3. Oktober 2012

Fahrbericht Marktstart am 10. November VW Golf VII: Ziemlich bester Freund

Der neue VW Golf VII bietet überzeugende Fahrleistungen.
Der neue VW Golf VII bietet überzeugende Fahrleistungen. © VW

Der VW Golf rollt im November zu den Händlern. Für den Wolfsburger Autobauer ist der Golf nicht irgendein Auto im Portfolio. Er ist schlicht das wichtigste Modell. Was der Golf VII zu bieten hat, zeigt unser Fahrbericht.




Von Frank Mertens

Da steht er nun, der VW Golf VII. Und wenn ein Auto wie dieses vorgestellt wird, dann gibt sich auch VW-Chef Martin Winterkorn die Ehre. Denn der Golf ist und bleibt nun einmal das wichtigste Auto im VW-Konzern, wie der Manager am Dienstagabend bei der Fahrpräsentation in Porto Cervo auf Sardinien wissen ließ. 29 Millionen Verkäufe seit dem Golf I im Jahr 1974 sind halt eine Hausnummer.

Der neue Golf sei zwar nicht nur der schönste, der grünste, sondern auch der beste Golf aller Zeiten. Bei VW spricht man gern im Superlativ, darunter macht man es nicht. Doch trifft das auch zu? Nun ja: Zunächst einmal ist der Golf ein Golf geblieben. Wer ihn mit seinem Vorgänger, dem Golf VI vergleicht, der muss schon sehr genau hinschauen, um die Unterschiede zu erkennen.


Ausbund an Beständigkeit

Da mag VW-Designer Klaus Bischoff auch noch so eloquent über die äußeren Reize des Golfs erzählen, große Überraschungen bereitet dieser Golf seinem Betrachter nicht. Aber vielleicht ist es ja genau das, was den Erfolg des Golf ausmacht: Er ist ein Ausbund an Beständigkeit. Man sieht ihn, man erkennt ihn und man freundet sich mit ihm an. Polarisieren sollen doch andere Hersteller, der Golf ist Mainstream. Und wer Mainstream ist, polarisiert nicht – auch dieser Golf nicht. Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg bringt es dann auf den Punkt, in dem er sagte, dass der Golf ganzheitlich gesehen überlegen sein muss. Da mögen andere Hersteller vielleicht das emotionalere Design aufweisen. Doch in Summe kommt das Beste vom Besten eben doch aus Wolfsburg.

Der Innenraum im VW Golf VII
Der Innenraum im VW Golf VII © VW

Klar, natürlich sei es wichtig gewesen, dass der Verbrauch durchschnittlich um 14 Prozent im Vergleich zum Vorgänger reduziert wurde, natürlich ist es wichtig, dass das Gewicht um bis zu 100 Kilogramm wie beim 1.4 TSI mit Zylinderabschaltung gesenkt wurde, doch es gibt noch Wichtigeres: ein Golf muss intuitiv sein. Man setzt sich rein – und es passt. Dort wo man die Sonnenbrille erwartet, so sagt Hackenberg, ist die Sonnenbrille auch zu finden.

Und bei allen Superlativen, zu denen die VW-Verantwortlichen neigen, muss man ihnen Recht geben: Dieses Auto verschreckt den Fahrer nicht: er setzt sich rein und fühlt sich wohl. Wer noch nie in einem VW Golf unterwegs war – kein Problem.

Neue Sitze mit AGR-Siegel

Er findet auf Anhieb alles, was er sucht – und noch viel mehr: Dieses Auto vermittelt einen Wohlfühlfaktor. Die Sitze sind bequem und verfügen nun auch über das Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken. Richtig, das haben Sie schon einmal gehört – von Opel nämlich. Dort setzt man bereits seit längerer Zeit auf ausgereiftes Sitzmaterial mit diesem Gütesiegel. Nun ist dies auch bei VW angekommen. Ansonsten findet sich im neuen Golf viel Liebe zum Detail, dass man erst erkennen beziehungsweise sich erklären lassen muss, so ist das halt mit Details.

Dazu gehört beispielsweise ein Schalthebel, der um zwei Zentimeter höher ist als beim Vorgänger. Das fällt nicht auf den ersten Blick auf, aber man schaltet so komfortabler. Noch ein kleines Detail gefällig? Gern: Das Warndreieck ist beispielsweise in den Heckdeckel integriert worden. So muss man im Falle einer Panne nicht erst den kompletten Kofferraum ausräumen, um ans Warndreieck zu kommen. Da mag man den Wolfsburgern noch so wenig Mut beim Design vorwerfen, aber was heißt das schon? Dieses Auto leistet sich schlicht keine großen Schwächen. Ganz im Gegenteil: Im Vergleich zum Vorgänger bietet er einen deutlichen Mehrwert: So ist er mit 4,25 Meter gleich um 5,6 Zentimeter länger geworden, der Radstand wuchs um 5,9 Zentimeter auf 2,64 Meter.

