8. Juni 2007

Fahrbericht Renault Twingo: Der Frauenversteher

Der neue Renault Twingo
Der neue Renault Twingo © Foto: AG/Flehmer

Der neue Twingo von Renault soll vor allem die Frauen ansprechen. Die Franzosen setzen dabei auf den erstmals in einem Kleinwagen eingesetzten Dieselmotor.




Von Thomas Flehmer

Renault hat sich viel Zeit gelassen. 14 Jahre nach der Einführung des Twingo haben die Franzosen den bisher über 2,4 Millionen Mal verkauften Kleinwagen auf Vordermann gebracht. Ein neues Design und die erstmalige Einführung des Dieselmotors im Kleinwagensegment sollen neue Kunden - vor allem aber Kundinnen - für den Twingo begeistern. Der rund 90 Prozent große Frauenanteil muss allerdings nicht nur dem kuscheligen Design des Vorgängers adieu sagen, sondern auch dem Sicherheitsanspruch, den der französische Hersteller bei seinen anderen Modellen bestens erfüllt. Und ob das den Frauen gefällt, wird sich zeigen.


Keine Kulleraugen mehr

Denn vorbei ist es mit kleinen Kulleraugen, aus denen die Scheinwerfer lugten und einer runden Linie. Der neue Twingo ist erwachsener geworden, ohne allerdings die Pubertät schon verlassen zu haben. Der im slowenischen Novo Mesto gemeinsam mit dem Clio Campus gefertigte Kleinwagen präsentiert zwar eine charakterstarke Front mit langgezogenen Scheinwerfern, Nebelscheinwerfern im Stoßfänger sowie dem neuen Renault-Gesicht mit einem kleinen Kühlergrill.

Doch ab der Seitenlinie präsentiert sich der Kleine austauschbar und hat den Charme des Vorgängers, der Frauen stark anzog, verloren. Sehr zusammengestückelt wirkt die Heckpartie des um 17 Zentimeter auf 3,60 Meter gewachsenen Twingo. Die Heckklappe erinnert an den Modus, der kleine Bürzel, der alle Renault-Modelle auszeichnet, musste halt um jeden Preis auftauchen und wirkt dementsprechend verkrampft.

Wertiges Interieur

Wertiges Interieur
Wertiges Interieur © Foto: Werk

Doch während das Design nicht nur die weiblichen Fans spalten wird, kann er im Innenraum mächtig punkten. An Höhe hat der Twingo knapp fünf Zentimeter (1,47 Meter) gewonnen. Wenn allerdings das Glasschiebedach geordert wird, gehen drei Zentimeter verloren - Sitzriesen bekommen dann Beklemmungen, die ohne Glasdach völlig wegfallen.

Auch sonst gefällt das Interieur. Die Materialien wirken wertig, die Mittelkonsole mit dem CD-Radio und Navigationssystem dagegen klotzig. Ebenfalls mittig sind die Instrumente angebracht. Optional kann ein Drehzahlmesser oberhalb des Lenkrades installiert werden. Auch hier gehen die Geschmäcker auseinander.

Schminkspiegel auf Fahrerseite

Großzügiger Kofferraum
Großzügiger Kofferraum © Foto: Werk

Dass der Twingo ein Frauen-Auto ist wird beim Schminkspiegel deutlich. Auf der Beifahrerseite fehlt er, dafür kann die Fahrerin beim Halt an der Ampel die Lippen nachziehen. Die Sitze haben etwas zu wenig Sitzfläche und Halt. Dafür steht genügend Platz für Mensch und Materialien zur Verfügung. Ablageflächen stehen zur Verfügung, das Handschuhfach hat an Volumen zugelegt und auch mit den Beinen gibt es keine Probleme.

2,37 Meter Radstand sind genug für vier Personen. Falls es den Insassen auf den beiden hinteren Einzelsitzen, die in den Ausstattungsniveaus Expression und Integrale angeboten werden, nicht ausreicht, kann die Bestuhlung um 22 Zentimeter weiter in Richtung Kofferraum bewegt werden. Dann stehen allerdings nur noch 165 Liter Kofferraumvolumen zur Verfügung.

Präzise Lenkung

Das Heck des Twingo
Das Heck des Twingo © Foto: AG/Flehmer

Doch der Twingo ist flexibel. Je nach Anordnung der Sitze steigt das Volumen auf für diese Klasse gute 951 Liter an. Dann können Gegenstände bis zu zwei Metern Länge transportiert werden. Trotz dieser Größe erscheint der Parksensor, der zudem zu früh reagiert, doch etwas übertrieben. Er unterstreicht nur das Klischee, dass Frauen selbst 3,60 Meter Länge und 1,66 Breite nicht einparken können.

Auch sonst bei den ersten Testfahrten bereitete der Twingo 1.5 dCi, der bereits andere Renault-Modelle befeuert, keine Probleme. Das Fahrwerk ist straff, die Lenkung präzise. In Kurven krängt der Twingo schnell, aber er ist ja auch kein Flitzer, sondern ein praktisches Modell. 14,9 Sekunden benötigt der 47 kW/65 PS-starke Selbstzünder, um den dreistelligen km/h-Bereich zu erreichen, 64 weitere Stundenkilometer, dann ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht.

Sechster Gang und ESP fehlen

Keine Kulleraugen mehr
Keine Kulleraugen mehr © Foto: Werk

Leider fehlt ein sechster Gang, der nicht nur die nicht allzu lauten Motorengeräusche des Diesels noch leiser halten würde, sondern auch zur Kraftstoffersparnis beitragen könnte. Die angegebenen 4,3 Liter und ein CO2-Ausstoß von 113 Gramm auf einem Kilometer sind aber auch so schon ein sehr guter Wert.

Abstriche müssen auch bei der Sicherheit gemacht werden. Auf ein ESP wurde zunächst ganz verzichtet, es kommt erst im Jahr 2008. Auch lediglich zwei Airbags in der Basisausstattung scheinen nicht mehr zeitgemäß. Gegen Aufpreis können bis zu insgesamt sechs Airbags geordert werden. Schade, denn gerade von Renault ist man anderes gewöhnt.

50 Euro teurer als Vorgänger

Die Seitenansicht
Die Seitenansicht © Foto: AG/Flehmer

So bleibt der Preis für den ab dem 7. September erhältlichen Twingo mit 9250 Euro sehr stabil. Der Vorgänger war lediglich 50 Euro billiger. Drei Benziner und ein Diesel stehen dabei zur Auswahl. Das mit 50 Prozent größte Verkaufsvolumen wird für den zweitstärksten Benziner mit 56 kW/75 PS erwartet. In der Ausstattungsvariante Expression kostet der 1.2 16V mindestens 10.700 Euro, die höhere Variante Dynamique beginnt bei 11.200 Euro.

Rund 20 Prozent aller Käuferinnen und auch Käufer werden sich laut Renault für das Dieselmodell entscheiden. 11.900 Euro sind in der Variante Expression fällig, 500 Euro mehr kostet es mit der Dynamique-Ausstattung. Es war halt schon nicht ganz billig, Frauen zu verstehen.






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