11. Juli 2007

Fahrbericht Volvo C30 1.8F: Öko-Edelflitzer

Volvo C30 1.8 FlexiFuel
Volvo C30 1.8 FlexiFuel © Foto: Volvo

Volvo bietet für drei Baureihen jetzt einen 1,8-Liter-Benziner als FlexiFuel-Version für den Antrieb mit Bio-Ethanol und mit Superbenzin an. Für das Kompaktmodell C30 passt dieses Paket in jeder Hinsicht.




Von Michael Langenwalter

Das ist doch mal eine Ansage: Volvos neuer 1,8-Liter FlexiFuel-Motor lässt sich mit Bio-Ethanol E85, mit E50-Variante oder Superbenzin fahren. Doch zur Not tut es auch einmal Superbenzin pur. Letzteres ist momentan auch bitter nötig, denn bei den derzeit nur rund 100 Bio-Ethanol-Tankstellen in Deutschland würde man sonst nicht allzu weit kommen. Zumal die Zapfsäulen im Bundesgebiet auch noch höchst ungleich verteilt sind.


Exklusiv für 1,8-Liter-Benziner

Ab Sommer ist die im Augenblick einzig verfügbare Öko-Motorisierung von Volvo mit dem Vierzylinder-Benziner, einer Leistung von 92 kW/125 PS und einem maximalen Drehmoment von 165 Newtonmetern bei 4000 Umdrehungen nun auch in Deutschland erhältlich. Und dies gleich in drei Baureihen - beim S40, V50 oder eben im von uns getesteten Kompaktmodell C30 1.8F. Die Kombination mit dem leichtgängigen Sechsgang-Schaltgetriebe ist Standard.

Motor umfassend modifiziert

Nur die Aufschrift verrät den Antrieb
Nur die Aufschrift verrät den Antrieb © Foto: Volvo

In der schwedischen Heimat sind die FlexiFuel-Modelle von Volvo schon richtig populär. Was damit zusammenhängt, dass die Regierung in Stockholm den Einsatz von Kraftstoffen, die aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden, nach Kräften fördert. Rund 600 Tankstellen bieten dort E85 an, die am weitesten verbreitete Ethanol-Kraftstoff-Variante. E85 bedeutet, dass der Kraftstoff zu 85 Prozent als Bio-Ethanol besteht. Die 15 Prozent Superbenzin, die hier beigemischt sind, sollen vor allem die Kaltlaufeigenschaften verbessern. Bei E50 ist das Verhältnis halbe-halbe.

Damit das funktioniert, hat Volvo den Motor umfassend modifiziert. Den vergrößerten Einlassventilen, den speziell behandelten Zylinderköpfen sowie den Kraftstoffleitungen aus Stahl soll das aggressive Ethanol nichts anhaben können. Denn das dürfte bei Verfügbarkeit fast ausschließlich in den 55-Liter-Tank des C30 fließen. Gegenüber dem reinen Benzinbetrieb mit 174 Gramm C02-Ausstoß pro Kilometer sinkt laut Werksangabe der Wert um 80 Prozent.

Rechenspiele

Dafür ist der Verbrauch gegenüber dem Benzinbetrieb um 30 Prozent höher. Beim C30 1.8F gibt Volvo hierfür einen Durchschnittswert von rund 7,5 Liter auf 100 Kilometer an. Mit E85 im Tank schwankte bei ersten Testfahrten der Wert in der Anzeige im Armaturenbrett um die 9,7 Liter. Der Mehrverbrauch gleicht sich an der Zapfsäule wieder aus. Für das steuerbegünstigte E85 werden derzeit um die 80 Cent pro Liter fällig. Superbenzin kostet jetzt wieder 1,40 Euro - mit steigender Tendenz.

Da sind auch die 400 Euro Aufpreis, die für den FlexiFuel-Motor im Vergleich zur Normalversion fällig werden, rasch reingeholt. Die Preise für den C30 1.8F beginnen ab 21.050 Euro. Ein umfassendes Sicherheitspaket ist, wie bei Volvo üblich, inklusive. Um so zurückhaltender geben sich die Schweden dagegen in Sachen Basisausstattung. Man verweist hier gerne auf die ellenlange Optionsliste.

Überzeugende Figur

Das aufgeräumte Cockpit
Das aufgeräumte Cockpit © Foto: Volvo

Die Theorie ist eine Seite. Für den Verkaufserfolg wirklich entscheidend bleibt jedoch die Frage, wie sich der Motor in Volvos hoch gelobten Designermodell fährt. Schon nach kurzer Zeit wurde bei den Testfahrten in und um Potsdam klar, dass das Öko-Aggregat im C30 eine überzeugende Figur abgibt. Ein leichter Tritt aufs Gaspedal genügt, und der rund 1,3 Tonnen schwere Fronttriebler zieht flott davon. Von 0 auf 100 km/h geht es in 10,8 Sekunden; bei 200 km/h ist Schluss.

Für Kavalierstarts an der Ampel taugt der Motor indes nicht. Das würde auch gar nicht zum Wagen passen; der C30 ist für solche Spielereien ohnehin nicht ausgelegt. Unebenheiten auf dem Asphalt gibt die Hinterachse fast ungefiltert an die Insassen des Zweitürers weiter. Zudem könnte die Lenkung etwas direkter ausfallen. Aber der stark untersteuernde Kompaktwagen versteht sich ohnehin nicht als Fahrdynamiker, sondern eher als schicker Edelflitzer für die Stadt. Und dort kann man jetzt auch in einem Volvo in einer ökologisch korrekten Version unterwegs sein. Das ist gut für das Gewissen, gut für die Umwelt - und gut für den Geldbeutel, sofern eine E85-Tankstelle in der Nähe ist.






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