2. August 2007

Fahrbericht Golf R32: Unterschätzter Kompaktsportler

Golf R32
Golf R32 © Foto: VW

Der Golf R32 ist ein reinrassiger Sportwagen. Mit seinen 250 PS sorgt das Aushängeschild der Baureihe für glänzende Fahrleistungen, wie Frank Mertens berichtet.




Es gibt Autofahrer, die um jeden Preis zeigen wollen, was in ihrem Fahrzeug steckt. Dafür schrecken sie selbst vor Dach- und Heckspoilern und anderen geschmacklichen Irrungen aus dem Zubehörhandel nicht zurück.

Dann gibt es Autofahrer, die legen vor allem auf die inneren Werte ihres Gefährtes Wert. Protzerisches Gehabe ist dieser Kategorie von Autofahrern fremd. Sie wollen zwar auch ein schnelles Auto bewegen, doch eines mit einem möglichst dezenten Auftreten. Ihrem Untersatz soll man erst in dem Moment anmerken, was in ihm steckt, wenn es darauf ankommt.


Hang zum Understatement

Für diese Kategorie von Autofahrern ist der Golf R32 wie gemacht. Von außen ist er zwar nicht unscheinbar, doch dass es sich hier um den stärksten Golf aller Zeiten handelt, erkennt man erst auf den zweiten Blick: das kleine, unscheinbare R32-Emblem am Kühlergrill und an der Heckklappe sind ebenso Zeichen für die innere Kraft dieses Sportgeräts wie die beiden Auspuffendrohre. Und das, was dieser Leit-Golf zu bieten hat, beeindruckt allein schon beim Blick aufs Datenblatt. Unter der Haube befindet sich ein 3,2 Liter großer Sechszylinder-Motor mit 184 kW/250 PS, die bei 6300 Umdrehungen in der Minute zur Verfügung stehen. Das maximale Drehmoment von 320 Nm liegt zwischen 2800 und 3000 Umdrehungen an.

Der V6-Motor im Golf R32 hat 250 PS
Der V6-Motor im Golf R32 hat 250 PS © Foto: VW

Die reinen Daten sind das eine, die Fahrleistungen das andere. Ein breites Grinsen bricht sich beim Fahren bereits beim Anlassen des Motors Bahn. Der Sound ist beim leichten Tipp aufs Gaspedal betörend. So hören sich Sportwagen an - und so fühlen sie sich auch an. Die Sportsitze im R32 bieten normalgewichtigen Fahrern einen glänzenden Seitenhalt. Wer indes zu viele Pfunde mit sich herumschleppt, was ja vorkommen soll, sollte unbedingt abspecken, um sich an seinem Arbeitsplatz wohl zu fühlen. Das Sportlenkrad liegt hervorragend in der Hand.

Ein Blick auf den Tacho verspricht indes mehr, als der R32 zu halten im Stande ist. Denn die ausgewiesen 300 km/h bleiben für den Fahrer eine Wunschvorstellung, denn seine Lust am Topspeed wird bei 250 km/h elektronisch abgeregelt. Doch mehr braucht man nicht, zudem sorgt das ausgesprochen straff abgestimmte Sportfahrwerk dafür, dass bei schlechten Straßenverhältnissen die Schläge durchaus hart wahrnehmbar zum Fahrer oder Beifahrer durchdringen.

Hoher Spaßfaktor

Die Sportsitze im Golf R32
Die Sportsitze im Golf R32 © Foto: VW

Seinen Spaßfaktor entfaltet der R32 vor allem dadurch, dass er von vielen anderen Sportwagenfahrern schlichtweg unterschätzt wird. Wer den R32 im Rückspiegel auftauchen sieht, denkt erstmal nicht daran, die linke Fahrbahn freizumachen. Erst wenn der Wolfsburger Leit-Golf partout nicht aus dem Sichtfeld verschwinden will und der Vorausfahrende endlich den Weg frei macht, erfreut man sich als Fahrer eines R32 an dem Verdutzten Gesicht des Überholten.

Das Cockpit im Leit-Golf
Das Cockpit im Leit-Golf © Foto: VW

Dank seines satten Drehmomentes von 320 Nm schiebt sich der R32 aus fast jedem Drehzahlbereich souverän und ohne Verzögerung souverän nach vorn. Mit dem manuellen Sechsganggetriebe spurtet der Golf in 6,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Wer es etwas flotter mag, der sollte auf das Direktschaltgetriebe (DSG) zurückgreifen. Damit hat man sogar noch 0,3 Sekunden früher die 100 km/h-Marke erreicht. Das DSG bietet nicht nur etwas flottere Beschleunigungswerte, sondern auch weniger Verbrauch. Während sich der R32 mit dem manuellen Sechsganggetriebe 10,7 Liter genehmigt, sind es mit dem DSG genau ein Liter weniger. Natürlich arbeitet das gut abgestimmte DSG ohne größere Verzögerungen, doch von der Charakteristik her passt der Handschalter einfach besser zum R32.

Stärken abseits der Autobahn

Das Heck des R32
Das Heck des R32 © Foto: VW

Seine wahren Stärken entfaltet der R32 ohnehin nicht auf der Autobahn, sondern auf kurvenreichen Landstraßen. Hier kann der Golf dank seines Allradantriebes so richtig punkten. Selbst bei schnellen Kurvendurchfahrten lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen, bleibt souverän in der Spur. Die 18 Zoll Leichtmetallräder mit einer 225/40er-Bereifung krallen sich quasi in den Asphalt. Es gehört schon viel dazu, diesen Golf überhaupt dorthin zu bringen, wo das ESP eingreift.

Der Preis für den R32 als Zweitürer beginnt bei 33.340 Euro, wer mit DSG unterwegs sein will, muss dafür 35.135 Euro auf den Tisch legen. Wer dann noch einige Annehmlichkeiten wie ein Navigationsgerät (2385 Euro), zwei weitere Türen (945 Euro) oder ein Multifunktionslederlenkrad (305 Euro) ordert, ist schnell bei 40.000 Euro angelangt. Dafür erhält der Kunde dann allerdings ein Fahrzeug, mit dem er bei anderen Sportwagenfahrern für Überraschungsmomente sorgen kann.






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