7. August 2008

Fahrbericht Fahrbericht Seat Ibiza 1.4 16 V Eisbrechers Schwäche

Der neue Seat Ibiza
Der neue Seat Ibiza © Foto: Seat

Der neue Ibiza kann im Konzert der modernen Kleinwagen wieder ein gewichtiges Wort mitsprechen und muss keinen Vergleich scheuen. Aber er überzeugt nicht in allen Belangen.




Von Martin Woldt

Dieser neue Ibiza ist eigentlich ein Eisbrecher. Abgesehen vom Smart und vielleicht dem Kia Rio ist er der erste Kleinwagen, der ein lange beklagtes Tabu im Segment bricht und mit dem Schleuderblocker ESP nicht in erster Linie noch ein paar zusätzliche Euro schindet, sondern das Sicherheitssystem konsequent in der Serie bei allen Modellvarianten mitbringt. Das macht ihn grundsätzlich sympathisch. Bislang kostete der Schleuderblocker 525 Euro extra. Jetzt kriegt man ESP mit Berganfahrhilfe und Reifendruckkontrolle inklusive. Fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest hat er gerade auch bekommen, so dass der Neue da keinen Vergleich scheuen muss.


Auf neuer Plattform

ESP für allen Modelle in der Serienausstattung gibt's selbst bei den Konzernbrüdern Polo und Fabia noch nicht. Beiden voraus hat der Ibiza auch die neue VW-Plattform A0. Sie bewirkt unter anderem, dass der Kleinwagen auf etwa drei Zentimeter breiterer Spur unterwegs ist. Bei unseren ersten Fahreindrücken überzeugte das Kurvenverhalten mit guter Spurstabilität. Nur die Lenkung lag für unseren Geschmack bei höheren Geschwindigkeiten etwas zu leicht in den Händen. Was möglicherweise am Fahrwerk lag, denn man kann sich auch für eine sportliche Version entscheiden, die mit strafferen Federn und Dämpfern ausgerüstet ist. Die angestrebte Sportlichkeit sollte sich ruhig in etwas mehr Arbeit am Steuer ausdrücken. Die Komfortversion lässt doch immer mal wieder das Gefühl zu: lieber noch mal nachfassen.

Großzügiger Kofferraum

Sportliche Form
Sportliche Form © Foto: Seat

Durch die neue Plattform wächst der Ibiza um zehn Zentimeter auf 4,05 Meter. Das sind fünf Zentimeter mehr als beim Corsa und gleich dreizehn mehr als der Polo zwischen den Stoßfängern hat. Das ergibt beinahe einen Segmentspitzenwert beim Stauvolumen. Die 292 Liter (Skoda Fabia: 300 Liter, der kommende Ford Fiesta: 295 Liter) sind 25 mehr als beim Vorgänger. Angenehmer Nebeneffekt: die Kopfstützen müssen beim Umklappen der Rückbank nicht mehr entfernt werden. Luxuriös sind die Platzverhältnisse im Innenraum indes nicht geworden. Aber bei normaler Statur haben zwei Erwachsene auch auf der Rückbank zumindest in der Breite ausreichend Platz, um noch einen Kindersitz zwischen sich zu vergurten. Anders die Kopffreiheit, wegen der abfallenden Dachlinie wird er für Körpermaße ab 1,75 Meter doch alsbald unbequem. Gutes Gefühl für Zeitgeist zeigte Seat im Cockpit. Für 50 Euro extra gibt es künftig frei von Kabelsalat auf dem Armaturenträger eine Schnittstelle für mobile Navigationsgeräte. Zunächst nur für eine bestimmte Tomtom-Edition, andere sollen aber folgen.

Fehlendes Bekenntnis

Gutes Kurvenverhalten
Gutes Kurvenverhalten © Foto: Seat

Aber so konsequent modern ist das Auto nicht in allen Belangen. Zwar schon recht sportlich zugeschnitten, misst man diese 85 PS-Version etwas vorschnell an zwar erreichbar flotten Beschleunigungswerten, um dann festzustellen, dass das nicht ohne Folgen bleibt. Denn so überzeugend dieser Seat auf der einen Seite daher- kommt: Schicke Form und gute Ausstattung, so sehr wartet man beim Tanken auf ein Bekenntnis, dass das Auto die Zeichen der Zeit auch an dieser sensiblen Stelle verstanden hat. Gut, 7,5 Liter auf 100 Kilometern Autobahn verbrannten an einem Tag der Schwerstarbeit für die Klimaanlage, bei Außentemperaturen von 32 Grad Celsius. Nicht so beim Stadtverbrauch: die 8,6 Liter bei einem auf unter 1 000 Kilogramm abgespeckten Auto erklären sich wohl eher markenpolitisch und liegen deutlich über den auf dem Prüfstand ermittelten Normwerten.

Durstiges Modell

Schickes Cockpit
Schickes Cockpit © Foto: Seat

Sie beweisen nur, dass man sich im VW-Konzern nicht durchringen konnte, ein ansonsten sehr modernes Auto auch mit modernsten Aggregaten zu bestücken. So hat dieser schwer zu kritisierende Ibiza doch eine unnötige Spaßbremse. Denn einerseits fährt er sich ziemlich leicht, liegt gut auf der Straße und kann auch auf gediegene Raumverhältnisse verweisen. Ja, in der zweiten Reihe hängt der Himmel für Erwachsenen etwas tief. Und 85 PS sind für ein Auto im ausgeprägten Kurz- und Mittelstreckenbetrieb sicher genug. Doch nötigt das träge Drehmoment zum gar nicht sparsamen Ausfahren der Gänge. Und die Abwesenheit eines Sechsten mahnt, dass schon wenig mehr als 120 km/h Autobahntempo eigentlich zu schnell für den sparwilligen Fahrer sind. Obwohl der Motor da erst munter wird. Doch eben auch sein Durst.

Preise ab 11.490 Euro

Das ist ein wenig schade für den Ibiza, der den Vergleich mit anderen keineswegs scheuen muss. Aber hier in der Liga der 4-Meter-Autos fällt nun mal die Entscheidung, wie viel individuelle Mobilität wir uns noch leisten können. Einstiegspreis für den Ibiza 1.2 mit 70 PS inklusive 300 Euro Frühbucherrabatt (soll bis Ende September möglich sein) bei 12.190 Euro. Das im Spätsommer startende dreitürige Sportcoupé ist ab 11.490 Euro zu bekommen. Der 105 Diesel ist mit 17.660 Euro aufgerufen. Der von uns gesteuerte 85-PS-Benziner steht mit 14.960 Euro in der Liste.






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