VW Golf VII verfügt über 380 Liter Kofferraumvolumen

Die Seitenlinie des VW Golf VII
Die Seitenlinie des VW Golf VII © VW

Und da auch die Vorderräder um 4,3 Zentimeter nach vorne wanderten, haben nun auch die Passagiere im Fond mehr Platz. Genauer gesagt: Die Kniefreiheit wuchs um 1,5 Zentimeter. Das hört sich nicht viel an, ist es aber. So sitzen die Fondpassagiere auch mit einer Körpergröße von 1,91 Metern sehr bequem, selbst genügend Kopffreiheit ist vorhanden. Bleiben wir noch kurz beim Raumkonzept: Hier können sich die Käufer des neuen Golf nun über ein Gepäckraumvolumen von 380 Liter freuen, ein Zuwachs von satten 30 Litern im Vergleich zum Vorgänger. Wer in diesen Golf einsteigt, wird angetan sein von der Wertigkeit der Materialien – da glaubt man, in einem Auto oberhalb des Kompaktklasse-Segments unterwegs zu sein. Die Materialien sehen dabei nicht nur gut aus, man packt sie auch gern an.

Doch kommen wir dazu, wie sich der neue Golf nun fährt, dessen Einstiegspreis für den 1.2 Liter TSI mit 85 PS bei 16.975 Euro beginnt. Übrigens der gleiche Einstiegspreis wie beim Vorgänger, obwohl der neue Golf über das Sperrdiffenzial XDS, ein Start-Stopp-System, eine Parkbremse oder ein Reifendruck-Kontrollsystem verfügt. Dafür stand der 1.4 TSI mit 140 PS zur Verfügung, der mit 22.525 Euro beginnt und der über die dynamische Zylinderabschaltung verfügt. Das heißt, dass er die Zylinder zwei und drei je nach Fahrmodus abschaltet und so nur noch mit zwei Zylindern unterwegs ist. Im Durchschnitt bringt das eine Verbrauchsersparnis von 0,5 Litern.

VW Golf VII 1.4 TSI mit 250 Nm

Die Zylinderabschaltung geschieht so unmerklich, dass man schon auf die Anzeige im Display schauen muss, ob man nun mit zwei oder vier Zylindern unterwegs ist. Das Aggregat verrichtet seine Sache so souverän, dass man mit ihm durchaus locker im fünften Gang bei 1500 Touren dahingleiten kann, ohne dass man das Gefühl haben müsste, der Motor hätte damit so seine Mühe. Das maximale Drehmoment dieses Motors liegt bei 250 Nm, das zwischen 1500 und 3500 Umdrehungen parat steht. In 8,4 Sekunden beschleunigt man im 1.4er TSI auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 212 km/h erreicht.

Doch die Spitzengeschwindigkeit ist das eine, die Fahrdynamik das andere: und hier verdient sich der Golf Bestnoten. Auch wenn es abgegriffen klingt: dieser Golf fährt wie auf Schienen, so souverän liegt er selbst bei schneller Kurvenfahrt auf der Straße. Man muss sich schon sehr bemühen, um den Golf dazu zu bringen, dass er durch ESP wieder auf die rechte Spur gebracht wird. Als Verbrauch wird für den 1.4 TSI 4,7 Liter angegeben. Bei den Testfahrten zeigte der Bordcomputer bei indes flotter Fahrweise 6,9 Liter an, ein trotzdem guter Wert.

3,2 Liter-Golf im kommenden Jahr

Das Heck des VW Golf VII
Das Heck des VW Golf VII © VW

Wer noch mehr mehr Sprit sparen will, der muss sich für den 110 PS starken TDI BlueMotion entscheiden, der indes erst im Frühjahr des kommenden Jahres auf den Markt kommt. Er soll sich mit gerade einmal 3,2 Litern begnügen. Schade, dass VW diesen Spritspar-Golf nicht bereits zum Marktstart im kommenden Monat im Angebot hat. Bis zum nächsten Jahr warten muss man beispielsweise auch auf eine Erdgasversion oder einen Plug-in-Hybrid. Kritik daran hatte es bei der Weltpremiere des Golf in Berlin von Greenpeace gegeben.

Natürlich bietet dieser Golf alle Nettigkeiten, die das Fahren noch angenehmer machen. Dazu gehört ein Sechs- bzw. Siebengang-DSG. Mit ihm schaltet es sich so souverän, dass es zu einer wahren Freude wird. Getrübt wird diese Freude indes vom Aufpreis von 1875 Euro. Ohnehin muss man tief in die Tasche greifen, wenn man sich seinen Golf etwas aufhübschen will. Das Einstiegsnavi kostet beispielsweise 410 Euro, für das Highend-Navi, das Discover Pro, werden selbstbewusste 2725 Euro aufgerufen.

Wer dann noch Lust auf Fahrassistenzsysteme wie beispielsweise Spurwechselassistent, automatische Distanzregelung oder Verkehrszeichenerkennung hat, kann dafür nochmals etliche Hunderter auf den Tisch des Händlers legen. Mit diesen Ausstattungsfeatures kommt man dann locker auf einen Preis von über 30.000 Euro. Damit ist dieser Golf zwar alles andere als ein Volkswagen, doch am Erfolg des 7er wird dies nichts ändern. Dafür ist das Produkt in seiner Ganzheitlichkeit einfach zu stimmig.






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