26. Oktober 2010

Fahrbericht VW Passat VW Passat: Helfender Tritt in den Hintern

Der neue Passat ähnelt dem Alten, ist aber wahrlich verbessert
Der neue Passat ähnelt dem Alten, ist aber wahrlich verbessert © Foto: VW

VW siedelt die siebte Generation des Passat nah an die Oberklasse an. Vollgestopft mit Sicherheits-Assistenten präsentiert sich der Neue wie der Alte - nur besser und sparsamer.




Von Thomas Flehmer

Der Tritt in den Hintern wird häufig als Weckinstrument interpretiert. Auch bei manchen Autofahrern ist ein solcher Tritt in Richtung hintere Stoßstange öfters zu beachten. Doch während der ein oder andere aus Verärgerung über sein defektes Fahrzeug den mobilen Untersatz mit dem Tritt in den Allerwertesten quittiert, bremst beim ab 12. November erhältlichen VW Passat der Fuß schnell ab, dafür öffnet sich der Kofferraumdeckel und man kann die Kiste Wasser, Bier, Wein oder sonstiges in den bis zu 1731 Liter fassenden Laderaum stellen, ohne vorher den Schlüssel benutzt zu haben.


Design-DNA übertragen

Hellwach zeigten sich die Ingenieure und Manager aus Wolfsburg, als der neue Passat kreiert wurde. Aber das mussten sie auch, schließlich droht mit dem seit Anfang des Jahres auf dem Markt befindlichen Skoda Superb Combi eine ernsthafte Konkurrenz aus dem eigenen Haus. Um sich von dem tschechischen Ableger wieder etwas zu distanzieren, wurde zum einen die Limousine im Hinblick auf Firmenkunden in Deutschland attraktiver herausgeputzt, zum anderen die gesamte Baureihe auf einen höheren Standard gehievt.

Denn viel hat sich sonst nicht getan. Die Form von Limousine und dem Variant genannten Kombi wurde beibehalten, die Front erhielt die Design-DNA, die seit dem Golf VI bei der gesamten Modellpalette angelegt wurde. Die Motorhaube ist es stärker konturiert, aber dann war es das auch schon.

4,2 Liter Diesel auf 100 Kilometern

Ebenso kommt einem der Innenraum bekannt vor, der auch der Golf-Erneuerung von vor zwei Jahren geschuldet ist. Hier wurden ebenso wie beim Kompaktklassiker die Materialien höherwertiger, die Geräuschdämmung minimiert. Wenn Christian Klingler von der Annäherung an die "Oberklasse" spricht, kann man dem Vertriebs- und Marketingvorstand nur beipflichten.

Denn ganz entspannt lassen sich Limousine und Variant steuern - selbstredend mit den bereits bekannten Antrieben zwischen 77 kW/105 PS und 155 kW/210 PS, die aber mit Bluemotion Technology den Verbrauch noch weiter senken und mit 109 Gramm CO2-Ausstoß auf einem Kilometer - umgerechnet 4,2 Liter Diesel auf 100 Kilometern beim 1.6 TDI - ein Ausrufezeichen setzen.

19 Assistenzsysteme an Bord

Wie beim Golf bleiben auch beim Passat Motoren- und Windgeräusche außen vor. Zudem bieten Fahrwerk und Lenkung dank adaptiver Fahrwerksregelung für jeden Geschmack etwas. Schaltet der Fahrer auf Komfort so werden Dämpfer und Lenkrad spürbar schwammiger. Ansonsten ist die Lenkung direkt und das DSG zieht den 1.8 TSI innerhalb von 8,5 Sekunden in Richtung Tempo 100 km/h. Da schlägt nicht nur das Vertreterherz höher.

Doch die Fahrleistungen sind im Passat zweitrangig, da sie in jedem VW derzeit ein absolut gutes und verbrauchssparendes Fortkommen garantieren und deshalb auch in den diversen tschechischen und spanischen Derivaten zum Einsatz und dort für Wettbewerb sorgen. Um sich von der Konkurrenz im eigenen Haus abzusetzen, wurden gleich 19 Assistenzsysteme verbaut, die - voraus gesetzt, es befindet sich genug Geld im Portemonnaie - den Abstand zu den Premium-Fahrzeugen in der Tat verringern.

Spät eingreifender Bremsassistent

Neben einem Müdigkeitswarner setzt Volkswagen erstmals ein so genanntes City-Notbremssystem ein. Zwischen fünf und 30 km/h erkennt das System stehende und bewegliche Dinge vor dem Fahrzeug und greift zur Not auch aktiv in den Bremsvorgang ein. Im dichten Verkehr von Barcelona funktionierte das sehr spät agierende System tadellos, nachdem zunächst eigene Bremsmanöver den Assistenten mangels Vertrauen zur Beschäftigungslosigkeit verurteilt hatten.

Beim Abstandstempomat ACC greift der Bremsassi bis zu einer Geschwindigkeit von 210 Stundenkilometern ein, allerdings nur bei sich bewegenden Objekten. Die Fahrt gegen die Mauer klappt also auch weiterhin. Verbessert wurde der Parkassistent, der nicht nur quer, sondern auch längst einparkt und den Wagen auch wieder eigenständig aus der Lücke herausfährt.

Günstiger Tritt in den Hintern

Doch die ganzen sinnvollen Sicherheitshelfer haben natürlich auch ihren Preis. Nur wenige Systeme stehen serienmäßig zur Verfügung, und wenn, dann erst in den höheren Ausstattungslinien. So muss sich der Fahrer für den Einstieg in das neue Passat-Erlebnis mit dem 1.4 TSI mit 90 kW /122 PS bei 24.425 Euro mit der neuen Design-DNA begnügen. Der 2.0 TDI mit 103 kW/140 PS kostet bereits 28.025 Euro, der 1.8 TSI mit 118 kW/160 PS weitere 1200 Euro mehr.

Erfreulich günstig ist dabei der Tritt in den Hintern des Passat, der um die 100 Euro kosten wird. Aber derzeit nur bei der Limousine. Bei der weit zu öffnenden Heckklappe des Kombis wird - vor allem in Hinblick auf den USA-Markt - derzeit mit der Rechtsabteilung bei VW verhandelt. Technisch ist auch dort das einfache Öffnen möglich, nur muss angesichts des weiten Öffnens der Klappe , bei der einem Amerikaner die Plastikflaschen gegen die Nase geschleudert werden könnte, gleich mit einer Millionenklage gerechnet werden. Dem will VW aus dem Weg gehen, um nicht über die Hintertür einen Tritt in den Hintern zu erhalten.






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