25. August 2008

Fahrbericht Renault Laguna Grandtour 2.0 16V Turbo Die blaue Turbo-Lagune

Der Renault Laguna Grandtour
Der Renault Laguna Grandtour © Foto: Renault

Mit schickem Ambiente und einem attraktiven Preis-Leistungsverhältnis empfiehlt sich der Renault Laguna Grandtour als Business-Kreuzer oder Familienkombi. Ein Automatik-Benziner unter der Haube muss es jedoch nicht unbedingt sein.




Von Sebastian Viehmann

Wer französische Langstrecken-Flieger liebt, kommt am Grandtour kaum vorbei. 60 Prozent aller Laguna-Piloten entscheiden sich für den Kombi. Vier Erwachsenen bietet er reichlich Platz. Für 400 Euro Aufpreis gibt es das «Storage»-Paket mit Gepäckraumeinteilung und einer getrennt zu öffnenden Heckscheibe. Die erweist sich zum Einladen kleinerer Gegenstände oder Einkaufstüten als praktisch, zumal die Heckklappe des Laguna ganz schön schwer geraten ist. Komfortabel ist das Sitzkonzept: Per Hebel im Kofferraum klappen die Rücksitze automatisch um und schaffen eine ebene Ladefläche. 508 Liter lässt der große Franzose im Gepäckabteil verschwinden. Zum Vergleich: Der Passat Variant schluckt 603 Liter, der Skoda Octavia Combi 580 Liter, ein Citroën C5 Tourer 533 Liter, das T-Modell der C-Klasse 485 Liter und der Audi A4 Avant 480 Liter. Bei umgelegten Rücksitzen steigt das Laguna-Stauvolumen auf 1593 Liter. Das Beladen bereitet durch die niedrige Ladekante und die breite Öffnung keine Probleme.


Tadellose Innenraumverarbeitung

Die Verarbeitung des Interieurs hinterlässt einen tadellosen Eindruck. Die Bedienung geht größtenteils problemlos vonstatten, hat jedoch auch ihre Tücken. Die Navi-Fernbedienung in der Mittelkonsole zum Beispiel lässt sich während der Fahrt eigentlich sehr komfortabel bedienen, da man den Arm aufstützen kann und mit einem kleinen Drehregler die Menus wechselt. Für viele Funktionen, darunter auch den Karten-Zoom, stehen allerdings rings um den Regler verstreute Tasten zur Verfügung, so dass man oft auf das Bedienfeld schauen muss.

Die Radio-Fernbedienung mit dem kleinen Bedienungssatelliten am Lenkrad ist nach einer kurzen Eingewöhnungsphase angenehmer als jede Lenkradtasten-Fernbedienung. Auch den ab Dynamique-Ausstattung serienmäßigen Tempopiloten möchte man bald nicht mehr missen: Per Knopfdruck schaltet man zwischen Tempomat und Begrenzer um. Letzterer sorgt dafür, dass die Geschwindigkeit nicht über ein gewähltes Limit steigt. Wird der Wagen dennoch schneller, weil zum Beispiel bergab die Motorbremse nicht ausreicht, blinkt eine Anzeige am Instrumententräger.

Flotter Reisewagen mit Anlauf

Edler Innenraum mit Alcantara
Edler Innenraum mit Alcantara © Foto: Renault

Das Motorenangebot reicht vom 1.6-Liter 110 PS-Benziner bis zum 2.0 16V Turbo (204 PS) und vom 1.5-Liter Diesel (110 PS) bis zum 2.0 dCi (178 PS). Der Zweiliter-Turbomotor leistet mit Handschaltung 204 PS bei einem maximalen Drehmoment von 300 Newtonmetern, für die Automaten-Version wurden Leistung und Drehmoment auf 170 PS und 270 Newtonmeter gedrosselt. Das ist immer noch kräftig, doch Motor und 6-Stufen-Automatik bilden keine wirklich harmonische Einheit. In der Regel sind die Schaltübergänge weich und ruckfrei, aber selbst im manuellen Modus geht der Gangwechsel ziemlich träge vonstatten.

Der Franzose taugt durchaus zum flotten Reisewagen, aber 9,4 Sekunden von 0 auf 100 Km/h reißen trotzdem niemanden vom Hocker. Für die Höchstgeschwindigkeit von 220 Km/h braucht der Franzose viel Anlauf.

