9. April 2013

Fahrbericht V8-Biturbo mit 560 PS Audi RS6 Avant: Der Über-Kombi

Der Audi RS6 Avant kommt im Sommer auf den Markt. Fotos ▶
Der Audi RS6 Avant kommt im Sommer auf den Markt. © Audi

Im Sommer ist es soweit. Dann schickt Audi den neuen RS6 Avant auf den Markt. Für einen Preis von 107.900 Euro bekommt der zahlungsfähige Kunde dann ein Auto mit 560 PS, das einen etwas fassungslos macht.




Von Frank Mertens

Wer beim neuen Audi RS6 Avant nur auf die reinen Zahlen schaut, wird enttäuscht sein. Schließlich kommt der neuen Hochleistungskombi der hauseigenen Quattro GmbH „nur“ auf 560 PS. Das sind 20 PS weniger als beim Vorgängermodell. Der RS6 Avant des Jahres 2008 mit seinem V10 Bi-Turbo bleibt damit weiterhin das stärkste Serienauto von Audi.

Doch die Zahlen- und Leistungsfetischisten unter den Audi-Kunden können beruhigt sein. Wer die ersten Meter mit dem neuen Modell der VW-Tochter zurückgelegt hat, wird eines nicht vermissen: zu wenig Leistung. Denn die 560 PS des 3993 ccm großen V8-Bi-Turbos sind bereits auf dem Papier eine Ansage. Vor allem aber sorgen sie für Erstaunen, wenn man nach Fahrtantritt etwas zu unbedacht aufs Gaspedal drückt.


Unbändige Kraftentfaltung

Dann nämlich erweist sich der Reisekombi als Vollblutsportler, so vehement wird man in die Sportsitze gepresst, dass man doch etwas erschrocken ist über eine derart unbändige Kraftentfaltung. Ein maximales Drehmoment von 700 Newtonmeter (das sind 50 Nm mehr als beim Vorgänger) ist halt nicht zu unterschätzen. Sie sorgen dafür, dass der zwei Tonnen schwere Über-Kombi mit der Achtgang-S-Tronic in gerade einmal 3,9 Sekunden auf Tempo 100 spurtet. Mit einer derartigen Beschleunigung wird man dann den einen oder anderen Besitzer eines Sportwagens einer Fremdmarke etwas ratlos und irritiert hinter sich lassen. Vor allem deshalb, weil der RS6 Avant dies mit einem gehörigen Maß an Understatement tut.

Das Cockpit im Audi RS6 Avant
Das Cockpit im Audi RS6 Avant © Audi

Doch was man ihm von außen nicht ansieht, verbirgt sich unter der wohlgeformten Karosserie. Hier ist alles auf Hochleistung ausgelegt – bis hin zu einem Sound, den man sonst nur von der Rennstrecke kennt. Wer jenseits der 150 km/h auf der Autobahn das Gaspedal noch ein wenig weiter zum Bodenblech drückt, der erlebt nochmals eine wahre Leistungsexplosion und kann bis Tempo 305 km/h seinen Hang zum Übermut freien Lauf lassen, so er sich diesen Adrenalinkick mit dem Dynamikpaket Plus erkauft hat. Für 12.900 Euro kann man sich dann auch jenseits der sonst üblichen Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h bewegen. Für diesen Preis gibt es dann auch noch Keramikbremsen dazu, immerhin.

Begeisternde Beschleunigungswerte

Natürlich hat eine solche Geschwindigkeit seinen Reiz. Doch wer ehrlich ist, der wird zugeben, dass man auf den vollen deutschen Autobahnen so schnell nicht wirklich unterwegs sein will. Die besondere Attraktivität des RS6 Avant liegt dann doch auch eher in seinen Beschleunigungswerten als im reinen Topspeed – und vor allem bei seiner exzellenten Fahrdynamik. Dank des serienmäßigen Allradantriebs liegt der RS6 Avant einfach souverän auf der Straße und sorgt bei seinem Fahrer für ein zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht.

Das Heck des RS6 Avant
Das Heck des RS6 Avant © Audi

Wer sich für ein solches Auto entscheidet, der weiß, dass der Fahrspaß auch mit einem entsprechenden Verbrauch verbunden ist. Im Vergleich zum Vorgänger ist der zwar um sage und schreibe 30 Prozent von 14 auf 9,8 Liter gesenkt worden, aber das sind Werte, die mit der realen Fahrsituation nichts zu tun haben. Wer es mit dem RS6 Avant flotter angehen lässt, der sieht dann auch mal locker 17 Liter auf dem Bordcomputer. Bei gemächlicher Gangart im Münchner Hinterland waren es dann aber auch schon mal 11,8 Liter – für ein Auto mit so viel Leistung ein exzellenter Wert.

Der Spaß, den RS6 Avant fahren zu können, beginnt übrigens bei 107.900 Euro. Rechnet man dann noch so Nettigkeiten wie das Dynamikplus-Paket, die Lederausstattung Valcona (8500 Euro) oder das Bang und Olufsen Soundsystem (6000 Euro) und die eine oder andere Kleinigkeit hinzu, kommt man locker noch einmal auf 30.000 Euro. Das ist ein Preis, für den sich andere Menschen einen Mittelklassewagen zulegen.






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