11. August 2006

Fahrbericht Volvo C70 D5: Eleganter Panzer

Volvo C70 D5
Volvo C70 D5 © Foto: press-inform

Volvo lässt beim C70 die Sonne rein und feiert damit Verkaufserfolge. Selbst geschlossen sieht der schöne Schwede nicht aus wie ein Cabrio mit Stahldach, sondern wie ein reinrassiges Coupé.




Von Sebastian Viehmann

Über mangelnden Absatz kann sich Volvo zurzeit nicht beschweren. Das ursprüngliche Produktionsziel für den C70 von 16.000 Autos jährlich wollen die Schweden um 4000 Stück steigern. Jeder vierte C70 soll mit dem neuen D5-Dieselaggregat vom Band laufen. Im Herbst geht der Verwandlungskünstler mit einem neuen 180-PS-Turbodiesel auf die Jagd nach sonnenhungrigen Kunden. Zur Wahl stehen die drei Ausstattungslinien «Kinetic», «Momentum» und «Summum». Volvo nennt den C70 mit stolzgeschwellter Brust eine «Image-Lokomotive für die Marke».


Pininfarina am Werk

Hübsch anzuschauen ist die elegante Schweden-Kreuzung in jedem Fall. Für seine Gestaltung holte sich Volvo auch keinen geringeren als die italienische Design-Legende Pininfarina ans Reißbrett. Da er auf einer anderen Plattform basiert, ist der C70 14 Zentimeter kürzer als sein Vorgänger. Was viel wichtiger ist: Die mangelnde Verwindungssteifigkeit des alten Cabrios ist vergessen. Der neue C70 ist gebaut wie ein Panzer, hüllt seine Passagiere in einen Kokon aus aufwändig versteiften Karosserieelementen.

Mit über 1,80 Metern ist der C70 breiter als seine Konkurrenten Audi A4, 3er BMW oder Saab 9-3. Das italienische Design-Ambiente paart sich sozusagen mit einer Spur amerikanischen Straßenkreuzer-Flairs. In der Tat gehört der schwedische Autobauer seit 1999 zur Ford Motor Company. Ford brachte vor einem halben Jahrhundert auch die erste Cabrio/Coupé-Kreuzung auf den Markt - als «Retractable Hardtop» gelangte der 1957er Ford Fairlane Skyliner zu zweifelhaftem Ruhm. Denn der komplizierte Mechanismus mit drei Motoren, acht Schaltern, zehn Steuerrelais und 180 Metern Kabel versagte manchmal seinen Dienst.

In 25 Sekunden offen

Das Klappdach
Das Klappdach © Foto: press-inform

Von solchen Kinderkrankheiten bleibt man beim C70 verschont, auch wenn die schwedische Faltung nicht weniger kompliziert aussieht. Zuerst hebt sich der Kofferraumdeckel, dann lüpft ein Elektromotor das Mittelteil des Verdecks in die Höhe. In einem komplexen Gewirr aus Dachteilen und Metallgestänge verschwindet das Top schließlich im Kofferraum, nach 25 Sekunden ist der Spuk vorbei.

Wie bei allen «CC»-Kreuzern frisst das zusammengefaltete Verdeck leider eine Menge Stauraum. Als Coupé bietet der C70 noch ordentliche 404 Liter Kofferraumvolumen, in der Cabrio-Ausführung bleiben nur magere 200 Liter übrig. Anders sieht es bei manchen Stoffdach-Cabrios aus - der offene Audi A4 zum Beispiel gönnt den Passagieren fast 50 Liter mehr Kofferraumvolumen als der Volvo. Immerhin bietet der Schwede eine Beladungshilfe an: Per Knopfdruck wird das fast 90 Kilogramm schwere zusammengefaltete Verdeck um 30 Zentimeter angehoben.

Hinten geht es eng zu

Viel Platz im Coupé
Viel Platz im Coupé © Foto: press-inform

Der Innenraum des C70 ist weniger italienisch-anmutig als vielmehr schwedisch-knorrig. Armaturenbrett und Mittelkonsole sind so sachlich aufgebaut wie eine Tagesschau von 1975. Optische Abwechslung durch elegante Alu-Blenden auf der Konsole und in den Türen gibt es erst ab der «Momentum»-Ausstattung. Dann aber stören immer noch die vielen kleinen Tasten, die Volvo in die Mittelkonsole gequetscht hat, um den Rest des Cockpits schalterfrei zu halten.

