4. April 2012

Fahrbericht Urbane Mobilität Renault Twizy: Zwischen Kleinwagen und Roller

Der Renault Twizy ist ein Angebot für urbane Mobilität.
Der Renault Twizy ist ein Angebot für urbane Mobilität. © Renault

Der Renault Twizy erfüllt alle Voraussetzungen an ein verändertes Mobilitätsverständnis. Er wird elektrisch angetrieben und ist mit 2,34 Meter Länge kürzer als der Smart. Was der Franzose zu bieten hat, zeigt unser Test.




Von Jens Meiners

Ein Auto will er nicht sein, der ohne Batterie ab 7.690 Euro angebotene Renault Twizy, aber er nimmt es gerne mit konventionellen Fahrzeugen auf. Wer das kurze und schmale Gefährt nicht ernstnimmt, wird bei erster Gelegenheit eines Besseren belehrt. Mit 2,34 Metern Länge ist er kürzer als ein Smart, die Breite von 1,23 Metern lässt ihn durch jede Lücke kommen. Doch im Heck steckt ein immerhin 13 kW/17 PS starker Elektromotor - und damit beschleunigt er relativ mühelos fast auf Landstraßentempo.

Das Fahrerlebnis im Twizy unterscheidet sich in wesentlichen Elementen von einem Auto oder einem Motorrad - wobei der Twizy, anders als der etwas unglückliche Roller BMW C1 - weitaus näher am Auto liegt. Das ein wenig zu konventionell gezeichnete Airbag-Lenkrad liegt in gewohnter Position vor dem Fahrer, links und rechts begrenzen - allerdings nur optional - halbhohe, teils durchsichtige Flügeltüren die Fahrgastzelle. Mit freiem Blick auf die Straße und dem Elektromotor im Heck wird Fahrspaß zum Programm. In der Stadt ist der kurze Twizy äußerst wendig; die optional angebotene hintere Einparkhilfe dürfte das überflüssigste Extra dieser Auto-Saison sein.


Direkte Lenkung im Renault Twizy

Die Lenkung ist exakt und für unseren Geschmack gerade noch ausreichend direkt, um Reminiszenzen an Go-Karts hervorzurufen. Auf engen, kurvigen Straßen ist der Twizy fast genauso wie im Stadtverkehr in seinem Element; der tiefe Schwerpunkt sorgt für gute Straßenlage bei ordentlichem Komfort. Im Grenzbereich schiebt der Franzose über alle vier Räder und untersteuert merklich. Die vier Scheibenbremsen greifen ordentlich zu, bei zu starkem Pedaldruck blockieren allerdings die Räder. Ein ABS ist ebenso wenig an Bord wie eine Stabilitätskontrolle. Trotzdem wird der Kleine sicher - nicht nur wegen seines gutmütigen Fahrverhaltens, sondern auch dank Airbag und stabiler Fahrgastzelle.

Das Cockpit im Renault Twizy
Das Cockpit im Renault Twizy © Renault

Der Stromvorrat reicht bei normaler Fahrweise für bis zu 100 Kilometer, bei sehr forcierter Fahrweise dürften es immer noch rund 60 bis 70 Kilometer sein. Dann allerdings bringt der Twizy auch richtig Freude. An Steigungen fällt das Tempo praktisch nie unter 70 km/h, in der Ebene ist bei angezeigten 83 bis 85 km/h Schluss, im Gefälle können es auch über 90 km/h werden. Weniger Freude dürfte der kleine Franzose auf gut ausgebauten Schnellstraßen bereiten - was vor allem an den anderen Verkehrsteilnehmern liegt. Seine in der Ebene erreichbare Höchstgeschwindigkeit liegt gerade unterhalb der Abregelschwelle von Lastwagen.

Twizy ist ein Zweisitzer

Der Twizy ist als Zweisitzer ausgelegt, wobei der Beifahrer direkt hinter dem Fahrer Platz nimmt. Zum Einsteigen muss der Fahrersitz nach vorne geschoben werden, anschließend sitzt man hinten zwar ungewohnt, aber durchaus bequem. Alternativ kann auf dem Rücksitz ein 60 Liter fassender, speziell entwickelter Rucksack fixiert werden. Im Heck ist ebenfalls Platz für Gepäck in Handtaschengröße, außerdem befinden sich zwei Staufächer im Armaturenbrett. Eine Heizung ist ebenso wenig vorgesehen wie eine Klimaanlage, für den Winter gibt es einen speziellen Beinschutz. Dennoch dürfte der Twizy in Deutschland eher als Fahrzeug von März bis Oktober denn als Ganzjahresmobil eingesetzt werden. In Südeuropa sieht das anders aus.

