12. März 2010

Fahrbericht VW Touareg Wertebewahrer contra Zukunftsträger

Die zweite Generation des Touareg
Die zweite Generation des Touareg © Foto: VW

Volkswagen bringt die zweite Generation des Touareg auf den Markt. Mit dem SUV starten die Wolfsburger nur theoretisch in das hybride Zeitalter. In der Praxis wird aber weiterhin der Diesel den Ton angeben.




Von Thomas Flehmer

Dass Volkswagen gerne Führungsrollen für sich in Anspruch nimmt, ist hinlänglich bekannt. Nicht zuletzt am Touareg entzündete sich Ende 2002 die Diskussion um sparsame Antriebe und Verbräuche. Das damals auf den Markt gekommene SUV aus Wolfsburg stand dabei im Fokus der Kritik. Acht Jahre später nimmt die zweite Generation des Touareg erneut eine exponierte Stellung ein. Mit dem 2,2 Tonner startet VW in das Hybrid-Zeitalter, sodass der VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg verkündet: "Der neue Touareg führt die SUV-Idee in die Zukunft."


200 Kilogramm leichter

Natürlich muss das Zusammenspiel zwischen Verbrennungs- und Elektromotor anders funktionieren als bei den Mitbewerbern. VW setzt auf den so genannten Parallel-Hybrid und hat beide Aggregate auf eine Welle gesetzt, die durch eine Trennungskupplung unabhängig voneinander arbeiten. So angelegt, kann der Touareg nicht nur auf dem Asphalt, sondern auch im Gelände sparsamer vorankommen.

Zugleich wurde das Gewicht des Zwillingsbruder vom Porsche Cayenne um 200 Kilogramm reduziert und die Karosserie flacher gestaltet. Bis zu 25 Prozent Kraftstoffeinsparung verspricht Hackenberg. Start-Stopp-System und rein elektrisches Fahren sollen den Verbrauch des 245 kW/333 PS starken Touareg auf 8,2 Liter Superbenzin verringern. Auf den ersten Kilometern bewegte sich der Verbrauch im zweistelligen Bereich bei sehr sorgfältiger Fahrweise. Sobald aber einmal das Gaspedal stärker heruntergedrückt wurde, kletterte der Verbrauch ebenso in die Höhe.

Änderung des Fahrverhaltens nötig

Bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h kann rein elektrisch gefahren werden. Und auch bei höheren Geschwindigkeiten wird der Verbrennungsmotor abgeschaltet, wenn der Fahrer vom Gas geht und der Sechszylinder geht in das so genannte Segeln über. Dabei rollt der Touareg deutlich länger ohne dass sich die Geschwindigkeit stark reduziert. Es ist interessant, so emissionsfrei unterwegs zu sein, doch um wirklich zu sparen müssen die Autofahrer ihr Fahrverhalten ändern.

Dass sich das Fahrverhalten ändert, wird sich aber noch hinziehen. Auch wenn VW bis 2018 die Marktführerschaft im Elektro- und Hybridbereich anstrebt, bleibt der Hybridantrieb beim Touareg zunächst ein Nischenprodukt. Um die fünf Prozent aller Touareg-Käufer sollen sich für einen Hybrid entscheiden, der mit 73.500 Euro fast 23.000 Euro über dem Einstiegs-Diesel liegt, der bei 50.700 Euro beginnt und laut VW 0,8 Liter weniger Diesel verbraucht und dabei lediglich 0,2 Gramm CO2 mehr pro Kilometer ausstößt als der Hybride, der natürlich besonders in Nordamerika sehr beliebt ist.

4Motion getoppt

Hierzulande wird der Selbstzünder mit Bluemotion-Technik das Volumen ausmachen. Die 176 kW/240 PS reichen vollkommen aus. 7,8 Sekunden benötigt das SUV bis Tempo 100 km/h, bis zu 218 km/h ist der Touareg schnell. Erstmals kommt in einem SUV eine Achtgang-Automatik zum Einsatz, die sehr unauffällig ihre Arbeit verrichtet und durch die zusätzlichen zwei Gänge im Vergleich zum Sechsgang-Getriebe des Vorgängers Drehzahlen reduziert und somit Kraftstoff einspart.

Aber auch sportlich lässt sich der dynamischer als sein Vorgänger gestaltete Touareg chauffieren. Das Fahrwerk ist optimiert worden, ist die knapp 3000 Euro teure Fahrdynamik mit adaptivem Wankausgleich mit an Bord, versprechen Kurvenfahrten eine Menge Spaß. Aber auch im Gelände gibt der Wagen eine gute Figur ab. Vierradantrieb ist von Haus aus an Bord, kann aber durch das Terrain-Tech-Paket auf 4XMotion getoppt werden. Dann ist ein Zentraldifferential mit elektrisch geregelter Lamellensperre und Geländeuntersetzung montiert, die eine Steigfähigkeit bis zu 45 Grad verspricht.

Keine Linie ohne Abschluss

Innen können die bis zu fünf Personen den Einsatz im Gelände genießen und dank dem 1130 Euro teuren Area View auch beobachten. Vier Kameras übertragen die Bilder auf den Touchscreen in der Mittelkonsole und zeigen die unmittelbare Umgebung des immerhin 1,94 Meter breiten Geländeboliden, die vom Fahrersitz nicht unbedingt zu sehen ist.

Aber auch ohne Gelände lässt es sich im deutlich aufgebesserten Innenraum aushalten. Bei den Materialien wurden auch Edelholz-Applikationen verwendet, hoher Wert wurde auch auf die Funktionalität gelegt. So kann man Platz nehmen und benötigt nur eine kurze Eingewöhnungszeit mit den Knöpfen und Schaltern. Die zwischen 2210 und 5305 Euro teuren Ledersitze geben viel Halt, Platz ist eh vorhanden. Auch hinten kommen keine Beklemmungsgefühle auf. Die Rückbank kann sogar um 16 Zentimeter verschoben werden. Lümmeln kann man also. Doch diese Verhaltensweise passt nicht zur neuen Touareg-Generation, die edler geworden ist und das zuvor Grobschlächtige oder Protzige abgelegt hat. Die Scheinwerfer tragen neue Lichtsignaturen, sodass der Touareg auch im Dunkeln gleich als VW erkannt werden kann. "Es gibt keine Linie ohne Anschluss", sagt Klaus Bischoff, der Leiter Design.

Traditionell lange Aufpreisliste

Klare Linien gibt es traditionell bei der Aufpreisliste. Neben den bereits aufgezählten Gimmicks sind je nach Geldbeutel auch noch die Automatische Distanzregelung ACC für 3125 Euro, die Rückfahrkamera mit Distanzkontrolle für 1220 Euro oder der Lane Assist für 515 Euro erhältlich. Aber auch mit einer 1900 Euro teuren Differenzialsperre an der Hinterachse sowie der 2575 Euro teuren Luftfederung oder einem Radio-Navi für 2265 Euro sowie Xenon-Scheinwerfern für 1430 Euro kann der Touareg ausstaffiert werden. Und die Liste lässt sich weiter fortsetzen.

Während zum Marktstart noch ein 4,2 Liter großer Achtzylinder-Diesel für 70.600 Euro im Angebot steht, wird im November der Einstieg mit einem 205 PS starken Benziner komplettiert. Auch das ist für VW dann ein Schritt in die neue SUV-Zukunft, in der ein Hybrid keine große Rolle spielen wird.






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