Keine Klagen gibt es beim Platzangebot für Fahrer und Beifahrer. Lediglich der Stauraum in den Türen ist etwas knapp. Dafür aber wuchert der Volvo mit nicht weniger als 12 Lautsprechern (sechs in der Basis-Version) und einem serienmäßigen CD-Radio. Damit wird der C70 im Coupé-Modus zum mobilen Konzerthaus und mit geöffnetem Verdeck zum Open-Air-Festival. Die Fond-Passagiere haben Entspannungsmusik übrigens bitter nötig, denn hinten geht es vor allem an den Knien ziemlich eng zu. Bei geschlossenem Verdeck ist auch die Kopffreiheit nur eingeschränkt genießbar.

Sicher wie eh und je

Unübersichtliche Mittelkonsole
Unübersichtliche Mittelkonsole © Foto: Werk

Dafür dürfen sich vor allem die Frontpassagiere im C70 sicher fühlen wie in Abrahams Schoß. Das Sicherheitspaket enthält serienmäßig Front, Seiten- und Kopfairbags sowie Volvos SIPS Seitenaufprallschutzsystem und den Schleudertrauma-Schutz WHIPS. Auch ein Überrollschutz ist an Bord, bei dem die seitlichen Airbags länger als gewöhnliche Luftsäcke aufgepumpt bleiben. Damit verspricht Volvo bestmöglichen Insassenschutz auch bei einem mehrfachen Überschlag.

In derart brenzlige Situationen dürfte der Schweden-Gleiter aber kaum gebracht werden. Denn das auf Komfort ausgelegte Fahrwerk animiert zum sanften Cruisen und nicht zum ungestümen Rasen. Hastet man zu schnell durch die Kurven, greift die Fahrdynamikregelung DTSC behutsam ein.

Basismotor dürftig

Als Antriebsoptionen bietet der C70 drei Fünfzylinder-Benzinmotoren mit 140, 170 oder 220 PS an. Im Herbst kommt ein Common-Rail-Diesel mit ebenfalls fünf Zylindern, Turbolader und 180 Pferdestärken dazu. Mit 140 PS ist das knapp 1,7 Tonnen schwere Schweden-Schiff etwas dürftig motorisiert, mit 220 PS geht bei 7,6 Sekunden von 0 auf 100 schon eher die Post ab.

Zum gutmütigen Fahrverhalten und der Komfort-orientierten Federung passt allerdings der neue D5-Turbodiesel am besten. Der 180 PS starke Motor entfaltet sein maximales Drehmoment von 350 Newtonmeter ab 1750 Umdrehungen, kommt aus dem Stand aber nur behäbig in die Gänge. Einmal auf Touren gebracht, kann sich die Antriebskraft dafür sehen lassen. Beim Zwischenspurt von 80 auf 120 Km/h stehen großzügige Kraftreserven zur Verfügung. Die im Diesel serienmäßige Fünfgang-Automatik schaltet nahezu ruckelfrei. Seine Höchstgeschwindigkeit hat der C70 D5 bei 225 Km/h erreicht.

Gute Serienausstattung

Die Fond-Passagiere sitzen beengt
Die Fond-Passagiere sitzen beengt © Foto: Werk

Der Durchschnittsverbrauch ist mit angegebenen 7,3 Litern niedrig. Das geschlossen-offene Volvo-Vergnügen beginnt bei 33.300 Euro in der Basis-Ausstattung Kinetic mit einem 2.4-Liter Benziner und 140 PS. Für den Diesel muss man mindestens 39.100 Euro auf den Tisch legen. Das sind satte 9.150 Euro mehr, als VW für den Eos mit einem 140 PS-TDI verlangt. Dafür ist der Volvo schon in der Basisversion mit Nebelscheinwerfern, CD-Radio, Klimaautomatik, Leichtmetallfelgen, DTSC und Tempomat gut ausgestattet.

Das komplette Paket mit Nettigkeiten wie Bi-Xenon-Scheinwerfern, Lederausstattung, Sitzheizung, Regensenor und per Zentralverriegelung verschließbaren Staufächern gibt es erst im «Summum» für Preise von 37.700 Euro (140-PS Benziner) bis 43.500 Euro (180-PS Diesel).






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