9. Mai 2007

Fahrbericht Golf Variant: Längster Golf aller Zeiten

Der VW Golf Variant
Der VW Golf Variant © Foto: Werk

Volkswagen bringt die dritte Generation des Golf Variant auf den Markt. Besonders die Gewerbe- und Flottenkunden können sich nun an einer gestylte Mischung aus Alltags- und Nutzfahrzeug erfreuen.




Von Thomas Flehmer

Volkswagen hat sich wieder Zeit gelassen. Acht Jahre nach der letzten Auflage haben die Wolfsburger den Golf Variant aufgefrischt. Der Kombi-Golf der dritten Generation, die ab dem 1. Juni zur Verfügung steht, ist dabei mit dem Trend gewachsen. «Es ist der längste Golf aller Zeiten», sagte Thomas Bentes, Leiter Produktmarketing, bei der Präsentation in Wolfsburg. Und die Bürde für den Variant ist dabei sehr hoch. Doch die ersten Testfahrten zeigten, dass der Wagen den Erfolg der Vorgänger fortsetzen kann.


Zwei Drittel Geschäftskunden

Bisher wurde der Wagen seit seiner Einführung 1993 1,2 Millionen Mal in Deutschland verkauft, in Westeuropa laufen jährlich rund 650.000 Modelle vom Band. Dabei sind 65 Prozent aller Käufer Gewerbetreibende, die den Variant unter der Woche als Geschäftsauto, am Wochenende als Familienkutsche benutzen.

Um den Anreiz zu erhöhen hat VW besonders beim Design Hand angelegt. Während die Front das typische VW-Gesicht aufweist, erfolgten die wesentlichen Veränderungen im hinteren Bereich. Anstatt ein kantiges Heck anzubieten, verleiht die D-Säule dem Kombi ein deutlich sportlicheres Aussehen als beim Vorgänger. Die dynamischen Linien werden durch die großen Heckleuchten unterstrichen, die weit in die Seitenlinie hineinreichen. Nicht ganz VW-typisch, aber trotzdem ein Volkswagen.

Platz für Europalette

Dynamisches Heck
Dynamisches Heck © Foto: Werk

Neben dem dynamischen Aspekt wurde Wert auf Praktikabilität gelegt. Um ganze 15,9 Zentimeter auf 4,56 Meter in der Länge ist der Variant angewachsen. Auch der Radstand wuchs um 6,3 Zentimeter auf nunmehr 2,58 Meter an. Das bietet nicht nur Fahrer und Beifahrern genügend Platz, sondern schafft auch Raum für sperrige Sachen. 560 Liter stehen zu Beginn zur Verfügung, werden die Sitze umgeklappt sind es 1550 Liter.

Optional kann dabei die Beifahrersitzlehne umgeklappt werden, sodass eine durchgehende Ladefläche entsteht. Sollte eine Europalette untergebracht werden - kein Problem. 57 Zentimeter muss diese angehoben werden, um dann im Kofferraum Unterschlupf zu finden. Im Gepäckraumboden können zuvor Kleinteile untergebracht werden. Bis zu 629 Kilogramm können zugeladen werden.

Schlapper Einstiegsbenziner

Viel Platz im Kofferraum
Viel Platz im Kofferraum © Foto: Werk

Für den von uns gefahrenen Einstiegsbenziner mit 75 kW/102 PS bedeutet die Zuladung des 1,2 Tonners dabei allerdings eine Menge Arbeit. Bereits im Leergewicht mit zwei Personen ist Schnelligkeit nicht die Stärke des Kombis. Für den Sprint bis zur 100 km/h-Marke benötigt der Benziner 12,3 Sekunden.

Lediglich 148 Nm, die erst bei 3800 U/min anliegen, stehen dabei zur Verfügung. Sicher, im Leerzustand eine solide Maschine, der allerdings der sechste Gang fehlt, wenn man sich bis zur Höchstgeschwindigkeit von 184 km/h herantastet. Deshalb sind 7,4 Liter Superbenzin auf 100 km/h und 176 Gramm CO2-Ausstoß auf einem Kilometer auch relativ schlechte Werte als Einstiegsmodell.