Der Twizy ist nicht als Auto, sondern als Quad klassifiziert, wird mit Nummernschildern ausgerüstet und verlangt einen regulären Führerschein. Daneben gibt es noch den 6.990 Euro teuren Twizy 45, bei dem die Leistung auf 4 kW/5 PS gedrosselt wird; er läuft bis zu 45 km/h schnell und maximal 120 Kilometer weit. Für dieses Modell reicht der Führerschein Klasse S.

Das Heck des Renault Twizy
Das Heck des Renault Twizy © Renault

Ein kompletter Ladevorgang dauert bis zu 3,5 Stunden und kostet nach Angaben von Renault rund 1,50 Euro. In Frankreich sind es dank verbraucherfreundlicherer Strompreise übrigens nur 70 Cent - ein starkes Argument für die E-Mobilität. Die Batterien müssen von Renault zu Preisen ab 50 Euro pro Monat gemietet werden; sie zählen nicht zum Grundpreis.

Das futuristische Design mit einer Rückleuchte, die an Düsenjäger erinnert, sorgt für eine gewisse „coolness" im Auftritt; als Alternative zum Motorroller oder Kleinwagen ist der Elektro-Flitzer nicht ohne Reiz. Dass er nicht als Auto, sondern als Quad klassifiziert wird, geht in Ordnung. Ansonsten wäre das Gewicht von 375 Kilogramm ohne Batterien nicht zu halten - das Konzept wäre zerstört. Vielleicht entwickelt sich ja ein ganz neues Segment: Die IAA-Studien Audi Urban Concept, Opel Rak E und Volkswagen Nils weisen in die gleiche Richtung. Diese Modelle sind allerdings noch im Konzeptstadium; Renault hat einen riesigen Vorsprung. Ab April steht der Twizy bei den Händlern. (SP-X)

Bilderschau vom Renault Twizy






Mehr zur Marke Renault

Vorgänger des TalismanGebrauchter Renault Laguna zumeist ohne Fortune

Der Renault Laguna gilt auch in seinen letzten beiden Auflagen nicht gerade zuverlässig. Den jüngeren Modellen sollte dabei der Vorzug gegeben werden.


9,6 Millionen Fahrzeuge verkauftRenault-Nissan-Allianz: Synergie-Effekte in Milliardenhöhe

Die Renault-Nissan-Allianz hat im vergangenen Jahr seine Einsparungen auf insgesamt fünf Milliarden Euro erhöhen können. Zudem ist die französische-japanische Partnerschaft auf dem Weg zum weltgrößten Automobilhersteller.


Kompaktsportler feiert Premiere auf der IAARenault Mégane R.S. mit Allradlenkung

Renault stattet den Mégane R.S. mit der Allradlenkung 4Control aus. Der Kompaktsportler feiert auf der IAA Premiere, wird aber erst im kommenden Jahr in den Handel kommen.



Mehr aus dem Ressort

Nach Facelift im FrühjahrMazda2: Kleinwagen mit Premium-Allüren

Das Kleinwagen nicht gleichbedeutend mit Verzicht sein müssen, dafür ist der Mazda2 ein gutes Beispiel. Der Japaner vermag dann doch in vielerlei Hinsicht zu überzeugen, wenn auch nicht in jeder.


Der 5er BMW ist eine fast perfekte Reiselimousine
Fast perfekte ReiselimousineBMW 520d xDrive: Gefahr für die Oberklasse

Die neue 5er-Generation von BMW avanciert zum großen Konkurrenten der Oberklasse. Selbst in der bescheiden motorisierten Variante entpuppt sich der 520d xDrive als eine der besten Reiselimousine überhaupt.


Der Land Rover Discovery ist noch ein Vertreter der alten Geländewagenschule
Echte Geländewagen-GefühleLand Rover Discovery: Harter Kerl unter Weichspülern

Mit dem Discovery hält noch ein echter Geländewagen die Fahne im SUV-Segment oben. Doch auch der Vertreter alter Werte musste Kompromisse eingehen – allerdings zum Vorteil aller.