10. Mai 2006

Fahrbericht VW Eos: Irdische Gottheit

VW Eos
VW Eos © Foto: Werk

Volkswagen will mit dem Eos einen erreichbaren Traum anbieten. Trotz des innovativen fünfteiligem Stahlfaltdachs präsentiert sich das nach der Göttin der Morgenröte benannte Coupe-Cabrio doch recht irdisch.




Von Thomas Flehmer

Volkswagen träumt. Nachdem die Wolfsburger die Entwicklung des Cabrios in den vergangenen Jahren verschlafen haben, wollen sie nun den neuen Eos in mystische Sphären heben, um den Makel auszugleichen. «Wir wollen Traumwagen anbieten», sagt VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard bei der Präsentation des Coupe-Cabrios in Athen, «erreichbare Traumwagen. VW ist die Marke der erreichbaren Traumwagen.»


Elegante Linienführung
Elegante Linienführung © Foto: dpa

Nach den ersten Testkilometern präsentierte sich der nach der griechischen Göttin der Mörgenröte, dem Pendant zur römischen Aurora, benannte Wagen als gutes, solides Auto; Traumwagen aber sehen anders aus und sollten auch anderen Unternehmen überlassen bleiben. VW, Volkswagen, ist die Marke des Volkes und dort weichen Träume zumeist der Realität.

Innovative Dachkonstruktion

Und in der Realität zeigt sich auch der Eos sehr irdisch. Elegant herausgeputzt präsentiert sich die Frontpartie des 4,41 Meter langen Eos, der sich zwischen dem A-Segment, der Golfklasse, und dem B-Segment des Passat bewegt. Wirklich gut gelungen ist die Dachkonstruktion. Als einziger Cabrio-Anbieter faltet sich das Glas-Stahldach nicht in drei, sondern in fünf Teilen zusammen. Zudem ist ein separat zu bedienendes Schiebedach in das System integriert. Ebenso erfreulich ragt der Dachquerträger weniger in den Innenraum und ermöglicht so ein bequemes Ein- und Aussteigen. Hier hat sich die Nachbesserung, die unter anderem zur Verzögerung des Marktstartes führte, ausgezahlt.

Attraktive Dachkonstruktion
Attraktive Dachkonstruktion © Foto: Werk


Bedienen kann man die Konstruktion aber nur, wenn das Auto steht. Da sind die Konkurrenten voraus, bei denen die Dächer noch bei Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h geöffnet oder geschlossen werden können. Auch die an sich schon eher langsamen 25 Sekunden für den jeweiligen Vorgang können nicht immer gehalten werden. So ist ein Öffnen oder Schließen an einer roten Ampel zumeist eine Zitterpartie.

Innenraum wie im Golf

Dachquerträger braucht wenig Platz
Dachquerträger braucht wenig Platz © Foto: Werk

Dafür ist die Heckpartie, in der das Dach geschoben wird, außerordentlich gelungen. VW bietet kein dickes Hinterteil wie die Konkurrenz, sondern hat das hintere Teil äußerst geschickt interpretiert und so eine klare Line geschaffen. Im Kofferraum selbst bleibt bei geöffnetem Dach mit 205 Litern genügend Platz für drei mittelgroße Taschen und ein wenig Kleinkram. Ist das Dach geschlossen stehen 380 Liter zur Verfügung.

Irgendwie Golf
Irgendwie Golf © Foto: Werk


Im Gegensatz zur eleganten Linienführung von außen werden die Insassen im Innenraum aus allen Träumen gerissen. Hier kommt die Verwandtschaft zum Golf deutlich zum Vorschein, ein Blick auf die Armaturen genügt. Da helfen auch neu konzipierte Tür- und Seitenverkleidungen nur wenig. Wohl fühlen können sich die Insassen auf den hinteren Plätzen. Trotz einer Cabrioversion bleibt genügend Beinfreiheit. Ist das Dach offen, sollten aber die Passagiere im Fond lieber eine Mütze aufsetzen, um den Winden zu trotzen.

V6 kommt später

Schönes Fahrerlebnis
Schönes Fahrerlebnis © Foto: Werk

Angenehm werden aber auch sie chauffiert. In den von uns gefahrenen 2.0 Turbo-Diesel mit 103 kW/140 PS sowie dem 110 kW/150 PS starken Benziner stellt sich ein angenehmes Fahrgefühl ein, egal bei welcher Geschwindigkeit. Die Motoren arbeiten leise vor sich hin, das Fahrwerk und die Lenkung vermitteln den nötigen Kontakt zum Asphalt.

Insgesamt bietet Volkswagen einen Diesel und vier Benziner mit einem Leistungsspektrum von 115 bis 250 PS an. Allerdings kommt der leistungsstarke Sechszylinder, der bereits im Golf R32 debütierte, erst im Herbst auf den Markt und soll 9,2 Liter auf 100 Kilometer im Drittelmix verbrauchen. Der von uns gefahrene Diesel begnügt sich mit 6,0 Litern, der Benziner benötigt zwei Liter mehr. Die Höchstgeschwindigkeit beider Modelle pendelt sich um die 200 km/h ein.

Lange Aufpreisliste

Auch geschlossen elegant
Auch geschlossen elegant © Foto: Werk

Während der Einstieg bei den Benzinern mit dem 115 PS starken Aggregat bei 25.950 Euro liegt, kostet der Diesel satte 4000 Euro mehr. Der 2.0 FSI mit 150 PS bildet bei 27.950 die Mitte. Den Abschluss bildet der V6. Das mit Doppelkupplungsgetriebe (DSG) erhältliche Modell startet bei 35.500 Euro. Spätestens bei diesem Zeitpunkt zerplatzen viele Träume.

Ganz real präsentiert sich nämlich noch die Aufpreisliste. Je nach Gusto treiben spezielle Ausstattungspakete, Xenonscheinwerfer mit Kurvenfahrlicht oder Geschwindigkeitsregler den an sich schon recht statthaften Preis weiter in die Höhe. Ebenso real ist aber schon die Liste der weltweiten Vorbestellungen. Insgesamt 15.000 Stück sind schon vor dem Marktstart am 20. Mai verkauft. Denn trotz einiger Mängel hat der Eos das Zeug zum Verkaufsschlager und lässt so Volkswagen weiter träumen - beispielsweise von anderen Traumwagen...






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