15. Juni 2007

Fahrbericht VW-Golf-Urahn als Dauerbrenner

VW Citi Golf Chico
VW Citi Golf Chico © Foto: Press-Inform

Im Süden Afrikas ist der Volkswagen-Klassiker Golf I nach wie vor auf dem Markt. Eine scheinbar unendliche Geschichte - doch 2008 sind auch für den «Citi Golf Chico» die Tage gezählt.




Von Stefan Grundhoff

Die Aussicht auf die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt Mitte September brachte die Branche vor einigen Wochen noch ins Grübeln. Steht auf der IAA vielleicht schon der neue VW Golf? Doch der heiß angepreiste und sehnlichst erwartete Mittelklasse-SUV namens Tiguan dürfte der alleinige Star am prächtigen Volkswagen-Messestand bleiben. Die nächste Golf-Generation kommt frühestens im Frühjahr 2008 zu uns. Derick Bester, Verkaufsleiter des VW-Autohauses Swakopmund an der Küste Namibias kann darüber nur lächeln: «Was, nächstes Jahr kommt schon der neue Golf? Höre ich zum ersten Mal.» Der schlicht weiße Verkaufsraum des größten Autohauses weit und breit könnte auch in Deutschland oder Spanien stehen. Viel Glas, helle Fliesen und zwei neue Golfs strahlen um die Wetter.


Billigauto zu 8000 Euro

Der Innenraum beim Golf I ist mit der Zeit gegangen.
Der Innenraum beim Golf I ist mit der Zeit gegangen. © Foto: Press-Inform

Nummer eins ist der hier nach vor auf dem Markt befindliche Golf I. Bei uns wurde der erfolgreiche Wolfsburger bereits vor 24 Jahren vom nicht minder erfolgreichen Golf II ersetzt. Es folgten die Gölfe der Generationen III, IV und V - und nächstes Jahr die Nummer sechs. Auch in Südafrika und dem deutsch angehauchten Nachbarstaat Namibia ist der aktuelle Golf V bereits seit Jahren auf dem Markt. Seinen Urahn Golf I konnte er jedoch nicht verdrängen und liegt in der internen VW-Wertung hinter dem Polo sogar nur auf Rang drei. Der alte Golf belegt in der Zulassungsstatistik seit Jahr und Tag einen der vorderen Plätze. In den Staaten Südafrikas ist die erste Generation als Citi Golf nach wie vor auf dem Markt und wird zu Preisen von umgerechnet 8000 Euro verkauft. Günstiger ist kaum ein anderes Auto.

Die unendliche Geschichte des Ur-Golfs dürfte jedoch nächstes Jahr ein Ende finden. «Ende 2008 soll der Citi Golf auslaufen», so Derick Bester. «Es geht VW insbesondere um die Sicherheit. Der alte Citi Golf hat weder Airbags noch ABS.» Gerne lässt Bester seinen Liebling nicht aus dem Verkaufsraum. Rund 40 Prozent aller Verkäufe generiert er mit dem kantigen Klassiker. Besonders das nahezu nackte Basismodell Chico mit 1,4 Litern, fünf Türen, Klimaanlage und Colorglas läuft nach wie vor wie geschnitten Brot. Produziert wird der deutsche Dauerläufer im südafrikanischen Uitenhage. Seit den frühen 80ern. Als sich der Golf II bei seiner Einführung 1984 überraschend schwer tat, legte man den Golf I als Billigversion Citi Golf kurzerhand wieder auf. Immer wieder aufkeimende Gedanken, das betagte Modell einschlafen zu lassen, wurden von exzellenten Verkaufszahlen zunichte gemacht - bis heute.

Weiße Lackierung der Renner

Die Trendfarbe ist Weiß, nur an der Küste gibt es dunkle Golfs
Die Trendfarbe ist Weiß, nur an der Küste gibt es dunkle Golfs © Foto: Press-Inform

Über die Jahrzehnte hat sich beim Citi Golf optisch und technisch nicht allzu viel getan. Etwas kraftvollere Schürzen rundum, der GTI-Grill mit Doppelscheinwerfern und eine Designsicke an der C-Säule - das war es auch schon, was ihn von einem deutschen Modell aus dem Jahre 1982 abhebt. Im Innern des Südafrikaners deutscher Abstammung hat sich trotz gleicher Abmessungen viel getan. Armaturenbrett, Sitze und Verkleidungen kennt man von jüngeren Seat- und Skoda-Modellen.

