18. Dezember 2007

Fahrbericht Besonderes «R»-Lebnis mit Volvo

Sportlich unterwegs mit Volvo
Sportlich unterwegs mit Volvo © Foto: Volvo

Um sich aus der breiten Masse abzuheben, sind Sportmodelle für Autohersteller bekanntlich ein probates Mittel. Die leistungsstarken Trainingspartner stehen hoch im Kurs. Volvo geht ab sofort einen anderen Weg.




Von Stefan Grundhoff

Was für Audi die S- und RS-Modelle, für BMW die M GmbH und für Opel sein OPC-Team waren für die Schweden seit Jahren die Volvo R-Modelle. Nach dem 1994 eingeführten Volvo 850 T-5R galten die Nachfolger S60 R und V70 R ab 2002 als sehr sportlich-elegante Ausbaustufen der skandinavischen Lebensart - neben Luxusinterieur mittlerweile 300 PS stark und mit variablen Allradantrieb sowie elektronischem Fahrwerk ausstaffiert.


«R»-Lebnis-Philosophie

Doch überraschenderweise rudern die Schweden jetzt zurück. Mit dem Modelljahr 2007 war es das mit den beiden R-Lebnismodellen. Die hauseigenen Sportskanonen wurden ersatzlos gestrichen. Stattdessen gibt es fortan für alle Modellreihen Designpakete mit der Bezeichnung «R» und einem kleinen Logo im Kühlergrill. Den Anfang machen C30, S40 und V50. Die größeren Modelle sollen mittelfristig ebenfalls folgen.

Wichtigster Unterschied zur bisherigen R-Philosophie: Einen «R» kann künftig jeder fahren. Die Sportpakete bestehend aus Schwellersatz, Teillederinterieur, aufgewertetem Innenraum und 17-Zoll-Radsatz können mit jeder Ausstattungsvariante und jedem Motor gekoppelt werden. Die aus der Masse heraus stechenden Kraftmeier von einst sind somit Vergangenheit. Somit kann fortan auch ein müder S40 oder V50 1.8 auf dicke Hose machen und so tun, als ob der mächtig Leistung unter der Haube hätte.

Kurzes Turboloch

Sportlicher Innenraum
Sportlicher Innenraum © Foto: Volvo

Sinnvoll, weil passend, sind die R-Designpakete jedoch nur bei den PS-stärkeren Modellen. Einem wie dem S40 AWD T5 stehen sie gut zu Gesicht. Denn der kompakte Schwede bietet mit seinem aufgeladenen Fünfzylinder nicht nur 169 kW / 230 PS, sondern auch jede Menge Fahrspaß. Nach einem kurzen, kaum spürbaren Turboloch bekommt der quer eingebaute Reihenfünfzylinder ordentlich Dampf. Bereits ab 1.500 Touren steht das maximale Drehmoment von 320 Nm zur Verfügung - stetig bis 5.000 U/min.

Den Spurt 0 auf 100 km/h schafft der knapp 1,6 Tonnen schwere Allradler in 7,1 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h ist für die PS-Zahl ausreichend, aber wenig beeindruckend. Ab Tempo 210 wird die Luft für den Schweden überraschend recht dünn. Den Durchschnittsverbrauch gibt Volvo mit 9,6 Litern Super auf 100 Kilometern an. Die tiefere Schürze und die Breitreifen liefern optisch ein stimmiges Bild. Der aufgesetzte Spoiler am Heck ist dann aber doch etwas zu viel des guten. Hier geht es weniger um Abtrieb für die Hinterachse als vielmehr um einen kraftvollen Auftritt.

Gelungener Mix

Viel Platz im Kofferraum
Viel Platz im Kofferraum © Foto: Volvo

Das Fahrwerk des Volvo S40 T5 bietet eine gelungene Mischung aus Komfort und Sportlichkeit. Für ein Sportmodell dieser Leistung sind die optionalen 18-Zoll-Felgen die bessere Wahl. Weniger als die serienmäßigen 17-Zöller sollten es beim S40 T5 sowieso nicht sein. Bei normaler Fahrt überträgt der S50 AWD T5 einen Großteil der Motorleistung auf die Vorderachse.

Erst wenn hier Schlupf auftritt, wird die überschüssige Leistung via Haldex-Kupplung nach hinten transferiert. So geschieht der Kraftfluss beim S40 T5 nach wie vor mit leichter Verzögerung. Zudem sind Antriebskräfte in der Lenkung spürbar.

Bis zu 4050 Euro Aufpreis

Die Rückpartie des Volvo
Die Rückpartie des Volvo © Foto: Volvo

Der Aufpreis für die R-Pakete liegt je nach Modell zwischen 1530 und 4050 Euro. Der Volvo S40 T5 AWD R startet somit bei 38.910 Euro. Mehr Konturschärfe für die einzelnen Volvo-Modelle bieten die R-Pakete ohne Zweifel. Ob langfristig auf die echten Sportmodelle mit dem R im Kühlergrill verzichtet werden kann, darf jedoch bezweifelt werden. Die Konkurrenz ist hart und sportlicher denn je unterwegs. Die wichtigsten Konkurrenten von Volvo kommen nun einmal aus München, Ingolstadt und Stuttgart. Und selbst Hersteller wie Chrysler, Volkswagen, Peugeot und Opel kommen längst nicht mehr ohne hoch motorisierte Sportmodelle aus.






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