27. März 2012

Fahrbericht Identisch mit Toyota GT86 Subaru BRZ: Rückkehr zum Purismus

Der Subaru BRZ ist baugleich mit dem Toyota GT 86 Fotos ▶
Der Subaru BRZ ist baugleich mit dem Toyota GT 86 © Subaru

Subaru feiert mit dem BRZ ein Comeback im sportlichen Segment. Der gemeinsam mit Toyota entwickelte 2+2-Sitzer wird besonders die klassischen Sportwagenfahrer erfreuen.




Von Jens Meiners

Wohl kaum eine Marke hat eine derart diversifizierte Kundschaft wie Subaru. Da gibt es sicherheitsbewusste Familien, die Modelle wie den Legacy und den Outback bevorzugen. Jäger und Off-Roader wählen überdurchschnittlich häufig den Forester - und dann gibt es noch die vom Motorsport begeisterten Loyalisten. Für sie hatte Subaru in den vergangenen Jahren nicht viele positive Nachrichten parat: Nach 18 Jahren Rallye-Weltmeisterschaft warfen die Japaner im Jahr 2008 kurzerhand hin. Zwar gibt es nach wie vor den Impreza WRX STi, doch die sportlich-edle Produktlinie namens tS hat es bislang nicht über die fernöstliche Heimat hinausgeschafft.


Subaru BRZ mit Ungewöhnlich guter Rundumsicht

Mit dem BRZ bietet der einstige Flugzeughersteller ab Sommer 2012 für erschwingliches Preise ab rund 30.000 Euro auch wieder etwas für Freunde der zügigen Gangart - und zwar einen ungewöhnlich puristisch ausgelegten, hinterradgetriebenen Sportwagen, unter dessen Fronthaube ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Boxer mit 147 kW/200 PS steckt. Der BRZ ist als 2+2 ausgelegt - das bedeutet, dass die Rücksitze eher Alibi-Funktion besitzen, und auch der Kofferraum profiliert nicht gerade durch großzügige Dimensionen.

Dafür haben Fahrer und Beifahrer reichlich Platz und genießen eine ungewöhnlich gute Rundumsicht; nach vorne fällt der Blick auf markante Kotflügel. Sobald die Landstraße frei wird, ist der BRZ in seinem Element: Die elektromechanische Servolenkung arbeitet nicht zu leichtgängig, dafür ungewöhnlich präzise; die Bremsen wirken am Druckpunkt etwas diffus, packen aber bei progressivem Pedaldruck bissig zu. Das Fahrwerk erlaubt sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten. Im Grenzbereich untersteuert der BRZ leicht, mit viel Gas setzt der BRZ allerdings auch sauber zum Drift an. Die Gewichtsverteilung ist mit 53/47 vorn/hinten nahezu ausgeglichen, der Schwerpunkt liegt auch dank des flachen Motors ungewöhnlich niedrig. Es bleibt übrigens ausreichend Restkomfort auch für längere Strecken.

Boxermotor als Herzstück des Subaru BRZ

In 7,6 Sekunden erreicht der Subaru BRZ Tempo 100
In 7,6 Sekunden erreicht der Subaru BRZ Tempo 100 © Subaru

Herzstück des BRZ ist der kompakte Boxermotor, der für die Marke die komplett neue FA-Motorenserie einläutet. Er dreht linear hoch und frei bis 7400 U/min heraus; die Sechsgang-Schaltung ist mit ihren kurzen Schaltwegen ein Meisterstück an Präzision und Leichtgängigkeit. Subaru hat einen klassischen Sportmotor vorgelegt, der entsprechend der gebotenen Leistung gute, aber nicht herausragende Fahrleistungen liefert: Der Spurt von 0 auf 100 km/h dauert 7,6 Sekunden, die Spitze liegt je nach Bereifung bei 230 oder 226 km/h.

Der Verbrauch von 6,9 Litern pro 100 Kilometer im Zyklus geht in Ordnung. Übrigens wird der vibrationsarme Boxermotor im oberen Drehzahlbereich so laut, dass man die Unterhaltung mit dem Beifahrer zwangsläufig einstellt. Dem Auspuffklang würde zudem etwas kompositorischer Feinschliff nicht schaden; wir hoffen, dass die Zunft der Tuner hier demnächst mit befriedigerenden Lösungen aufwartet.

Enttäuschung im Innenraum des Subaru BRZ

Der Innenraum des Subaru BRZ hätte wertiger ausfallen können
Der Innenraum des Subaru BRZ hätte wertiger ausfallen können © Subaru

Ironischerweise ist gerade die Verwechselbarkeit die größte Schwäche des charakterstarken BRZ. Denn er ist nahezu baugleich mit dem kommenden Toyota GT86 und einer den US-Markt vorbehaltenen Ableitung für die Toyota-Einstiegsmarke Scion. Die technische Entwicklung hat Subaru übernommen, für die Karosserie zeichnete sich jedoch in erster Linie Toyota verantwortlich. Und so nimmt es nicht wunder, dass der Neue sich nur unzureichend in die Subaru-Historie einfügt: er setzt stilistisch einen deutlichen Kontrapunkt zu den geometrisch gezeichneten Sportwagen XT und SVX.

Das Interieur-Design präsentiert sich zwiespältig. Ergonomisch gibt es wenig Grund zur Klage, die Materialien könnten allerdings hochwertiger sein. Und der Verzicht auf Selbstverständlichkeiten wie eine Mehrfachblink-Tippfunktion lässt vermuten, dass die Europäer bei der Produktdefinition nicht viel zu sagen hatten.

Stärkere Version des Subaru BRZ erwartet

Rund 30.000 Euro wird der Subaru BRZ kosten
Rund 30.000 Euro wird der Subaru BRZ kosten © Subaru

Im Vergleich zu vielen Konkurrenzmodellen macht der BRZ dennoch eine gute Figur. Er ist nicht das leistungsstärkste Angebot, wendet sich mit seinem puristischen Konzept jedoch direkt an klassische Sportfahrer. Dabei muss der Fahrer in Sachen Komfort und Alltagstauglichkeit keine ungebührlichen Kompromisse eingehen.

Freunde der Marke hoffen übrigens einen rund 300 PS starken Turbo - nicht nur, weil das Fahrwerk damit locker klarkäme, sondern auch, weil sich der Subaru damit von seinem Toyota-Schwestermodell abheben würde. Die Chancen für ein solches Modell stehen nicht schlecht: Nach dem gemeinsamen Marktstart mit dem gleichen Motor steht es beiden Marken frei, die Baureihen nach eigenem Gusto weiterzuentwickeln. (SP-X)






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