«Der Wagen hat unter dem Lenkrad noch immer einen Choke», erzählt Derick Bester mit einem Lächeln auf den Lippen; «die meisten Modelle sind wegen der heißen Temperaturen hier in Namibia weiß lackiert. Doch hier an der Küste gibt es wegen des Staubs viele dunkle Golfs.» Auf dem Gebrauchtwagenmarkt sind jedoch die weißen Lackierungen der große Renner. Viele der alten Citis haben mehr als 250.000 Kilometer auf dem Tacho. Reparaturen kann hier fast jeder durchführen.

Sportversion zum Abschluss

VW-Autohaus in Namibia
VW-Autohaus in Namibia © Foto: Press-Inform

Zum Abschluss bringt Volkswagen den Citi Golf ab Herbst dieses Jahres noch einmal als Sportversion mit dem eindrucksvollen Namen «R8» auf den Markt. Sein Vierzylinder mit 1,8 Litern Hubraum leistet stattliche 88 kW/122 PS. Unter anderem serienmäßig: Zentralverriegelung, Sportsitze und elektrische Fensterheber. Normalerweise ist der Citi Golf mit 1,4 und 1,6 Litern Hubraum und Leistungen von 86 und 100 PS zu bekommen. Aufgrund des geringen Fahrzeuggewichts sind die beiden Modelle nach Tacho fast 180 bzw. 200 km/h schnell.

Bleibt abzuwarten, ob Ende 2008 wirklich das Ende der unendlichen Geschichte naht. Derick Bester hofft auf die nächste Verlängerung - seine Kunden auch.






Mehr zur Marke VW

VW-Chefdesigner Klaus Bischoff«Können mit der E-Mobilität Konventionen über Bord werfen»

Der Weg in die Elektromobilität bedeutet für VW den Beginn einer neuen Design-Ära. Chef-Designer Klaus Bischoff spricht im Interview über neue Freiheiten, Kirchenmusik und darüber, weshalb man sich mit dem I.D. selbst angreift.


Verpflichtende UmrüstungVW-Kunden sollten auf Gewährleistungsansprüche achten

Kunden von VW sollten sich mit Blick auf die verpflichtenden Umrüstungen im Abgasskandal ihre Gewährleistungsansprüche sichern. Darauf macht die Verbraucherzentrale Sachsen aufmerksam.


Topmodell des Kleinwagens Sportliche Weihnachten mit dem VW Polo GTI

VW bringt nach dem neuen Polo auch die sportliche Variante noch in diesem Jahr auf den Markt. Der GTI wird mit den modernen Techniksystemen bestückt, behält aber auch noch die traditionellen Werte an Bord.



Mehr aus dem Ressort

Der Volvo XC60 ist die kleinere Ausgabe des XC90
Zweite Generation des Mittelklasse-SUVVolvo XC60: Eleganter kleiner Bruder

Die zweite Generation des Volvo XC60 ist die geschrumpfte Ausgabe des großen Vorzeige-SUV der Schweden. Dabei präsentiert sich die kleine Ausgabe des XC90 wesentlich eleganter.


Renault feiert Pickup-Premiere mit dem Alaskan
Abkömmling des Nissan NavaraRenault Alaskan: Klonereien im Gelände

Renault steigt mit dem Alaskan ins Pickup-Segment ein. Der Lastenesel beschreitet dabei den Weg, der beim Volkswagen-Konzern seit Jahren an der Tagesordnung ist.


Neues SUV der RüsselsheimerOpel Grandland X: Der Aufsteiger

Das SUV-Segment wächst und wächst. Daran will auch Opel teilhaben. Deshalb setzen die Rüsselsheimer ihre SUV-Offensive fort und bringen nach dem Mokka X, dem Crossland X nun den Grandland X auf dem Markt.