display und allerlei Assistenten sind 60.000 Euro schnell erreicht, aber auch dann bleibt es beim Respektabstand zum stärkeren 520d.

Großer Reisekomfort im BMW 518d

Stellt sich die Frage, ob sich dieser Verzicht lohnt? Zunächst einmal kann der 518d alles, was die übrigen 5er auch können. Da wäre zuerst einmal der große Reisekomfort, den man eigentlich nur steigern kann, wenn man noch eine Nummer größer, also in der Kategorie von 7er BMW und Mercedes S-Klasse kauft.

Man sitzt vorn wie hinten gut bis sehr gut, die Federung passt sich den Gegebenheiten und dank "Fahrerlebnisschalter" auch den Wünschen an. Wobei wir die Einstellung Comfort+ für höchst angemessen erachteten und sportlichere Möglichkeiten mangels Motorleistung weniger in Betracht zogen.

BMW 518d schafft 210 km/h

Selbst der kleine Diesel im 5er ist mehr als ausreichend motorisiert
Selbst der kleine Diesel im 5er ist mehr als ausreichend motorisiert © BMW

Die Leistung reicht im Alltag sowieso locker aus, um angenehm zu reisen. Bei Bedarf rennt der große Münchner 210 km/h, was heute kein besonderer Wert ist, auf einer deutschen Autobahn in Ballungsräumen zu üblichen Verkehrszeiten trotzdem höchst selten fahrbar. So macht es auch wenig, dass sich der 518d zum Erreichen seiner Vmax ein wenig mehr Zeit lässt als andere 5er.

Um zügig im Verkehr mit zu schwimmen, ist die Leistung allemal mehr als ausreichend und auch Überholvorgänge auf Landstraßen lassen sich ohne Schweißausbrüche absolvieren. Im Komfortmodus bügelt er dabei die Malaisen deutscher Straßenwirklichkeit weitgehend aus, was man einem BMW noch vor Jahren in dieser Form nicht zugetraut hätte.

Lohnenswertes Headup-Display im BMW 518d

An Bord des BMW 518d fehlt nichts
An Bord des BMW 518d fehlt nichts © BMW

Gut gefallen hat uns einmal mehr das Head-up-Display, das den Blick auf die herkömmlichen Instrumente weitgehend obsolet macht. Wobei herkömmlich nicht mehr der richtige Begriff für die Displays im 5er sind, die je nach Fahrmodus unterschiedliches anzeigen und freundlicherweise den jeweils gefahrenen Geschwindigkeitsbereich größer darstellen – schließlich trägt die Kundschaft gerne Gleitsicht und so kann man dezent Pluspunkte sammeln. Dazu passt auch das extragroße Navi-Display mit der Möglichkeit der Splitscreen-Nutzung. Auf die optionale Möglichkeit, das Internet ins Auto zu holen und Musik aus nämlichen zu ziehen, haben wir verzichtet. Wir glauben gerne, dass es funktioniert, sehen den Nutzen aber nur bedingt, zumal man das Mediensystem mit CDs füttern kann, die automatisch abgespeichert und fürderhin verfügbar gehalten werden.

Womit die Frage nach dem lohnenden Verzicht noch nicht wirklich beantwortet wäre. Wer auf ein wenig Souveränität in der Leistungsentfaltung verzichten kann und die 2500 Euro lieber in mehr Ausstattung oder ganz etwas anderes investiert, macht sicher keinen Fehler. Diesen Verzicht beim eigenen (Dienst)-Wagen muss man indes nicht dokumentieren, schließlich kostet der Verzicht auf das Typschild bekanntlich nichts. (SP-X)






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