23. April 2009

Fahrbericht VW Passat 1.8 TSI Schnelle Hausmannskost

Typischer VW-Innenraum
Typischer VW-Innenraum © Foto: Press-Inform

In der SUV-Welle wirken Kombis manchmal uncool, doch unterm Strich bieten sie deutlich mehr Nutzwert. In der Mittelklasse gibt der Passat Variant den Ton an. Als TSI schafft er den Spagat zwischen Fast Food und Futtern wie bei Muttern.




Von Sebastian Viehmann

Gäbe es einen Wettbewerb der Automarken darin, hinter welchem Steuer man sich am schnellsten zuhause fühlt - es stünde bestimmt ein VW auf dem Treppchen. Die Wolfsburger verschonen ihre Kunden mit allem Unerwarteten. Das Passat-Cockpit unterscheidet sich letztlich wenig vom Golf, es ist vor allem größer. Und zwar deutlich - auch gut genährte Fahrer können es sich hinter dem Volant in alle Richtungen bequem machen, und der Beifahrer-Fußraum bietet auch neben einem Einkaufskorb noch genug Platz zum Ausstrecken.


Gute Sicht nach hinten

Praktische Ablagen wie die zwei Schublädchen im Armaturenbrett oder die Mittelkonsole mit den ausklappbaren Becherhaltern erhöhen die Wohnqualität. Im Fond ist reichlich Platz für alle Mitreisenden. Im Gegensatz zu manchen Kombi-Konkurrenten ist im Passat beim Rückwärtsfahren und Spurwechsel die Übersicht nach hinten ganz ordentlich - manchmal zahlt es sich eben aus, nicht alles dem Diktat des dynamischen Designs zu unterwerfen.

Auch beim Laderaum gibt der Passat in der Mittelklasse den Ton an. 603 Liter schluckt sein Gepäckabteil. Zum Vergleich: Der Opel Insignia Sports Tourer schafft 540 Liter, der Ford Mondeo Turnier 554 Liter, der Renault Laguna Grandtour 508 Liter, der Skoda Octavia Combi 580 Liter und der Mazda 6 Kombi 519 Liter. Wenn man die Rücksitze umklappt, stehen im Passat maximal 1731 Liter zur Verfügung - da können nur wenige Kombis wie das T-Modell der E-Klasse, der Opel Vectra Caravan oder der Dacia Logan MCV (2350 Liter) mithalten. Zudem verfügt der Wolfsburger über eine sehr breite und tiefe Ladekante und einen optimal nutzbaren Raum. Seitlich stehen noch zwei offenen Fächer für Einkaufstüten oder Kleinkram zur Verfügung. Über einen Taste in der Fahrertür lässt sich die Heckklappe entriegeln.

Leichte Bedienung

Typischer VW-Innenraum
Typischer VW-Innenraum © Foto: VW

Die Bedienung des Passat geht gewohnt leicht von der Hand, doch manchmal Stellen bekommt das positive Bild kleine Risse. Beim Navigationssystem zum Beispiel hat Erzrivale Opel die Wolfsburger mittlerweile rechts überholt. VWs farbenprächtiges System ist übersichtlich, funktionsreich und leicht bedienbar, doch die Mischbedienung mit Tasten und Touchscreen ist während der Fahrt nicht sehr bequem. Beim Opel Insignia hinterlässt das Fernbedienungssystem mit Drehregler an der Mittelkonsole einen besseren Eindruck.

Aus der Typenbezeichnung hat VW mittlerweile den Hubraum verbannt, auf der Heckklappe der Turbo-Benziner ist nur noch der Schriftzug TSI zu lesen. Der Vierzylinder-Turbo-Direkteinspritzer mit 118 kW / 160 PS mit 1,8 Litern Hubraum liegt bei der Leistung im Mittelfeld zwischen dem 1.4 TSI (122 PS) und dem 2.0 TSI (200 PS). Da der Passat mit 1,5 Tonnen nicht übermäßig schwer ist - erst bei voller Zuladung (671 Liter) überspringt er deutlich die 2-Tonnen-Marke - lässt er sich mit 180 Turbo-PS sehr flott bewegen. Der Motor spricht verzögerungsfrei auf alle Befehle am Gaspedal an, das maximale Drehmoment von 250 Newtonmetern steht schon weit unter 2000 Touren zur Verfügung. In Verbindung mit dem präzisen Sechsganggetriebe bietet der Turbo-Passat eine Menge Fahrspaß und genügend Reserven beim Überholen.

Kein Sparmeister

Leichte Bedienung für zügiges Vorankommen
Leichte Bedienung für zügiges Vorankommen © Foto: VW

VW verspricht einen Durchschnittsverbrauch von 7,8 Litern pro 100 Kilometer. Unser Testverbrauch lag im Drittelmix bei 8,4 Litern. Außerorts kann man den Durst bei sparsamer Fahrt auf unter sieben Liter drücken, bei hohem Tempo sind es dagegen zehn Liter und mehr.

Das Fahrwerk schluckt Schläge und Bodenwellen gut weg. Für 1025 Euro Aufpreis hat der Passat eine aktive Fahrwerksregelung an Bord, mit der man die Fahrwerkseinstellung per Knopfdruck in die Betriebsarten Sport, Comfort oder Normal schalten kann. Einen wirklichen Gewinn bringt das System nicht - allenfalls bei hohem Tempo auf der Autobahn bringt die Sport-Stellung etwas mehr Ruhe ins Fahrwerk, das aber auch im normalen Modus eher straff abgestimmt ist und nur wenig Wankbewegungen der Karosserie zulässt.

Verlockender Einsteiger

Sehr geräumig
Sehr geräumig © Foto: VW

Die Preise des Passat Variant 1.8 TSI starten bei 28.550 Euro (Trendline), in zweiten Ausstattungsstufe Comfortline sind es 29.650 Euro. Das ist weniger, als Opel für den vergleichbaren Insignia Sports Tourer 1.6 Turbo Edition aufruft (180 PS, 31.245 Euro).

Der Preisunterschied relativiert sich allerdings schnell, denn beim Opel ist auch das DVD-Navigationssystem serienmäßig an Bord. VW lässt sich sein System mit 2575 Euro bezahlen. Den TSI-Motor des Passat bekommt man übrigens auch im Skoda Octavia Combi (mit Elegance-Ausstattung 25.730 Euro) und im Audi A4 Avant (ab 31.250 Euro).






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