28. Dezember 2011

Fahrbericht Konventionell unterwegs Renault Latitude: Keine Experimente mehr

© Renault

Mit dem Latitude hat Renault in der Oberklasse wieder den konventionellen Weg eingeschlagen. Dabei würde man sich bei der Limousine die ein oder andere Extravaganz wünschen.




Es gab eine Zeit, in der man sich durch den Besitz eines französischen Automobils der Oberklasse als Mitglied einer gesellschaftlichen Avantgarde auswies. Ein Renault 30 oder ein Citroen CX galten als Beleg für die intellektuelle Unabhängigkeit ihres Besitzers, der sich damit - scheinbar - vom Statusdenken des deutsche Marken bevorzugenden Establishments löste. Zudem zeigten die großen Franzosen oft das intelligentere Fahrzeugkonzept. Der spezifisch französische Ansatz wurde bis in die neunziger Jahre beibehalten, und noch der Renault 25 zeichnete sich durch eine beachtliche Präsenz auch auf den Exportmärkten auf. Der langweilige Safrane und der an eine Großraumlimousine erinnernde Vel Satis konnten an diese Erfolge nicht mehr anknüpfen.


Renault Latitude auf Nissan-Plattform

Seit einem knappen Jahr gibt es wieder einen großen Renault - diesmal mit einem wiederum völlig anderen Ansatz: Beim Latitude handelt es sich um eine umetikettierte Limousine aus dem Modellprogramm der koreanischen Renault-Tochter Samsung - sie hat das Modell SM5 auf einer Nissan-Plattform entwickelt.

Wer jedoch hofft, diese exotische Gemengelage wäre Garant für ein ebenso faszinierendes Fahrzeug, dürfte sich getäuscht sehen: Von außen wirkt der Latitude derart konventionell und unauffällig, dass er beinahe schon wieder eine Sonderstellung einnimmt. Kurzer Radstand, ausladende Überhänge und viel Blech über den Radausschnitten machen schon optisch deutlich, dass Sportlichkeit kein vorrangiges Entwicklungsziel war.

Gutes Platzangebot im Renault Latitude

Komfortables Sitzen im Renault Latitude
Komfortables Sitzen im Renault Latitude © Renault

Dieser Eindruck bestätigt sich auch im Interieur. Eine wuchtige Armaturentafel breitet sich weit in die Horizontale aus, an der Mittelkonsole will schwarzer Kunststoff die Illusion von Klavierlack wecken. Immerhin ist der Latitude komfortabel: Es sitzt sich gut auf den breiten Fauteils mit serienmäßiger Massagefunktion, und die Beifahrerin darf sich mit dem Parfümspender beschäftigen, der eine Auswahl von Düften zerstäuben und ins Interieur blasen kann.

Das Platzangebot ist gut, der Kofferraum mit 477 Litern groß ausgefallen. Noch einladender würde das Interieur in dem eleganten beige wirken, das auf anderen Märkten angeboten wird. In Deutschland gibt es jedoch lediglich tristes anthrazit. Auch das Farbangebot für das Exterieur ist recht überschaubar: schwarz und silber.

Renault Latitude serienmäßig mit Automatik

Sportlichkeit geht dem Renault Latitude ab
Sportlichkeit geht dem Renault Latitude ab © Renault

Der gelassene Charakter des Latitude spiegelt sich in seiner Fahrwerksabstimmung wider: Die Lenkung ist leichtgängig, filtert Informationen über den Fahrbahnzustand jedoch gnadenlos weg. Und das Fahrwerk ist ebenfalls weich abgestimmt, der Komfort leidet im Konkurrenzvergleich jedoch unter dem relativ kurzen Radstand.

Der 127 kW/173 PS starke Vierzylinder-Dieselmotor geht geräuscharm ans Werk, die Fahrleistungen sind jedoch nur befriedigend. Von 0 auf 100 km/h verstreichen zehn Sekunden, über 180 km/h geschieht nicht mehr viel. Um die Spitze von 205 km/h zu erreichen, ist beträchtlicher Anlauf erforderlich. Besser lässt man es mit rund 160 km/h bewenden - dann bleibt der Verbrauch auch in Rufweite der vom Werk angegebenen 6,5 Liter pro 100 Kilometer. Eine Sechsgang-Wandlerautomatik ist Serie.

489 Euro monatliche Rate für den Renault Latitude

Hauptsächlich wird der Renault Latitude geleast
Hauptsächlich wird der Renault Latitude geleast © Renault

Die Vergleichbarkeit des Latitude wird durch das ungewöhnliche Vertriebskonzept erschwert: Während das von uns getestete Modell in Frankreich für gut 40.000 Euro zu erwerben ist, wird die Limousine in Deutschland hauptsächlich verleast. Ein 47-Monats-Leasing kostet bei 40.000 Kilometern Gesamtfahrleistung 489 Euro im Monat, bei 80.000 Kilometern Gesamtfahrleistung 549 Euro - ohne Sonderzahlung.

Inbegriffen sind sämtliche Wartungs- und Verschleißarbeiten. Ungewöhnlich niedrig sind die in der Rechnung angesetzten Laufleistungen - pro Jahr rund 10.000 bzw. 20.000 Kilometer. Nicht eben viel für ein potentielles Geschäftsfahrzeug, aber vielleicht genau das richtige für den einstigen Renault-30-Fahrer, der mit der Avantgarde abgeschlossen hat und sich noch einmal eine große Limousine gönnen möchte. (SP-X)






Mehr zur Marke Renault

20 Fahrzeuge für sechs RennwochenendenRenault belebt Alpine Cup neu

Die neue Alpine A110 ist noch nicht auf dem Markt. Mutter Renault denkt aber bereits an einen Neuanfang des Markenpokals, der vor knapp 30 Jahren nach drei Saisons ein Ende fand.


Zur Saison 2018/2019Nissan übernimmt Formel E-Lizenz von Renault

Nissan steigt ab der fünften Saison in die Formel E ein. Die Japaner übernehmen dann die Lizenz vom Allianzpartner Renault.


Neue Strategie «Alliance 2022»Renault-Nissan-Allianz strebt in Richtung weltgrößter Autohersteller

Die Renault-Nissan-Allianz will bis 2022 14 Millionen Autos pro Jahr verkaufen. Gemeinsam mit Mitsubishi sollen in diesem Zeitraum zehn Milliarden Euro an Synergien pro Jahr eingespart werden.



Mehr aus dem Ressort

Porsche hat auch den Panamera Kombi hybridisiert
Turbo S E-Hybrid Sport Turismo mit 680 PSHybrider Porsche Panamera Kombi: Teilzeit-Stromer der Superlative

Porsche hat die Kombivariante des Panamera an den Stecker gepackt. Die hybride Zufuhr dient dem Turbo S E-Hybrid Sport Turismo dabei sowohl der Leistungssteigerung als auch der emissionsfreien Fahrt durch urbane Umweltzonen.


Japaner polarisiertHonda Civic Type R: Fast and Furios

Dieses Auto polarisiert: Die einen fahren auf das Design des Honda Civic Type R ab, für die anderen wirkt es schlicht prollig. Dabei hat der Japaner abseits seines Aussehen viele Stärken.


Der Fiat Fullback Cross fühlt sich abseits der Straßen sehr wohl
Baugleich mit dem Mitsubishi L200Fiat Fullback Cross: Das Problem mit der Verwandtschaft

Das Segment der Pickups bildet noch eine kleine Community in Europa. Der Fiat Fullback Cross trifft dabei auf eine große multikulturelle Verwandtschaft der Lastenträger.