18. September 2008

Fahrbericht VW Passat CC 1.8 TSI Vertreter-Träume

Der VW Passat CC
Der VW Passat CC © Foto: press-inform

Der gemeine VW Passat gilt gemeinhin als Dienst- oder Firmenwagen, zumeist ein sparsamer Diesel mit Sparausstattung. Doch es geht auch eleganter. Der Passat CC ist ein wahrer Augenschmeichler mit Alltagsqualitäten.




Von Stefan Grundhoff

Vor Jahren ein undenkbares Phantasiegebilde: Eine schmucke Limousine, chic gezeichnet - daher ungemein sehenswert und ein reiner Viersitzer. Die Scheiben haben keine Rahmen und die Seitenlinie - gezeichnet von Oliver Stefani - kann als eine der schönsten in der aktuellen Limousinenlandschaft bezeichnet werden. Nicht so, als könnte man sich ein derartiges Auto nicht vorstellen. Doch nicht Audi, BMW, Alfa Romeo oder Citroen kreierte diesen individuellen Viersitzer, sondern Volkswagen und nannte ihn zudem noch Passat CC. Bei einem derartigen Schmuckstück kann man über Nebensächlichkeiten wie ein signifikantes Abkupfern beim Mercedes CLS oder den sinnfreien Namen CC getrost hinwegsehen.


Sehenswerte Formen

Das 4,80 Meter lange Passat Coupé, und nur so dürfte er trotz seiner vier Türen an sich genannt werden, ist viel mehr als der schönste Passat, den es je gab. Vorbei die müde Tristesse der normalen Passat-Limousine oder gar des ordentlichen, aber alles andere als eleganten Passat Variant. Unter dem Blechkleid des CC gibt es nicht mehr und nicht weniger als beim normalen Passat. Fahrwerk, Lenkung, Motor und Getriebe sind gewohnt souverän und über jeden Zweifel erhaben.

Dabei ist der CC im Gegensatz zu seinem schnöden Bruder von der Stange ein Augenschmeichler mit weichen, sehenswerten Formen, einem beeindruckenden Gesicht und einem nicht weniger grazilen wie kraftvollen Heck. Nicht erinnert an die erfolgreiche Mittelklasse-Limousine mit behäbigem Vertretercharme, die sich hinter den modernen Formen verbirgt.

Überzeugender Reisekomfort

Reisekomfort garantiert
Reisekomfort garantiert © Foto: VW

Das Beste: der Passat CC sieht nicht nur bei der Fahrt zur repräsentativen Abendveranstaltung oder der Lifestyle-Wochenendgestaltung klasse aus. Auf längeren Strecken bietet er überzeugenden Reisekomfort, genügend Platz für bis zu vier Personen, ein geringes Geräuschniveau und einen gigantischen Kofferraum. 532 Liter schluckt der Laderaum, der sich hinter der lässig aufschwingenden Kofferraumklappe verbirgt. Die hohe Ladekante erschwert den Transport ebenso wie die nicht allzu breite Klappe. Doch wer die Rückbank umklappt, der kann wenn gewünscht lange Gegenstände durchstoßen und die 490 Kilogramm so deutlich flexibler ausnutzen. Auch der Passat ist in erster Linie eines - ein Passat.

Und gerade in der Variante 1.8 TSI zeigt der Wolfsburger, dass es in einem Passat nicht obligatorisch ein Dieselmotor sein muss. Das Topmodell mit 3,6 Liter großem Direkteinspritzer und 221 kW / 300 PS, Allradantrieb und Doppelkupplung ist für ungemein faire 40.800 Euro eine echte Versuchung. Doch bereits der gemeinsam von Audi und Volkswagen konzipierte Einstiegs-Vierzylinder mit einfacher Turboaufladung tut sich leicht mit dem 1,45 Tonnen schweren Fronttriebler. Der Schub von 118 kW / 160 PS und 250 Nm Drehmoment ist ausreichend, um standesgemäß unterwegs zu sein. Das maximale Drehmoment ist nicht derart beeindruckend wie bei den neuen Commonrail-Dieseln, steht aber ebenfalls bereits ab 1.500 Touren zur Verfügung. Leider bleibt dieser Variante ein Doppelkupplungsgetriebe vorenthalten.

