14. August 2007

Fahrbericht Saab 9-3 Cabrio: Nordisches Open-Air-Ticket

Das Saab 9-3 Cabrio
Das Saab 9-3 Cabrio © Foto: Saab

Saab hat seinen Status als knorrige Sondermarke mit Fließheck-Limousinen verloren. Im neuen 9-3 kann man sich trotzdem noch von der Masse abheben. Auch in der x-ten Neuauflage bleibt das Cabrio attraktiv.




Von Sebastian Viehmann

Seit bei Saab GM-Technik unter dem Blech steckt, hat sich auch die Außenhaut der Schweden etwas dem Mainstream genähert. Der 9-3 ist letztlich nichts anderes als ein Opel Vectra mit nordischem Einschlag. Weltweit kommt Saab zwar gut an - 2006 war das bislang erfolgreichste Jahr für die Schweden - aber die Verkaufszahlen bleiben mit knapp 133.167 Stück bescheiden im Vergleich zu anderen Marken. In Deutschland hatte der Hersteller zudem ein Minus von fast sechs Prozent zu verzeichnen. Das Cabrio bleibt hierzulande das wichtigste Modell. Jetzt haben die Schweden der gesamten Baureihe 9-3 (Cabrio, Kombi und Limousine) ein Facelift und neue Motoren spendiert. 2175 Änderungen, so Saab, seien in die neuen Modelle eingeflossen. Sehen tut man davon nicht viel.


Wie das Land, so der Saab

Der neue Grill mit den großen trapezförmigen Lufteinlässen wirkt immerhin deutlich markanter als das Vorgänger-Gesicht. «Die Naturgewalten haben die Marke Saab geformt, genau wie die Landschaft Schwedens», philosophiert Saab-Manager Jan Ake Jonsson: Wie das Land, so der Saab.

Doch nicht nur die Optik des schwedischen Freiluft-Dauerbrenners hat sich geändert. Das Saab Cabrio bekam ein neues Verdeck mit sechs statt fünf Spriegeln. Es schließt sich per Knopfdruck in 20 Sekunden. Egal ob offen oder geschlossen, der Saab macht einen äußerst soliden Eindruck. Nichts knarzt, wackelt oder klappert.

Mageres Sitzangebot im Fond

Der neue 1.9 TTiD-Motor im Saab 9-3
Der neue 1.9 TTiD-Motor im Saab 9-3 © Foto: AG/Mertens

Auch das Cockpit ist so bodenständig wie ein Facharbeiter mit Bausparvertrag. Ein paar Kleinigkeiten wie die uneleganten Lüftungsdüsen oder ein äußerst klappriger Getränkehalter lassen aber fast vergessen, dass Saab seine Modelle im Premium-Segment von Audi, BMW und Mercedes ansiedelt. Dafür gibt die Bedienung des Schweden keine Rätsel auf. An das Zündschloss in der Mittelkonsole gewöhnt man sich schnell, und Nettigkeiten wie der perfekt zu bedienende Tempomat erhöhen den Fahrkomfort.

In der zweiten Sitzreihe ist das Platzangebot mager. Etwas knickrig ist auch der Gepäckraum - 352 Liter (bei geöffnetem Verdeck nur noch 245 Liter) sowie die hohe und enge Kofferraumkante qualifizieren den 9-3 nicht gerade zum Lademeister.

Gelungener Fahrkomfort

Test Drive mit einem Saab 9-3 Cabrio
Test Drive mit einem Saab 9-3 Cabrio © Foto: AG/Mertens

Dafür stimmt der Fahrkomfort, die Straßenlage ist auch in schnellen Kurven gut. Angetrieben wird das Cabrio von einem Zweiliter-Turbomotor mit 150, 200 oder 210 PS. Das stärkste Aggregat ist der V6 mit 255 PS, der ab 2008 sogar satte 280 PS leisten soll. In Kombi und Limousine wird Saab mit diesem Motor auch den neuen Allradantrieb XWD anbieten. Ob das System auch für das Cabrio kommt, ist noch nicht sicher.

Außerdem steht für den 9-3 ein neuer Dieselmotor mit doppelter Turboaufladung zur Verfügung. Der 1.9 TTiD hat 180 PS, während der normale 1.9 TiD mit 150 Pferdestärken auskommt. Der größte Vorteil des TTiD ist das fast gänzlich gestopfte Turboloch: Bis 2800 Umdrehungen verdichtet der kleinere Turbolader die Ansaugluft, zwischen 2800 und 3200 Touren eilt der größere Lader zur Hilfe. So entstehen 400 Newtonmeter Drehmoment, die dem Saab-Cabrio jederzeit genügend Kraftreserven verleihen. Den Durchschnittsverbrauch gibt Saab mit 6,4 Litern an (mit Sechsgangschaltung).

Bioethanol sinnvolle Ergänzung

Auch geschlossen elegant
Auch geschlossen elegant © Foto: Saab

Der Dieselmotor ist für Saab aber eigentlich nur ein Nebenkriegsschauplatz. Die Marke setzt ganz auf Turbomotoren mit Bioethanol-Kraftstoff. Der 2.0t verleiht dem 9-3 Cabrio ordentliche Fahrleistungen, auch wenn der Fronttriebler gelegentlich mit Traktionsproblemen zu kämpfen hat. Gerade für Turbomotoren ist das Benzin-Alkohol-Gemisch vorteilhaft. Die höhere Oktanzahl des Bioethanols ermöglicht höhere Ladedrücke und einen früheren Zündzeitpunkt.

Besonders effizient arbeitet der Turboholiker im mittleren Lastbereich zwischen 120 und 160 Km/h auf der Autobahn. Neben dem Leistungsplus steigt beim Bioethanol-Betrieb auch der Verbrauch um etwa 20 Prozent. Ob sich Saabs BioPower im Vergleich zum Diesel lohnt, hängt also stark von den Kraftstoffpreisen ab.

Abkehr von fossilen Brennstoffen

Geschwungene Seitenlinie
Geschwungene Seitenlinie © Foto: Saab

Saab denkt sogar darüber nach, in Schweden überhaupt keine konventionellen Benzinmotoren mehr anzubieten. Der Erfolg des Bio-Kraftstoffes wird von der schwedischen Regierung kräftig unterstützt: Wer ein «Umweltauto» fährt, bekommt einen Zuschuss von umgerechnet 1000 Euro. Außerdem zahlt er weniger Steuern und darf in vielen Städten umsonst parken. Als Umweltauto gilt ein Fahrzeug dann, wenn es höchstens 120 Gramm CO2 pro Kilometer in die Luft pustet oder mit alternativen Kraftstoffen wie Bioethanol läuft. Allerdings können die Fahrzeuge auch jederzeit normales Superbenzin tanken.

Billig ist Saab Open-Air-Ticket nicht. Mindestens 34.400 Euro kostet das 9-3 Cabrio. 37.700 Euro sind für den 1.9 TtiD fällig. Dafür ist die Ausstattung immerhin ganz ordentlich.






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