18. September 2006

Fahrbericht Renault Master: Familienanschluss inklusive

Der neue Renault Master
Der neue Renault Master © Foto: Werk

Die Zeiten von verdreckten und speckigen Innenräumen bei Nutzfahrzeugen sind vorbei. Nicht nur im Innenraum kann der neue Renault Master PKW-ähnliche Elemente aufweisen.




Von Thomas Flehmer

Sparsame Einrichtung, abgenutzte Materialen, lediglich funktionale Armaturen und schlappe Motoren - so präsentierten sich bisher Nutzfahrzeuge. Doch die Ansprüche an einen Werkstattwagen sind mittlerweile gewachsen. Ebenso wie bei den Pickups hält auch bei den Nutzfahrzeugen der Komfort Einzug. Renault hat mit dem neuen Master diesen Ansprüchen Rechnung getragen. Der seit acht Jahren in Europa ununterbrochene Marktführer bei leichten Nutzfahrzeugen steht aber auch unter dem Druck, den Trend mitzugehen, um seine bisherigen 14,2 Prozent nicht zu verlieren.


Aufgeräumter Innenraum

Viel getan hat sich deshalb im Innenraum. Die Arbeiter sollen sich auf den Wegen zur Arbeit wohl fühlen. So erhält das Interieur der jüngsten Generation PKW-ähnliche Züge. Neue Stoffpolsterungen und viele Ablagemöglichkeiten vermitteln eher Gemütlichkeit statt Anstrengung. Der Fahrersitz ist neigungseinstellbar und eine Armlehne sorgt für zusätzliche Entlastung. Selbst ein optional bestellbares Navigationssystem mit übersichtlichem 16:9-Farbmonitor verwandelt das reine Arbeitsgerät in ein Freizeitmobil. Doch bei dem angebotenen Carminat 2+ mit dynamischer Routenführung ist Vorsicht geboten, da Aussetzer bereits in den getesteten Renault Trafic und im Laguna vorkamen.

Auch der Transportraum bietet einiges. Bereits der niedrige Ladeboden von 54 Zentimetern Höhe erleichtert das Einsteigen. Eine Schiebetür, beim Kastenwagen können es auf Wunsch auch zwei sein, sorgen auch an engen Stellen für Entlastung, die sich im Innern fortsetzt. In drei Längen, Höhen und Gewichtsklassen steht der Master zur Verfügung. Bereits in der Basisversion mit 4,9 Metern Länge, 2,26 Metern Höhe und 1,99 Metern Breite ist genug Platz gegeben. Ganze acht Kubikmeter fasst der Transportraum. Bei der größten Version mit einem langen Radstand und Maxidach vergrößert sich das Volumen auf 13,9 Kubikmeter. Hier passt eine ganze Werkbank locker hinein.

Intelligente Diebstahlsicherung

Viel Platz zum Transportieren
Viel Platz zum Transportieren © Foto: Werk

Um den Transportraum aufzuschließen, muss man den Zündschlüssel abziehen und zum Öffnen nach hinten laufen. Was zunächst komisch anmutet, entpuppt sich als intelligente Lösung. Somit kann die Fahrerkabine, die es auch als Doppelkabine gibt, abgeschlossen werden und sichert so vor Diebstählen während der Arbeitszeit im Transportraum.

Und auch die von uns getestete neue Motorisierung mit einem 2,5 Liter Diesel mit 107 kW / 146 PS, die das bisherige 3.0 Triebwerk ersetzt vermittelt Freude. Nichts mehr mit rechter Spur. Der Master kann gut mithalten. Dank 320 Nm bei 1500 U/min und eine Spitzengeschwindigkeit von 159 km/h verscheucht der mit einem Rußpartikelfilter ausgestattete Common-Rail-Diesel auf der Langstrecke die Langeweile.

Quickshift entlastet

Quickshift-Getriebe entlastet
Quickshift-Getriebe entlastet © Foto: Werk

Vor allem dann, wenn der Unternehmer das neu entwickelte Sechsgang- Automatikgetriebe geordert hat, die für die Topmotorisierung und den 2.5 dCi 120 erhältlich ist. Bei dem Quickshift-Getriebe kann sich der Fahrer ohne zu Schalten auf den Verkehr konzentrieren. Ebenso wie beim kleineren Master arbeitet das neue Getriebe völlig unverkrampft.

Aber auch die manuelle Schaltung lässt die längere Reise dank des sechsten Ganges nicht zum Abenteuer werden. Natürlich hört man den Unterschied zwischen einem PKW und einem leichten Nutzfahrzeug, doch die gute Geschwindigkeit und der sparsame Verbrauch von rund neun Litern, der aber je nach Ladung variiert, lassen darüber hinwegsehen. Immerhin müssen bei mittlerer Länge, Höhe und Breite (5,40 Meter/2,50/1,99) rund 2,2 Tonnen bewegt werden.

Spezialist für viele Fälle

Der Master als Bus
Der Master als Bus © Foto: Werk

Doch nicht nur als Werkstattwagen im Blechkleid bietet sich der neue Master an, sondern auch für den Personentransport als Minibus für neun Personen oder als Bus mit 16 Sitzen. Das Chassis dient seit zwei Jahren zudem über 20 Aufbauspezialisten als Basis für Wohnmobile. Rund 40 Prozent aller Master treten ihren Dienst im Freizeitbereich an. In diesen Bereich werden auch die Modelle der ab Ende Oktober erhältlichen neuen Generation hinwandern.

Die gebeutelten Arbeitnehmer hingegen können sich selbst zum Feierabend an den ab 26.970 Euro teuren Master erfreuen. Beim Komfort-Paket sind nicht nur elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung sowie elektrisch beheizbare Außenspiegel, Regensensor und automatisches Licht enthalten. Die «Show-me-home»-Funktion leuchtet noch 30 Sekunden nach dem Abschließen den Weg nach Hause. Bei so viel Komfort ist allerdings fraglich, ob es der Arbeiter überhaupt soweit kommen lässt.






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