Schaltfaul fahren

Schöne Seitenlinie
Schöne Seitenlinie © Foto: press-inform

Doch dank Drehmoment und sanft laufendem Turbo-Einspritzer kann man mühelos auch einmal schaltfaul fahren. Das manuelle Getriebe könnte knackiger sein; enttäuschen wird es den Piloten nicht. Wer es nicht zurückhaltend möchte, schafft den Spurt 0 auf 100 km/h in gemessenen 8,9 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 224 km/h.

Wem das nicht reicht, muss zum Sechszylinder oder dem 200 PS Turbo-Benziner greifen. Der ist zwar mit optionaler Automatik, jedoch nicht mit dem empfehlenswerten 4Motion-Antrieb zu bekommen. Daher kann man auch gleich beim 1.8 TSI bleiben. Im Praxistest gab sich der Passat mit 8,9 Litern Super auf 100 Kilometern zufrieden und lag damit knapp eineinhalb Liter hinter der in Aussicht gestellten Werksangabe.

Ärgerliche Aufpreispolitik

Der 1.8 TSI-Motor
Der 1.8 TSI-Motor © Foto: press-inform

Der eine wie der andere Motor macht im Passat Coupé einen guten Eindruck. Im Gegensatz zum Fahrer dürften sich die meisten anderen Passagiere daher in erster Linie für den Innenraum interessieren. Dank 2,71 Meter Radstand gibt es genügend Beinfreiheit für die beiden hinteren Passagiere. Und da im Fond wohl kaum regelmäßig Hünen transportiert werden, kann man sich auch mit der geringen Dachlinie (maximale 1,42 Meter) anfreunden, die zwangsläufig Einschränkungen bei der Kopffreiheit nach sich zieht. Die gehört bei einem viertürigen Coupé wie Mercedes CLS, Maserati Quattroporte oder Passat CC einfach dazu. Doch alle vier Sitze sind bequem, die Materialien bekannt hochwertig.

Jedoch ist die Serienausstattung allzu dünn. Ein ärgerliches Indiz dafür, dass man mit dem Passat CC an die Tür der Premiumliga anklopfen will. So ärgert es, dass Selbstverständlichkeiten wie Reifendruckkontrolle (165 Euro), Tempomat (205 Euro), Nebelscheinwerfer (155 Euro) oder gar eine geteilt umklappbare Rückbank (195 Euro) in diesem Segment noch Aufpreis kosten.

Träume bleiben

Einladung zum Träumen
Einladung zum Träumen © Foto: press-inform

Serienmäßig bleiben immerhin die komplette Sicherheitsausstattung, Sportsitze, Klimaanlage und 17 Zoll große Alufelgen. Sinnvolle Extras sind zumindest Klimaautomatik (435 Euro), Navigationssystem (ab 2.575 Euro), Einparkhilfe (520 Euro), Xenonlicht (1.320 Euro) und das Winterpaket (285 Euro) mit Sitzheizung. Schönheit hat bekanntlich auch für einen VW Passat ihren Preis. Der startet für den Passat CC 1.8 TSI bei fairen 30.300 Euro.

Der 40 PS stärkere Zweiliter-Turbo verbraucht kaum mehr, kostet aber überflüssige 2.675 Euro mehr. Soll es doch ein Diesel sein, so sollte man sich für den 170 PS starken 2.0 TDI mit Direktschaltgetriebe entscheiden, der jedoch bereits 34.825 Euro kostet. Keine Frage: trotzdem werden von dieser Kombination viele Geschäftswagenfahrer träumen.






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