Leichtgängige Lenkung

Nicht ganz so viel Platz wie bei den Konkurrenten, aber immer noch ausreichend
Nicht ganz so viel Platz wie bei den Konkurrenten, aber immer noch ausreichend © Foto: Renault

Den Durchschnittsverbrauch gibt Renault mit 8,9 Litern an, unser Testwagen genehmigte sich ein bis zwei Liter mehr im Schnitt. Selbst außerorts verbrauchte er selten weniger als acht Liter. Bei forscher Fahrweise fordert die automatische Turbo-Lagune elf bis zwölf Liter.

Wenig Grund zur Klage gibt es beim Fahrwerk. Der Grandtour liegt ruhig und sicher auf der Straße, in schnellen Kurven lässt er sich trotz einer leichten Wankneigung kaum aus der Ruhe bringen und der Federungskomfort ist in allen Lebenslagen exzellent. Nur bei Querfugen lässt die hintere Verbundlenkerachse gelegentlich zarte Schläge zu den Passagieren durch. Die Lenkung ist sehr leichtgängig, aber nicht unangenehm schwammig.

GT bessere Alternative

Dynamische Seitenlinie
Dynamische Seitenlinie © Foto: Renault

Die Preise des Grandtour starten bei 21.500 Euro (Expression 1.6, 110 PS), den 2.0 Turbo (170 PS) gibt es ab 27.150 Euro. Die Automatik ist beim Turbo immer an Bord, nur beim Top-Modell GT gibt es die Handschaltung. Die wichtigsten Komfortextras sind ab Dynamique-Ausstattung an Bord, beim Top-Modell Initiale (33.400 Euro) bleiben keine Wünsche offen. Von der Volllederausstattung über Bi-Xenonscheinwerfer mit Kurvenlicht bis hin zum Navigationssystem ist alles an Bord, was man bei der deutschen Konkurrenz in dieser Preislage meistens teuer dazukaufen muss.

Wer einen flotten Luxus-Laguna sucht und keinen Diesel will, dürfte unterm Strich am besten mit dem 30.500 Euro teuren GT bedient sein. Der ist mit Handschaltung nicht nur etwas agiler und sparsamer als die Automat-Lagune, sondern bietet auch eine reichhaltige Ausstattung inklusive Leder-/Alcantara-Polsterung, Einparkhilfe, Bi-Xenonscheinwerfern mit Kurvenlicht, elektrisch beheiz- und verstellbaren Sitzen, Klimaautomatik, Tempopilot und Nebelscheinwerfern. Zudem sorgt die serienmäßige elektronische Vierradlenkung für einen deutlichen Dynamik-Gewinn.






Mehr zur Marke Renault

Unterschiede unter RealbedingungenBehörde wirft Renault Betrug bei Abgastests vor

Nach übereinstimmenden Medienberichten wirft die französische Anti-Betrugsbehörde dem Autobauer Renault „betrügerische Strategien“ bei Abgastests vor. Der Hersteller weist dies entschieden zurück.


Variabler KompaktvanRenault Scenic: Reife Jahrgänge

Der Renault Scenic hat sich im Laufe der Jahre zu einem pannensicheren Auto entwickelt. Besonders die jüngeren Jahrgänge der dritten Generation werden auch als Gebrauchte Freude bereiten.


In 3,2 Sekunden auf 100Renault Zoe E-Sport Concept: Auf den Spuren des Weltmeisters

Mit dem e.dams-Team gewann Renault im letzten Jahr die Formel E. Die Studie des Zoe übernimmt Anleihen aus der elektrischen Motorsportklasse – leider ohne Chance auf Verwirklichung.



Mehr aus dem Ressort

Kombi mit sauberem DieselMercedes E-Klasse T-Modell: Dezent auffällig

Das T-Modell der Mercedes E-Klasse vereint die richtige Mischung aus elegantem und sportivem Design in sich. Auch beim Antrieb findet der zum Teil autonom fahrende 220 d den richtigen Grat zwischen Basis- und Topmodell.


Dacia hat dem Sandero viel Wertigkeit zukommen lassen
Kleinwagen mit sparsamen DieselDacia Sandero dCi 90: Revolution mit Komfort

Dacia bietet in jedem Segment das günstigste Modell an. Trotz des völlig ausreichenden Purismus hat die Renault-Tochter dem Bestseller Sandero mehr Komfort zukommen lassen.


BMW X4 neu Aufmacher AG/Mertens
SUV-Coupé mit 190 PSBMW X4: Herrlich polarisierend

Braucht man SUV-Coupés wirklich? Klar, diese Frage stellen wir uns mit Blick auf den BMW X4 auch. Doch lässt man das Geschmäcklerische mal außen vor, dann kann man diesem Auto nach etlichen Testkilometern doch einiges Positives abgewinnen.