20. April 2007

Fahrbericht Megane Renault Sport: Agiler Diesel

Renault Megane Sport 2.0 dCi
Renault Megane Sport 2.0 dCi © Foto: AG/Flehmer

Die Sportabteilung von Renault lässt es dieseln. Mit dem Megane Renault Sport 2.0 dCi schaffen die Franzosen eine Brücke zwischen Sportlichkeit und Alltagsnutzen.




Von Thomas Flehmer

Automobile Sportlichkeit und Diesel finden immer enger zueinander. Im vergangenen Jahr gewann Audi als erster Rennstall mit einem Selbstzünder das legendäre 24 Stunden-Rennen von Le Mans, in diesem Jahr stellt Peugeot ebenfalls einen Diesel auf die Rennstrecke. Auch im hart umkämpften C-Segment hat der Diesel Einzug bei den sportlich ausgerichteten Fahrzeugen gehalten. Wurden 2002 gerade einmal 11.000 Stück sportlicher Diesel-Fahrzeuge ab 140 PS verkauft, waren es im vergangenen Jahr bereits 50.000 Einheiten. Die sportliche Abteilung von Renault zieht jetzt nach und stellt sich den Golf GT TDI, Audi A3 TDI, BMW 120d oder dem Volvo C30. Ein Jahr nach der Einführung der neuen Megane-Generation arbeitet nun auch unter der Motorhaube des Megane Renault Sport ein Selbstzünder.


Renaults Allzweckwaffe

Dabei reichte Renault der Griff in das Konzernregal. Der 2.0 dCi mit Piezo-Einspritzung und Rußpartikelfilter sowie 127 kW/173 PS arbeitet bereits im Laguna, Espace und Velsatis. Aber auch im Megane Grandtour und im Megane GT kommt die Allzweckwaffe zum Einsatz - dann allerdings «nur» mit 110 kW/150 PS.

Keine Frage aber, dass im Topmodell der Megane-Baureihe auch der Topmotor seine Arbeit verreichten muss. Und das tut er - wie bei den anderen Modellen - mehr als zuverlässig. Innerhalb von 8,3 Sekunden bringt der Diesel den Sportler bis zur 100 km/h-Marke dank einem starken Drehmoment von 360 Nm, die bei 2000 U/min bereits ihre volle Kraft einsetzen.

Fahrfreude in ruhiger Umgebung

Auffällig ist das Sportfahrwerk
Auffällig ist das Sportfahrwerk © Foto: AG/Flehmer

So verschaffte der Druck auf das Gaspedal bei den ersten Testfahrten hohe Freudengefühle, genau wie man es in dieser Klasse erwartet: sportlich, dynamisch ohne dabei protzig zu wirken. 220 km/h schafft der kompakte Sportler, doch viel mehr Spaß bietet eine Tour auf einer kurvigen Landstraße. Dabei wird den Rennsportfanatikern ein Punkt sauer aufstoßen: Man hört kein sonores Gluckern und kein aufbrausendes Aggregat. Trotz sportlicher Fahrweise ist der Commonrail-Diesel eher ein ruhiger Geselle, ohne dabei an Fahrspaß einbüßen zu müssen.

Für den Fahrspaß verantwortlich ist auch das gut abgestimmte Fahrwerk, das den direkten Kontakt zur Straße schafft und dabei trotzdem viel Fahrkomfort bietet. Selbst das für 1000 Euro erhältliche Sportfahrwerk mit einer strafferen Abstimmung und abschaltbarem ESP bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h schafft den Spagat zwischen Sportlichkeit und Alltag. Da in diesem Paket auch 18 Zöller enthalten sind, sollte das Geld investiert werden, um noch optimaler das Auto nutzen zu können und den Fahrspaß zu erhöhen.

Spagat zwischen Sport und Alltag

Spagat zwischen Sportlichkeit und Alltag
Spagat zwischen Sportlichkeit und Alltag © Foto: AG/Flehmer

Allerdings geht durch die Fahrfreude auch der Spritverbrauch, den Renault mit 6,5 Litern Diesel auf 100 Kilometer angibt, in die Höhe. Somit werden auch die 172 Gramm CO2 beim Ausstoß auf einem Kilometer nicht zu halten sein.

Auf der anderen Seite beweist der Megane Renault Sport seine Alltagstauglichkeit, denn schon bei niedrigen Geschwindigkeiten lädt der Wagen, der als Drei- oder als Viertürer zu haben ist, schnell in hohen Gängen zum Cruisen ein. Dann ist auch der von Renault angegebene Verbrauchswert wieder in Reichweite.

Hohe Sitzposition, wenig Kopffreiheit

Äußerlich unterscheidet sich der im traditionsreichen Werk Dieppe in der Normandie gefertigte Sportler nur gering von den normalen Brüdern. Weit nach außen gerückte Nebelscheinwerfer und ein großer Lufteinlass in der Bugschürze unterstreichen den sportlichen Charakter. Auch am Heck umschließen vergitterte Luftauslassöffnungen den Doppelrohrauspuff.

Im Innern dürfen Aluminium-Applikationen an der Mittelkonsole und den Pedalen nicht fehlen. Die Nullstellung des Lederlenkrades kennzeichnet eine rote Naht, Die Sportsitze passen sich den Konturen der Insassen an. Aufgrund einer großen Konsole sitzen Fahrer und Beifahrer aber schon in der Grundstellung sehr hoch. Die Kopffreiheit ist daher nur mäßig vorhanden.

Sportfahrwerk statt Navi

Ebenfalls kein gutes Bild gab das Navigationssystem Carminat 2+ ab. Auf den Testrunden versagte die nette Stimme mehrmals ihren Dienst oder kam zu spät. Zudem ist bei einfallenden Sonnenlicht die Anzeige auf dem 16:9-Farbbildschirm nicht zu erkennen. Die 2350 Euro könnten da eher in das bereits erwähnte Sportfahrwerk investiert werden. Dann bliebe auch noch Geld übrig für Seitenairbags hinten (300 Euro), Reifendruckkontrolle (220 Euro), Metallic-Lackierung (640 Euro) oder ein Panorama Glas-Schiebdach für 900 Euro) sowie einer Klimaautomatik (450 Euro) oder der speziellen Lederpolsterung «Renault Sport» für 1450 Euro.

Ansonsten hat der Megane Renault Sport bereits alles an Bord und steht als Dreitürer ab 25.700 Euro zur Verfügung. Der Fünftürer ist 700 Euro teurer, bietet aber denselben Fahrspaß und Alltagsnutzen.









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