3. Februar 2009

Fahrbericht VW Caddy 1.9 TDI 4motion Späte Einsicht

Der neue VW Caddy 4motion
Der neue VW Caddy 4motion © Foto: VW

Wieso er es jetzt auf den Markt kommt, weiß so recht niemand. Der erfolgreiche VW Caddy wird in Alpenregionen zukünftig noch mehr Freunde finden. Ab sofort gibt es ihn mit Allradantrieb.




Von Stefan Grundhoff

Immer gut, wenn man der einzige auf dem Markt ist. Gab es Renaults Kangoo lange Jahre auch als 4x4-Version und den Peugeot Partner mit der Notlösung Sperrdifferential, so ist der neue VW Caddy 4motion im unwegsamen Geläuf derzeit allein auf weiter Flur. Wer in den europäischen Bergregionen Gewerbetreibende, Post oder Kurierdienste sieht, weiß, wie groß die Nachfrage nach einem derartigen Allradlastesel ist. Lange Jahre galt der allradgetriebene Billig-4x4 des Fiat Panda aus dem Hause Puch als beliebtes Fortbewegungsmittel, um gerade im Winter unbefestigte Straßen und Feldwege zu erklimmen. Diesen Kultstatus hat der aktuelle Panda 4x4 bisher nicht erlangt. Zudem wollen viele Kunden mehr Nutzwert.


Allradpaket für 3200 Euro

So bekommt der 4,40 Meter lange VW Caddy im fünften Jahr nach seiner Markteinführung einen rustikalen Bruder. Anders als Lifestyle-Allradler und Crossover seiner Zunft verzichtet er auf auffällige Planken oder wilde Schürzen. Er ist, was er ist - ein echter Caddy. Da sich mehr als 80 Prozent aller gewerblichen Caddy-Kunden für die Dieselversion des 1.9 TDI entscheiden, haben sich die Nutzfahrzeug-Leute im Hause Volkswagen das 4x4-Modellprogramm besonders leicht gemacht.

«Wir bieten den VW Caddy zunächst nur mit dem 105 PS starken Volumen-Diesel an», so VW-Sprecher Jens Bobsien, „der Allradantrieb kostet hierbei einen Aufpreis von 3.200 Euro inklusiv Steuer.“ Damit liegt man sogar deutlich über dem Aufpreis, der für Mittelklassefahrzeuge aufgerufen wird. Hier muss man für 4matic, quattro oder xDrive zumeist kaum mehr als 2.500 Euro Aufpreis bezahlen. «Doch unser Mehrpreis umschließt ein Sechsgang-Getriebe, Berganfahrhilfe, Diesel-Partikelfilter und ESP», erklärt Jens Bobsien das üppige Aufgeld. So kostet der immer noch karg ausgestattete VW Caddy Life 4motion als Fünfsitzer mindestens 23.460 Euro. Der Kastenwagen startet bei 21.913 Euro.

Ade Starrachse

Aufgeräumter Innenraum
Aufgeräumter Innenraum © Foto: VW

Hier wird dem normalen Caddy seine Sparausstattung zum Verhängnis. Denn unter den Gewerbereibenden interessiert sich kaum jemand für im Privatkundenmarkt längst etablierte Details wie ESP oder eben einen Partikelfilter. Beim 4motion-Allradantrieb setzen die Hannoveraner auf das gleiche Modul, das auch Golf oder Tiguan das Erklimmen von rutschigen Steigungen ermöglicht.

Das aktuelle Haldex-System der Generation vier liefert die Kraft bei normaler Fahrt zu nahezu 100 Prozent an die Vorderachse. Erst wenn die Räder vorn durchdrehen, macht die Kupplung zu und transferiert die überschüssige Leistung an die hinteren Räder. Maximal ebenfalls bis zu 100 Prozent. Netter Nebeneffekt des 4x4-Antriebs. Die wenig komfortable Starrachse hat ausgedient. Leider nicht serienmäßig ist der sinnvolle Unterfahrschutz aus Stahlblech für Motor und Getriebe.