Diesel die bessere Wahl

Besser einen Diesel
Besser einen Diesel © Foto: Werk

Da ist der ebenfalls von uns gefahrene Diesel, von VW als Volumenmodell apostrophiert, die bessere Wahl. Zwar stehen auch hier 77 kW/105 PS zu Buche, doch das Drehmoment von 250 Nm bei 1900 U/min zeugt von mehr Potenz. 5,2 Liter auf 100 km/h sind dabei ein Wert, der nicht übermäßig überstiegen wird - im Leerzustand. Denn die mittlerweile antiquierte Pumpe-Düse-Technik sorgt spätestens ab 160 km/h für ein lauteres Geräuschvolumen. Dafür tasten sich die 137 Gramm CO2-Ausstoß schon sehr nah an die ab 2012 geltenden EU-Abgasnormen heran.

Wer mehr Leistung haben möchte, muss das dritte Quartal 2007 abwarten. Dann kommt ein neuer 1,4 Liter TSI-Motor mit 90 kW/122 PS und einem siebengängigen DSG auf den Markt. Wer nicht warten kann, der muss für das Basismodell in der Ausstattungsvariante Trendline mindestens 18.875 Euro berappen. Sollen noch Klimaanlage und Radio im Paket dazukommen, werden weitere 800 Euro fällig, eine abnehmbare Anhängevorrichtung kostet 692,46 Euro. Und die Aufpreisliste ist damit noch lange nicht beendet, vom schicken Panoramaschiebedach für 1130 Euro ganz zu schweigen.

10.000 Vorbestellungen

Viel Licht dank Panoramaschiebedach
Viel Licht dank Panoramaschiebedach © Foto: Werk

Der Selbstzünder in der Einstiegsvariante Trendline beginnt bei 20.975 Euro, die weiteren Ausstattungsvarianten Comfortline und Sportline starten bei 22.625 und 24.075 Euro. Dass der neue Golf Variant den Erfolg seiner Vorgänger fortsetzen wird scheint außer Frage zu stehen. Bereits vor dem Marktstart am 1 Juni liegen dem Konzern über 10.000 Bestellungen vor.






Mehr zur Marke VW

Audi rüstet 850.000 Einheiten umVW-Chef Müller setzt sich für Diesel ein

Volkswagen-Chef Matthias Müller glaubt an eine Zukunft des Dieselmotors. Derweil liefert Audi ein Software-Update für 850.000 Fahrzeuge mit Sechs- und Achtzylinder-TDI.


China mit VerlustenVW nach erstem Halbjahr mit leichtem Zuwachs

Der VW-Konzern konnte im ersten Halbjahr des Jahres seine weltweiten Auslieferungen leicht steigern. Mit knapp 5,2 Millionen Fahrzeugen legt man um 0,8 Prozent zu.


Zweistelliges Wachstum in USAKernmarke VW mit Absatzplus im Juni

Die Kernmarke Volkswagen konnte im Juni die weltweiten Auslieferungen um vier Prozent steigern. Nach dem ersten Halbjahr liegen die Wolfsburger aber nur knapp im Plus.



Mehr aus dem Ressort

Der Suzuki Ignis sticht aus der Menge heraus
Kleinwagen mit AllradantriebSuzuki Ignis: Feuer und Flamme in Kistenformat

Suzuki beweist Mut. Die Neuauflage des Ignis polarisiert durch ihr Erscheinungsbild, erzeugt aber im realen Alltag als praktischer Kleinwagen mit eigenem Outfit eine gewisse Wärme.


Die X-Klasse von Mercedes scheut keine Fahrten ins Gelände
Erster Pickup der MarkeMercedes X-Klasse: Komfortabel durch den Matsch

Mercedes fährt mit der neuen X-Klasse ganz komfortabel ins Gelände. Die Basis bildet der Nissan Navara – die Stuttgarter haben den Pickup aber noch weiter aufbereitet. Die Autogazette fuhr schon mal im Gelände mit.


Modellpflege für TopmodellMercedes S-Klasse: Doppelter Espresso inklusive

Audi startet mit dem A8 einen neuen Angriff auf die Mercedes S-Klasse. In Stuttgart gibt man sich davon unbeeindruckt. Dort zeigt sich Entwicklungschef Ola Källenius zuversichtlich, dass man auch mit einer modellgepflegten S-Klasse seinen Spitzenplatz halten kann.