10. September 2012

Fahrbericht Durstiger Kleinstwagen VW Up: Nicht alles glänzt

Der VW Up ist recht teuer und durstig.
Der VW Up ist recht teuer und durstig. © VW

Ganz klar hat der VW Up nach seinem Marktstart die Spitze im Kleinwagensegment übernommen. Dabei ist der kleinste Wolfsburger weder ein Schnäppchen, noch ein sparsames Mobil.




Von Peter Eck

Über den VW Up wurde schon vor seiner Premiere Ende letzten Jahres viel geschrieben. Dem VW Konzern traut man halt im Moment wahre Wunderdinge zu. Und dann endlich – ein echter Kleinstwagen. Keiner aus brasilianischer Produktion wie noch der vor allem qualitativ enttäuschende Fox. Vielmehr ein echter Europäer mit den Qualitäten eines eine Klasse höher angesiedelten Fahrzeugs, mindestens. Soviel zu den Vorschusslorbeeren, wie sie fast überall zu lesen wahren. Wir steigen ein.


VW Up unter Spardruck

Im Innenraum umfängt uns ebenfalls viel Weiß, kein Wunder, hat uns Volkswagen doch das Spitzenmodell "White up" vor die Türe gestellt. Das Cockpit ist schön und routiniert gemacht. Aber Wunder kann selbst der zurzeit vielleicht erfolgreichste Autokonzern nicht vollbringen. Wenn man genauer hinschaut, sieht man den Spardruck überall.

So gibt es in dieser Ausstattung zwar elektrische Fensterheber, will der Fahrer aber die Seitenscheibe auf der rechten Seite betätigen, muss er sich schon hinüberbeugen, denn der zweite Schalter auf seiner Seite wurde eingespart. Nun, der Up ist - wie es sich für einen Kleinstwagen gehört - ein recht schmales Auto. Was in einer S-Klasse zum Problem würde, ist hier eine relativ leichte Übung. Aber: Bequem geht trotzdem anders. Gleiches gilt, wenn man im Dunkeln noch an den Kofferraum muss. Für eine Beleuchtung fehlte im Etat wohl schlicht das Geld.

Teure Preisstruktur beim VW Up

Im Innenraum des VW Up sieht man den Spardruck
Im Innenraum des VW Up sieht man den Spardruck © VW

Dabei fahren wir alles andere als ein Billigauto. Der dreitürige Up kostet mit dem etwas stärkeren Motor (55 kW/75 PS) mindestens 10.450 Euro – und das ist dann eine ziemlich nackte Angelegenheit. Unser gut ausgestatteter "White Up" ist dagegen schon eine ganz andere Welt. Leider auch preislich. Denn für die aufgerufenen 14.175 Euro habe ich noch vor wenigen Wochen einen Kia Ceed annonciert gesehen. Das alte Modell zwar, aber dafür gleich zwei Etagen höher in der Kompaktklasse angesiedelt; mit allem Schnick und Schnack und sieben Jahren Garantie. Soviel zur Preisgestaltung. Oder zur VW-internen Kostenstruktur. Der Wagen ist schlichtweg teuer. Und das ist ja wiederum nicht wirklich was Neues bei den Erbauern der sogenannten Volks-Wagen.

Was man mit dem VW Up allerdings richtig gut kann, und zwar tatsächlich besser als mit jedem anderen Fahrzeug seiner Klasse, ist: fahren. Wer nun einwendet, das wäre schließlich an einem Auto das Entscheidende, hat recht. Und unrecht zugleich, denn die Qualitäten des Up reichen weit über die Stadtgrenzen hinaus. Nur die wird ein normaler Up leider höchst selten verlassen. Und bei Tempo 20 in der Innenstadt ist jeder Chevrolet Aveo oder Hyundai i10 nicht viel schlechter.

Inaktzeptabler Verbrauch des VW Up

Hervorragendes Fahrwerk des VW Up
Hervorragendes Fahrwerk des VW Up © VW

Das fein abgestimmte Fahrwerk des Up, seine exakte Lenkung und die logische Bedienung sind auf der Landstraße tatsächlich eine Freude. Der 1,0-Liter-Motor hier in der Version mit 75 statt nur 60 PS ist sicher nicht schlecht, benötigt aber Drehzahlen, damit man zügig vorankommt. Da auch das hervorragende Fahrwerk immer wieder zu forscherer Fahrweise verleitet, als es dem Verbrauch gut tun, stand nach zwei Wochen unter dem Strich ein Verbrauch von 7,1 statt der versprochenen 4,5 Liter. Absolut inakzeptabel.

Davon abgesehen ist der Up als Alltagsauto sicher mindestens eines der besten, wenn nicht das beste Angebot im Kleinstwagensegment. Das Laderaumvolumen von 250 Litern ist für ein Auto von knapp 3,55 Metern schon mal in Ordnung. Richtig viele Pluspunkte sammelt der Volkswagen mit seinen tollen Sitzen, gerade weil in dieser Klasse ja sonst hier gerne gespart wird.

VW Up setzt auf Heimatmarkt

So hinterlässt der Up zu guter Letzt einen ähnlich zwiespältigen Eindruck, wie anderer VW-Modelle auch: Als Fahr-Zeug ist er in seinem Segment Spitze. In Bezug auf Detailausstattung, Anschaffungspreis und Verbrauch setzt er jedoch keine Maßstäbe. Auf genau das aber, so sollte man meinen, legt der Kleinstwagenkäufer gerade Wert. Zumindest in Deutschland scheint das jedoch nicht der Fall zu sein, denn auf seinem Heimatmarkt liegt der Up in den Verkaufsstatistiken souverän vorne. (SP-X)






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