Bis zu 900 Kilometer möglich

Nutzlast bis 580 Kilogramm
Nutzlast bis 580 Kilogramm © Foto: VW

Trotzdem bleibt der immerhin 1,7 Tonnen schwere Caddy 4motion der bekannt solide Lastesel. Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von knapp 2,3 Tonnen liegt die Nutzlast je nach Ausstattung zwischen 500 und 580 Kilogramm. Das Ladevolumen ist mit 3,2 Kubikmetern unverändert. Da steht der nächsten Post-Großlieferung nichts im Wege. Mit dem 105 PS starken TDI-Aggregat hat man den gewohnt soliden, sparsamen und lautstarken Begleiter.

Der Durchschnittsverbrauch liegt bei 6,7 Litern auf 100 Kilometern. So kostet der Allradantrieb rund einen halben Liter Diesel. Bei dem Tankvolumen von 60 Litern lassen sich Reichweiten von bis zu 900 Kilometern ohne Tankstopp realisieren. Knapp 170 km/h sind allemal drin und das maximale Drehmoment von 250 Nm sorgt dafür, dass es auch aus dem Drehzahlkeller und unter Beladung munter bergan geht.

Gewerbetreibende klopfen an

Erste Kunden ordern schon
Erste Kunden ordern schon © Foto: VW

Das scheint bereits zum Marktstart bei den Kunden anzukommen. Die Schweizer Post hat bereits die ersten Fahrzeuge geordert. Weitere gewerbliche Kunden klopfen an. Eben besser spät als gar nicht. Und die preiswerte Konkurrenz aus den Bereichen Hochdach-Kombis und Gewerbe hat trotz Partner, Kangoo und Co nichts Allradtaugliches in der Hinterhand.






Mehr zur Marke VW

Basis für den DieselskandalDeutsche Autohersteller unter Kartellverdacht

Das Unheil für deutsche Autobauer wird erweitert. VW und Co. sollen sich samt Zulieferern laut einem Medienbericht abgesprochen haben - auch der Dieselskandal könnte so begonnen haben.


Audi rüstet 850.000 Einheiten umVW-Chef Müller setzt sich für Diesel ein

Volkswagen-Chef Matthias Müller glaubt an eine Zukunft des Dieselmotors. Derweil liefert Audi ein Software-Update für 850.000 Fahrzeuge mit Sechs- und Achtzylinder-TDI.


China mit VerlustenVW nach erstem Halbjahr mit leichtem Zuwachs

Der VW-Konzern konnte im ersten Halbjahr des Jahres seine weltweiten Auslieferungen leicht steigern. Mit knapp 5,2 Millionen Fahrzeugen legt man um 0,8 Prozent zu.



Mehr aus dem Ressort

Porsche Panamera Sport Turismo neu Aufmacher Porsche
Nach Limousine nun auch als KombiPorsche Panamera Sport Turismo: Der schönere Panamera

Braucht man das? Einen Kombi von Porsche? Braucht man nicht, ist die erste Reaktion. Doch wenn man erst einmal im neuen Sport Turismo gesessen hat, ändert man schnell seine Meinung. Auch wegen seines Designs.


Der Suzuki Ignis sticht aus der Menge heraus
Kleinwagen mit AllradantriebSuzuki Ignis: Feuer und Flamme in Kistenformat

Suzuki beweist Mut. Die Neuauflage des Ignis polarisiert durch ihr Erscheinungsbild, erzeugt aber im realen Alltag als praktischer Kleinwagen mit eigenem Outfit eine gewisse Wärme.


Die X-Klasse von Mercedes scheut keine Fahrten ins Gelände
Erster Pickup der MarkeMercedes X-Klasse: Komfortabel durch den Matsch

Mercedes fährt mit der neuen X-Klasse ganz komfortabel ins Gelände. Die Basis bildet der Nissan Navara – die Stuttgarter haben den Pickup aber noch weiter aufbereitet. Die Autogazette fuhr schon mal im Gelände mit.