26. Oktober 2009

Fahrbericht Renault Megane RS Jäger im Golf-Revier

© Foto: Renault

Renault hat dem Megane 250 Pferdestärken verpasst. Der kompakte Sportler fühlt sich besonders auf kurvenreichen Straßen wohl.




Von Holger Glanz

In der Spitzengruppe der kompakten Hochleistungssportler reiht sich Renault nun mit dem Megane RS ein. Das Coupé wird von einem 184 kW/250 PS starken Turbobenziner angetrieben und tritt damit gegen VW Golf R, Seat Leon Cupra R und Audi S3 an. Gegenüber seinen Wettbewerbern ist der Franzose mit einem Startpreis von 26.650 Euro jedoch fast ein Schnäppchen. Starttermin ist Ende November.


In 6,1 Sekunden auf 100 km/h

Vom normalen Megane Dreitürer unterscheidet sich die neue Top-Version äußerlich durch angedeutete Luftauslässe hinter den Vorderrädern, einen Diffusor unter dem zentralen Auspuffendrohr und einen schwarzen Frontspoiler, der an die Frontflügel eines Formel-1-Renners erinnern soll. Im Innenraum fällt neben diversen Sport-Emblemen besonders der knallgelbe Drehzahlmesser auf, aber auch die gelochten Alu-Pedale, die Daumenstützen am Lenkrad und die höheren Seitenwangen der Vordersitze sorgen für ein sportliches Plus.

Der zwei Liter große Benziner mit zweistufigem Turbolader beschleunigt den Fronttriebler mit seinem Leistungsgewicht von lediglich 5,8 kg/PS laut Hersteller in 6,1 Sekunden von null auf 100 km/h. In der Spitze schafft der Megane 245 km/h und gehört damit im Wettbewerbsvergleich zur Champions-League. Schon bei 1900 Umdrehungen stehen 80 Prozent des Drehmoments von 340 Nm bereit, weswegen man hier von einem runden, elastischen Sportmotor Reden kann. Das Vierzylindertriebwerk dreht willig und mit dumpf-bissigen Ton hoch, erlaubt aber auch das Dahinbummeln im sechsten Gang ab etwa 1700 Umdrehungen. Die Lenkung agiert präzise. Und schließlich sorgt auch schon das geschmeidig schaltbare, eng gestufte Sechsganggetriebe für genug Fahrvergnügen.

Hohe Fahrwerksqualität

Schnelle, kurvenreiche Strecken sind das Metier des Sport-Mégane, der sich von seinen zahmeren Brüdern auch durch eine hohe Fahrwerksqualität abhebt. Maßgeblich ist dabei die Vorderachse mit entkoppelten Lenkzapfen.
Federung und Lenkung sind vollständig getrennt, was Lenkpräzision und Traktion des Fronttrieblers wesentlich erhöht. Speziell die Traktion und damit die Fähigkeit, aus engen Kurven heraus zu beschleunigen, kann durch eine mechanische Differenzialsperre mit 35 Prozent Sperrwirkung gegen Aufpreis noch verbessert werden. Wer sie haben will, muss für 1600 Euro das «Cup»-Paket bestellen und erhält damit eine nochmals härtere Feder- und Dämpferabstimmung. Im Preis enthalten sind auch steifere Stabilisatoren, rot lackierte Bremssättel, geschlitzte Bremsscheiben und 18-Zoll-Leichtmetallräder mit 235/40- statt 225/40-Reifen.

Während das Cup-Fahrwerk mit seiner harten Abstimmung nicht jedermanns Sache sein dürfte, federt das normale Sportfahrwerk noch ordentlich. Dennoch hat man ein satt auf der Straße liegendes Auto, das aus einer Kurve eine Gerade zu machen scheint. Der Renault Megane RS ist ein Auto für Fahrer mit Super-Plus im Blut, dessen Motor sich allerdings mit normalem Super-Benzin zufrieden gibt und davon laut Hersteller im Schnitt nur 8,4 Liter/100 km verbraucht. Auf unserer Testfahrt schluckte er allerdings 11,3 Liter.

Schlechte Sicht nach hinten

Die Serienausstattung des Megane RS kann sich sehen lassen. Klimaanlage, Tempomat, schlüsselloser Zugang und ein hochwertiges Audio-System sind immer an Bord. Einparksensoren für das Heck ebenfalls. Denn wie beim normalen Mégane Coupé muss neben dem engen Fondraum und der hohen Kofferraumladekante auch eine schlechte Sicht nach hinten in Kauf genommen werden. Gegen Aufpreis lässt sich der Sportler weiter aufrüsten. Für 1600 Euro gibt es reinrassige Schalensitze von Recaro. 400 Euro kostet ein spezieller Monitor, der über die unmittelbare Motorleistung, das Drehmoment, den Ladedruck und die Öltemperatur und sogar über die Querbeschleunigung Auskunft gibt. Außerdem lässt sich dann das Ansprechverhalten des Gaspedals verändern. Eine Stoppuhr zur Rundenzeiten- und Beschleunigungsmessung mit Speicherfunktion gehört ebenfalls dazu.

Sehr gute Fahrleistungen und das gelungene Fahrwerk sprechen für den Megane RS. Hinzu kommt ein vergleichsweise ziviler Preis, auch wenn sich einige interessante Extras erst auf der Optionsliste finden. Kompakte Kraftprotze dieser Leistungsklasse sind eine Seltenheit, so dass der flotte Franzose auch im deutschen Golf-Revier seine Interessenten finden dürfte. (mid)






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