29. März 2006

Fahrbericht Renault Laguna: Komfortabler Franzose

Der 1.9 dCi-Motor
Der 1.9 dCi-Motor © Foto: Press-Inform

Der Renault Laguna vermittelt einen Hauch von Premium. Die Fahreigenschaften des von uns getesteten 1.9 dCi lassen so gut wie keine Wünsche offen. Einzig die Elektronik schwächelte.




Von Jürgen Wolff

Mit dem Laguna ist Renault angetreten, Oberklasse-Feeling in die Mittelklasse zu bringen. Sieht man sich allein schon die Ausstattung unseres Testwagens an, so ist das in weiten Teilen gelungen.


Renault setzt auf KeyCard

Schon der Einstieg hat Oberklasse-Komfort: Ohne Schlüssel, nur mit der KeyCard in der Tasche, öffnet sich der Franzose schon bei der Annäherung. Gestartet wird auch «keyless»: mit kurzem Druck auf den - unübersehbaren - Start-Knopf. Dabei ist es nicht nötig, die Schlüsselkarte in den dafür vorgesehenen Schlitz in der Mittelkonsole zu stecken - aber ratsam: So geht er wenigstens nicht verlustig.

Angeblich ist die Startelektronik launisch - unser Testwagen zumindest bockte auf knapp 3000 Testkilometern in 14 Tagen nicht ein einziges Mal. Brav funktioniert hat auch die automatische Parkbremse: Beim Abstellen des Laguna greift sie selbstständig, ein kurzes Anfahren löst sie wieder. Weniger problemlos das Navigationssystem. Einfach und logisch zu bedienen, Staus elegant umfahrend, mit gut lesbarem Display und klaren Sprachanweisungen. Alles prima. Bis zum ersten Nachladen der geänderten Fahrstrecke - Lesefehler, CD auswechseln. Nur: Jeder Druck auf die Auswurftaste bleibt ohne Reaktion. Das Handbuch offenbart auch keine versteckten CD-Laufwerke.

Probleme der Elektronik

Der 1.9 dCi-Motor
Der 1.9 dCi-Motor © Foto: Press-Inform

Erst am letzten Testtag erbarmt sich die Scheibe und gleitet hämisch und gut erholt aus dem Schacht. Da mochte die elektronische Reifendruckkontrolle offenbar nicht nachstehen und zeigte im Display des Tachos gelegentlich leichten Unterdruck an. Nur, um nach ein paar Minuten wieder zu signalisieren: alles okay.

Ansonsten aber: Der vom Design her an ein viertüriges Coupé erinnernde und durchaus sportlich anmutende Laguna erwies sich als ein sehr angenehmes Reiseauto. Die Franzosen haben mit ihm gute Arbeit geliefert. Innen ist reichlich Platz auf den vorderen Sitzen - und auch hinten kommt man mit Knie und Haupthaar gut klar. Größere Fahrer dürfte allerdings die nur mäßige Verstellbarkeit und selbst in der unteren Einstellung relativ hohe Sitzfläche etwas nerven. Da hilft auch die gute Verstellbarkeit des Lenkrades nicht mehr wirklich. Die Sitze hinten sind als Einzelsitze ausgeformt - vier Passagiere, das reicht auch.

Große Instrumente

Das Heck des Franzosen
Das Heck des Franzosen © Foto: Press-Inform

Die Instrumente sind groß, übersichtlich, logisch und gut erreichbar. Praktisch die vielen sinnvollen Ablagen. Verarbeitung und Materialien sind angenehm und ohne jeden Tadel. Kein Klappern, kein Knarzen - auch nicht bei Minusgraden. Eingeschränkt das Sichtfeld nach hinten: Die breiten Fensterposten und das hohe Heck sind daran schuld. Der Kofferraum in diesem Heck hat mit 430 Liter eine durchschnittliche Größe, lässt sich aber durch die weit öffnende Heckklappe sehr gut beladen.

Der Motor sorgt mit permanentem aber noch dezentem Nageln dafür, dass man seine Natur nicht vergisst: Aha, ein Diesel. Die Nagelei ist aber auch die einzige kleine Schwäche, die er zeigt. Ob beim Anfahren oder beim flotten Beschleunigen: Nie leistet er sich Schwachheiten und geht durchzugsstark mit.

Immerhin kommen aus den 1870 ccm Hubraum 96 kW/130 PS und ein Drehmoment von 200 Nm bei 2000 U/min. Das reicht bei fast 1,5 Tonnen Leergewicht zwar nicht für Renneinsätze, wohl aber für ein bequemes Fortkommen im Alltag. Etwas mehr als zehn Sekunden braucher Laguna von 0 auf 100 km/h, die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 204 km/h schaffte unser Testwagen aber nur arg knapp.

Hoher Verbrauch

Die Keycard im Laguna
Die Keycard im Laguna © Foto: Press-Inform

Auch mit dem Verbrauch von (laut Renault) 5,9 Litern auf 100 km kamen wir erwartungsgemäß nicht klar. Gut acht Liter waren fällig - überwiegend flott gefahren auf Langstrecken. Die Lenkung des 4,6 Meter langen Laguna ist etwas leichtgängig ausgefallen. Aber sie arbeitet präzise und vermittelt ein gutes Gefühl zur Straße. Die sechs Gänge des Handschaltgetriebes sind gut auf die Charakteristik des Diesels abgestimmt und lassen sich präzise und leicht schalten. Die Federung erwies sich als ausgewogen bis straff und schluckt Fahrbahnunebenheiten gut weg. Der Laguna liegt dabei gut in der Spur - nicht nur, wenn es geradeaus geht. In Kurven untersteuert er leicht, erwies sich aber - nicht zuletzt dank ESP - immer als zuverlässig und sicher.

Pluspunkte sammelt der Laguna auch in Sachen Sicherheit: Beim Euro-Crashtest schnitt er hervorragend ab. Kein Wunder: Die Ausstattungsliste ist auch hier lang und durchdacht. Bis zu acht Airbags rundum, Gurtstraffer und Kraftbegrenzer, stabile Kopfstützen, dazu perfekte Knautschzonen - fünf Sterne beim NCAP-Crashtest sind der Lohn. Vom Preis her ist der Laguna zwar nicht gerade ein Schnäppchen - aber doch sehr fair. In der Version «Emotion» ist er als 1.9 dCi FAP (130 PS) ab 23.500 Euro zu haben, die Basisversion mit 1,6-Liter-Benzinmotor gibt es schon ab 20.300 Euro. Wer auf ein Rundum-Luxus-Paket nicht verzichten mag, ist beim Diesel-«Initiale» allerdings schnell auch über 30.000 Euro los - und eine Menge Stress beim Fahren.






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